Flüchtlingshilfe kritisiert Betreuung in Notunterkunft

Am Fleehook

Bernd Overkamp vom Spendenlager des Forums ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe Ahaus kritisiert, dass sich in der Notunterkunft am Fleehook zu wenig um die Flüchtlinge gekümmert wird. Das Deutsche Rote Kreuz hält dagegen. Es gebe sehr wohl eine Art von Beschäftigungsprogramm.

AHAUS

, 14.06.2016, 18:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Notunterkunft am Fleehook werden Flüchtlinge untergebracht, die noch keiner Kommune zugewiesen sind. Die Einrichtung auf Landesebene steht unter der Verwaltung der Bezirksregierung Münster und wird vom Deutschen Roten Kreuz betrieben.

In der Notunterkunft am Fleehook werden Flüchtlinge untergebracht, die noch keiner Kommune zugewiesen sind. Die Einrichtung auf Landesebene steht unter der Verwaltung der Bezirksregierung Münster und wird vom Deutschen Roten Kreuz betrieben.

Die Kritik: Flüchtlinge aus der Unterkunft hätten sich an das Spendenlager gewandt und um Hilfe gebeten. "Sie leben dort seit Wochen und Monaten und können nichts machen", so Overkamp. Nicht einmal für die schulpflichtigen Kinder gebe es Unterricht. "Darüber haben mehrere Flüchtlinge bei uns geklagt. Da muss doch etwas gemacht werden", so Overkamp. Spätestens der Betreiber der Unterkunft müsse doch einfach etwas für den Unterricht tun. "Wenigstens für die schulpflichtigen Kinder", so Overkamp.

Für den Betrieb der Unterkunft am Fleehook ist das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich: Jürgen Rave vom DRK lässt aber so nicht stehen, dass es in der Unterkunft kein Programm gebe. Sehr wohl werde für Beschäftigungsangebote gesorgt. "Die müssen dann aber auch wahrgenommen werden", erklärt er. Und gerade das Interesse für die verschiedenen Angebote sei von den Flüchtlingen bisher eher verhalten.

Unterschiedliche Resonanzen

Gleichzeitig erklärt er, dass durch freiwillige Helfer, so weit und gut es gehe, Deutschunterricht angeboten werde. Im Zweifel mit sehr einfachen Mitteln. Auch darauf sei die Resonanz aber sehr unterschiedlich: "Unterricht bringt ja nicht viel, wenn am einen Tag die einen und am nächsten Tag ganz andere Kinder dahin kommen", so Rave.

Ein Problem sei eben, dass die Flüchtlinge momentan viel länger in der Unterkunft leben würden, als geplant: "Als mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, wurden die schneller auf die Städte und Gemeinden verteilt", sagt Rave. Inzwischen habe sich das eben deutlich verlangsamt. Er wirbt aber auch um Hilfe: "Wenn uns jemand bei den freiwilligen Angeboten für die Flüchtlinge unterstützen möchte, werden wir Hilfe nicht ablehnen", sagt er.

Unterkunft bleibt vorerst

Jürgen Rave macht gleichzeitig auch deutlich, dass die Unterbringung in der Halle in Ahaus trotz allem noch vergleichsweise gut sei: "Man braucht ja bloß nach Münster oder Selm zu sehen. Dort gibt es auch Notunterkünfte - allerdings mit bis zu 1000 Bewohnern", sagt er.

Vorerst bleibt die Gewerbehalle im Fleehook noch Unterkunft auf Landesebene. Wie lange mochte Sigrun Rittrich, Pressesprecherin der zuständigen Bezirksregierung Münster, auf Nachfrage unserer Zeitung nicht abschätzen. Eine Information liefert die Bezirksregierung dann noch nach: Die Schulpflicht beginnt für die Flüchtlingskinder erst, wenn sie einer Kommune zugewiesen werden. So lange sie in der Unterkunft auf Landesebene am Fleehook wohnen, gilt die Schulpflicht für sie noch nicht. Mit kleinen Schwankungen sind in der Unterkunft aktuell rund 200 Flüchtlinge untergebracht. Vorgesehen ist sie für bis zu 300 Personen.

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