Das Kokain kam aus Südamerika (Symbolbild). © Christian Charisius/dpa
Verbrechen

Freundschaftsdienst mit Folgen: Zoll stoppt Kokain-Schmuggler

Er wollte einen „Freundschaftsdienst“ leisten, um sich von seinen Spielschulden zu befreien. Dazu sollte der Mann 50 Gramm Drogen nach Deutschland schmuggeln. Doch es kam alles ganz anders.

Den 2. November des vergangenen Jahres wird der 31-Jährige nicht so schnell vergessen. Einen Beutel mit Amphetamin wollte er aus den Niederlanden nach Deutschland schmuggeln. Doch in Ahaus, auf einem Feldweg kurz hinter der Grenze, stoppte ihn der Zoll. Der Mann versuchte zu fliehen und warf den Beutel mit den Drogen weg – doch es half am Ende nichts.

Am Dienstag, ein knappes Jahr später, musste sich der Gescheraner vor dem Amtsgericht in Ahaus verantworten. Besitz von und Handel mit einer nicht geringen Menge Rauschgift, lautete die Anklage. Darauf stehen im Normalfall mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe.

Im Casino in Enschede angesprochen

Der Mann ließ zunächst seinen Anwalt für sich sprechen – und der setzte an: Sein Mandant räume die Tat ein, nur dahinter verberge sich – wie so häufig – eine längere Geschichte.

Und die geht so: Der Familienvater habe im staatlichen Casino in Enschede gepokert. Ein Mann habe ihn angesprochen, ob er nicht Lust habe, bei einer privaten Pokerrunde mitzumachen. Dort waren schnell 500 Euro Spielschulden angehäuft, die der 31-Jährige nicht sofort bezahlen konnte.

Aber seine zwielichtigen Spielpartner boten ihm eine Lösung dieses Problems an: Ein „Freundschaftsdienst“ und die Sache wäre erledigt. „Mit denen ist nicht zu scherzen“, erklärte der Angeklagte. Das seien skrupellose Leute. Man habe ihm Schläge und Elektroschocks angedroht.

Ihre Forderung: Der Schuldner solle 50 Gramm Amphetamine nach Deutschland bringen. Auf einem Aldi-Parkplatz erfolgte die Übergabe, doch weit kam der Mann nicht. Hinter der Grenze griff ihn der Zoll auf. Dass es sich bei seinem Schmuggelgut um die gefährlichere Droge Kokain und nicht Amphetamin handelte, habe er nicht gewusst: „Ich weiß nur, es war was Weißes.“

Staatsanwaltschaft forderte zweieinhalb Jahre Haft

Am Ende befand das Gericht diese Geschichte für glaubhaft: „Wir können nicht sagen, dass Sie uns nicht überzeugt hätten“, führte der Vorsitzende in Hinblick auf das Geständnis aus. Auch in der zentralen Frage, ob es sich um einen minderschweren Fall handelt, entschied das Gericht letztlich im Sinne des Angeklagten. Sonst hätte tatsächlich – wie von der Staatsanwaltschaft gefordert – Haft gedroht.

Am Ende verurteilte das Gericht den Angeklagten, der zuvor nicht straffällig geworden war, zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße in Höhe von 2.000 Euro. „Sie haben durchaus etwas zu verlieren“, mahnte der Richter mit Verweis auf Familie und Job des Angeklagten. „Wir denken, dass Sie das nicht riskieren werden.“

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