Anne Honekamp mit dem Terminbuch für die kommenden Wochen. Eine Lücke ist da so gut wie nicht mehr zu finden. © Stephan Rape
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Friseure sind überglücklich über den Neustart nach dem Lockdown

Nach zehn Wochen wird seit Montagmorgen in den Friseursalons gegen die Lockdown-Frisuren angeschnitten. Die Friseure in Ahaus sind überglücklich, nur Termine sind rar.

Zehn Wochen herrschte Zwangspause, seit Montagmorgen klappern die Scheren in den Friseursalons auf Hochtouren. Der Lockdown für die Friseurbetriebe ist beendet – und die Kunden kommen in Scharen.

„Wir sind bis Ende April ausgebucht“, sagt Anne Honekamp von Honekamp-Friseure. Seit vor drei Wochen der Neustart für den 1. März verkündet wurde, habe das Telefon praktisch nicht mehr still gestanden, ergänzt sie lachend. Allein 150 Nachrichten seien auf dem Anrufbeantworter aufgelaufen.

Dazu kommen noch einmal 400 Whatsapp-Nachrichten, Mitteilungen bei Instagram und Facebook oder E-Mails. „Mehrere Tage haben wir zu dritt am Terminbuch gearbeitet“, sagt sie. Und blättert durch die Seiten: Seitenweise sind die Tage eng mit Bleistift beschrieben. Eine Lücke ist dort praktisch nicht mehr zu finden.

Termine sind auf Wochen ausgebucht

Ein Mann kommt gerade zur Tür herein und möchte für seinen über 80-jährigen Vater dringend noch einen Termin vereinbaren. Möglichst nah am Termin der Mutter, die hatte in den nächsten Tagen einen Termin ergattert. Anne Honekamp blättert, kann dann aber nur mit den Schultern zucken. „Keine Chance, alles voll“, erklärt sie bedauernd. Erst einige Tage später findet sich dann doch noch eine kleine Lücke. Der Mann nickt trotzdem zufrieden. Hauptsache es gibt überhaupt einen Termin.

Hochbetrieb im Friseursalon: Bei Honekamp in Ahaus ist im Moment so gut wie kein Termin mehr frei. Das Unternehmen hat zusätzliche Räume eingerichtet, um den Ansturm zu bewältigen.
Hochbetrieb im Friseursalon: Bei Honekamp in Ahaus ist im Moment so gut wie kein Termin mehr frei. Das Unternehmen hat zusätzliche Räume eingerichtet, um den Ansturm zu bewältigen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Eigentlich wäre an diesem Montag ja Ruhetag. Aber nach der langen Zwangspause sei daran natürlich nicht zu denken. Mehr noch: Die Kapazitäten im Salon an der Bahnhofstraße wurden im Lockdown noch ausgeweitet. Zusätzliche Schneide- und Pausenräume wurden eingerichtet, um die Abstände zwischen den Kunden einhalten zu können.

Mehrere tausend Euro Investitionen müssen wieder hereinkommen

Auch die Trennwände zwischen den einzelnen Plätzen musste das Unternehmen noch einmal erhöhen. Die Klimaanlage wurde bereits im ersten Lockdown Anfang 2020 mit einem zusätzlichen UV-Filter gegen Viren aufgerüstet. Insgesamt Investitionen von mehreren Tausend Euro. „Trotzdem freuen wir uns natürlich, dass wir wieder arbeiten können“, erklärt Anne Honekamp. Die Wiedereröffnung am Montag sei fast so etwas wie ein Neustart gewesen. Regelrecht nervös seien sie gewesen. „Am liebsten hätten wir unsere Kunden alle umarmt“, sagt sie. Aber das gehe natürlich nicht.

Innungsobermeisterin Sabine Etzrodt-Clermont freut sich, endlich wieder arbeiten zu können. Zwar nur unter strengen Vorschriften, aber die nimmt sie gerne in Kauf.
Innungsobermeisterin Sabine Etzrodt-Clermont freut sich, endlich wieder arbeiten zu können. Zwar nur unter strengen Vorschriften, aber die nimmt sie gerne in Kauf. © Stephan Rape © Stephan Rape

Genauso sieht es auch im Salon von Sabine Etzrodt-Clermont in der Ahauser Innenstadt aus. Die Innungsobermeisterin hat am Montagmorgen um 6 Uhr mit der Arbeit begonnen. So wie viele ihrer Kollegen. „Für einen Termin im März muss man schon Glück haben“, sagt sie lachend.

Auch sie will die nächsten Wochen durcharbeiten, verzichtet auf Ruhetage und hat die Öffnungszeiten am Wochenende ausgeweitet. „Sonst wäre der Ansturm ja gar nicht zu schaffen“, sagt sie und muss schon wieder zum Telefon eilen. Die nächste glückliche Kundin hat einen Termin bekommen.

Skepsis vor einem möglichen erneuten Lockdown

Trotz des Hochbetriebs und der durchweg guten Laune schwingt auch eine Portion Skepsis mit: „Wer weiß, wie lange wir öffnen dürfen“, sagt Sabine Etzrodt-Clermont. Doch den Gedanken wischt sie schnell beiseite.

Insgesamt sei die Stimmung in der Branche gerade aber sehr gut, fügt die Innungsobermeisterin hinzu. „Ich habe mit vielen gesprochen. Die sind alle total froh, endlich wieder öffnen zu dürfen“, erklärt sie. Aber es gebe eben auch andere Fälle: „Gerade die sehr kleinen Salons bleiben teilweise noch geschlossen“, erzählt sie. Dort seien die Vorgaben schwerer umzusetzen. „Und wenn ich da nur einen Kunden pro Stunde empfangen darf, stimmen natürlich nachher die Umsätze nicht“, erklärt die Obermeisterin.

Sie hat zusätzliche Räume im Keller eingerichtet. Dort können Kunden beispielsweise nach einer Haarfärbung darauf warten, dass die Farbe trocknet. Derweil kann oben im Erdgeschoss weitergearbeitet werden. Auch eine spezielle Lüftungsanlage sollte eigentlich schon in Betrieb sein. „Ich habe aber im Lockdown keine Handwerker bekommen“, erklärt sie. Das Gerät soll in den nächsten Wochen geliefert werden.

Spezielle Lüfter sollen den Betrieb sicherer machen

Im Salon Wesker an der Wüllener Straße läuft am Montagmorgen schon ein spezieller Lüfter samt Virenfilter. „Den haben wir angeschafft, um unseren Kunden noch mehr Sicherheit zu geben“, sagt Kathrin Wesker. Eigentlich würde es ja reichen, regelmäßig zu lüften. „Aber wir wollten auf Nummer sicher gehen“, erklärt sie. Außerdem sei es ja angenehmer, wenn bei den aktuellen Temperaturen die Fenster länger geschlossen bleiben könnten. Dadurch gehe das siebenköpfige Team natürlich auch Diskussionen aus dem Weg. „Die einen Kunden wollen die Fenster dauerhaft geöffnet haben, den anderen wird schneller kalt“, sagt sie.

Im Salon Wensker läuft sei Montagmorgen ein spezieller Luftfilter, der Viren unschädlich machen soll. Zur Sicherheit. Denn eigentlich würde es laut Corona-Schutzverordnung reichen, dort regelmäßig zu lüften.
Im Salon Wesker läuft seit Montagmorgen ein spezieller Luftfilter, der Viren unschädlich machen soll. Zur Sicherheit. Denn eigentlich würde es laut Corona-Schutzverordnung reichen, dort regelmäßig zu lüften. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auch in diesem Salon herrscht schon wieder Hochbetrieb. Natürlich in den engen Grenzen der Vorgaben aus der Corona-Schutzverordnung. Ein Kunde pro zehn Quadratmeter Ladenfläche ist erlaubt. Mehr nicht. „Wir sind trotzdem froh, dass wir überhaupt wieder arbeiten können, dass wir unser Leben zurückbekommen“, erklärt Kathrin Wesker. Dann hat sie keine Zeit mehr. Das Telefon klingelt.

Ihre Tochter Theresia Busch ergänzt: „Wir waren zehn Wochen zum Nichtstun verurteilt“, sagt sie. Mit der Ankündigung der Öffnung habe sie zumindest eine Perspektive zurückbekommen. „Jetzt geht es erst einmal mit voller Kraft los“, freut sie sich. Allein den Kundenkontakt wiederbekommen zu haben, sei schon ein tolles Gefühl.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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