Fünf Ahauser starten beim berühmtesten Fahrradmarathon der Welt

hzParis-Brest-Paris

Fünf Ahauser starten am 18. August beim berühmtesten Fahrradmarathon der Welt: Paris-Brest-Paris. Sie wollen die 1200 Kilometer lange Strecke in weniger als 90 Stunden zurücklegen.

Ahaus

, 12.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Paris-Brest-Paris (PBP), 1200 Kilometer – mit dem Rad. Denn Paris-Brest-Paris ist der wohl berühmteste Fahrradmarathon (Brevet) der Welt. 1891 erstmals ausgetragen, findet die Veranstaltung nur alle vier Jahre statt. In diesem Jahr, genauer gesagt am 18. August, sind fünf Ahauser mit dabei: Stefan Ostendorf (54), Heiner van Weyck (51), Tobias Marpert (42), Christian Alfert (42) und Tim Schmelting (42).

Stefan Ostendorf sind Strapazen im Sattel nicht unbekannt. Er fuhr schon diverse Mehrtagestouren mit dem Rad. 150 oder 170 Kilometer Fahrradfahren am Tag, das ist für ihn das Kontrastprogramm zum beruflichen Alltag. Der 54-Jährige ist Gesellschafter im Inovatus Systemhaus an der Ridderstraße in Ahaus und zuständig für den Bereich Software-Entwicklung.

Ahaus-Norddeich-Ahaus war für ihn die erste größere Langstrecke. „400 Kilometer in 24 Stunden“. Morgens um 10 Uhr ging es in Ahaus los, am nächsten Tag um 10 Uhr war er wieder zu Hause. „Ich wollte mir selbst beweisen, dass es mit dem Rennrad geht.“

Von Merselo nach Verona

Vor einigen Jahren erschloss sich ihm ein neues Universum, als er von den sogenannten Brevets hörte. Langstreckenfahrten mit dem Rad. In Holland gebe es entsprechende Veranstaltungen, erfuhr der Ahauser. Mittlerweile ist Ostendorf Mitglied bei Randonneurs.nl, dem niederländischen Verein für Randonneure (Langstreckenradfahrer). Im vergangenen Jahr fuhr Stefan Ostendorf von Merselo in den Niederlanden 1200 Kilometer bis nach Verona in Italien. In 82 Stunden. „Man kann mehr als 400 Kilometer am Tag fahren, auch das geht.“

Jetzt also Paris-Brest-Paris: Mehr als 6000 Radfahrer aus über 70 Nationen, die von der französischen Hauptstadt in die Hafenstadt Brest in der Bretagne und wieder zurück fahren. Schnelligkeit und Platzierung sind nicht entscheidend, sondern „dabei sein“ und ankommen. „Man muss ein Zeitlimit einhalten. Wie man sich das einteilt, ist jedem selbst überlassen“, erklärt Stefan Ostendorf

Um starten zu können, muss man eine sogenannte Brevet-Serie (Fahrradmarathon) gefahren sein – jeweils einmal 200, 300, 400 und 600 Kilometer. Die fünf Ahauser haben das gepackt, sechs Monate hatten sie dafür Zeit. Mal ging es mehrere hundert Kilometer durch die Niederlande und Belgien, mal durch Frankreich. Warum man sich so etwas antut? „Das ist eine gute Frage“, antwortet Heiner van Weyck, der 2013 zum Beispiel mit dem Rad von Ahaus zur Insel Föhr gefahren ist. „Es ist die Leidenschaft, die Liebe zum Radfahren.“

Stefan Ostendorf spricht über den größeren Aktionsradius, den es auch auf dem Rad gebe. „Wenn man sich in Holland aufs Rad setzt und 82 Stunden später in Verona wieder absteigt, dann ist das einfach ein tolles Gefühl.“ Heiner van Weyck ergänzt: „Es ist für einen selbst doch schön zu wissen, dass man mit dem Rad innerhalb eines Tages nach Hamburg fahren kann.“

Vorbereitung

Mit Blick auf die Herausforderung am 18. August klingt „Ahaus-Hamburg“ ja fast wie ein Kinderspiel. 1200 Kilometer bei Paris-Brest-Paris in weniger als 90 Stunden – wie bereitet man sich darauf vor? „Ich trainiere dreimal die Woche“, sagt Heiner van Weyck. „Unter der Woche schaffe ich es kaum“, antwortet Stefan Ostendorf. „Dafür ist bei den Randonneuren einmal pro Monat ein Brevet.“ Den fährt er nach Möglichkeit mit. „Wenn man regelmäßig Rad fährt, schafft man die Strecke“, ist Heiner van Weyck sicher. „Es ist nicht in erster Linie die sportliche Herausforderung. Die Kunst ist, mit dem Schlafmangel klarzukommen, den inneren Schweinehund zu überwinden und einfach weiterzufahren.“

Räder werden kontrolliert

Am Tag vor dem Rennen wird das Quintett aus Ahaus in Paris in einem Hotel einchecken, das Equipment wird in einem Bulli mitgenommen. „Am Tag vor dem Rennen werden die Räder gecheckt“, erläutert Stefan Ostendorf. So wird unter anderem geprüft, ob die Fahrräder über eine Lichtanlage verfügen – schließlich wird auch nachts gefahren – und ob sie verkehrstauglich sind. Erlaubt sind alle Arten von Fahrrädern, solange der Antrieb über eine Kette und ohne Hilfskraft geschieht.

Fünf Ahauser starten beim berühmtesten Fahrradmarathon der Welt

Stefan Ostendorf bei einer Trainingsfahrt auf Lanzarote. © Privat

Start (und Ziel) ist in Rambouillet, 50 Kilometer südwestlich von Paris. Dort geht es am Sonntag, 18. August, abends um 18.30 Uhr los. „Wir werden wahrscheinlich die erste Nacht bis zum nächsten Abend durchfahren“, sagt Stefan Ostendorf. Jeweils eine kurze Schlafpause werde dann wahrscheinlich im Zeltlager des Niederländischen Randonneur-Clubs in Laudeac eingelegt oder „bei Bedarf“ an einer der vielen Stempelstellen, die alle 80 bis 90 Kilometer auf der Strecke auf die Teilnehmer warten und auch nachts geöffnet haben, beispielsweise Tankstellen. Den Stempel gibt es als Nachweis, dass die Radfahrer keine Abkürzung genommen haben.

Doch die Nacht wird kurz für die Ahauser Radfahrer, mehr als zwei bis drei Stunden Schlaf wollen sie sich nicht gönnen. Geplant ist, zunächst 500 Kilometer am Stück zu fahren. Stefan Ostendorf rechnet vor: „Für 100 Kilometer brauchen wir etwa fünf Stunden inklusive Pause. Wir fahren einen Schnitt von 24 oder 25 km/h. Plus eine Stunde Pause sind das fünf Stunden für 100 Kilometer.“ Demnach schaffen sie die ersten 500 Kilometer in 25 Stunden. Am nächsten Tag sollen es dann 300 Kilometer sein, „dann haben wir schon 800 Kilometer geschafft und dann wird wieder etwas geschlafen.“ Notfalls gibt es ein Nickerchen in einem Buswartehäuschen. Fahrer, die ohne Schlaf durchzukommen versuchen, kommen schnell an ihre Grenzen.

Unterstützung

Doch nicht nur Schlaf spielt eine Rolle, auch die Unterstützung der Radfahrer ist wichtig. Das war schon 1891 bei der ersten Auflage so, das ist auch heute noch so. Auf der ganzen Strecke werden die Fahrer entlang des Weges von Menschen angefeuert. Helfer versorgen die Radfahrer kostenlos mit Essen und Trinken und stellen Schlafplätze zur Verfügung.

Die fünf Ahauser können auf Unterstützung aus der Heimat zählen. Der Wüllener Bernd Bussmann wird die Gruppe am Dienstagmorgen in Fougères gemeinsam mit anderen Radsportbegeisterten aus Argentré du Plessis (Wüllens Partnergemeinde) empfangen. Stefan Ostendorf: „Nach 900 Kilometern sind wir dann noch mal in Fougères, bevor wir dann am Donnerstag hoffentlich im Zeitrahmen wieder in Paris zurück sind.“

Viel Gepäck haben die fünf Ahauser unterwegs nicht zu transportieren. Aufs Rad wird eine Regenjacke mitgenommen, etwas Werkzeug, Ersatzschläuche und als Verpflegung auf jeden Fall Bananen.

Ernährung ist das A und O

Als anspruchsvoll sehen die Ahauser das Höhenprofil der Strecke, PBP ist durchgehend hügelig, pro 100 Kilometer gibt es etwa 1000 Höhenmeter, sodass in Summe mehr als 12000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Stefan Ostendorf: „Alle denken, Frankreich ist platt wie ein Pfannkuchen. Aber so ist es nicht.“ Heiner van Weyck: „Wichtig ist, dass das Rad gut eingestellt ist, dass man gut auf dem Sattel sitzt, dass einem die Hände nicht einschlafen.“ Tobias Marpert: „Es gilt, das Tempo zu finden, das man durchhält. Und die Ernährung ist das A und O. Man muss ständig Energie zuführen. Wenn man den Hungerast hat und merkt, dass die Knie zittern, dann hat man den Punkt für die Nahrungsaufnahme schon verpasst.“

Apropos verpassen, die Strecke ist komplett ausgeschildert, zudem lässt sich auch per Handy navigieren. Den Weg zu finden ist daher so nicht so schwierig, eher das Ankommen innerhalb der vorgegebenen Zeit. Jeder der 6000 Teilnehmer – zwischen 18 und über 80 Jahre alt – kann die Strecke auf seine Art bewältigen. Die fünf Ahauser werden es auf ihre Art tun. Fünf Männer aus dem Münsterland beim ältesten Langstreckenradrennen der Welt, das nur alle vier Jahre ausgetragen wird. Sie sind glücklich, dass sie dabei sein dürfen.

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