Geplante Atommüll-Transporte nach Ahaus: Der Protest geht weiter

Atommüll

NRW drohen weitere Atommüll-Transporte aus verschiedenen Atomkraftwerken nach Ahaus. „Ein völlig sinnlose Verschieberei“, erklärt die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“.

Ahaus

, 14.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Geplante Atommüll-Transporte nach Ahaus: Der Protest geht weiter

Das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. © Bernd Schlusemann

Die Bedenken der Einwender wurden beim Erörterungstermin in der vergangenen Woche wohl nicht entkräftet: „Der Protest geht weiter“, das erklärte Udo Buchholz, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) am Donnerstag in einer schriftlichen Stellungnahme. Buchholz und die beiden Ahauser Felix Ruwe und Hartmut Liebermann von der Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“ hatten bei einer zweitägigen Erörertung in Legden deutliche Kritik geübt.

Anlass des Termins war die beantragte Verlängerung der Lagerfrist für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll im Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. Die aktuelle Lagerungsgenehmigung läuft am 20. Juli 2020 aus. Beantragt ist die Verlängerung der Lagerfrist bis 2057. Gegen diese verlängerte Lagerfrist waren mehr als 1000 Einsprüche bei der Bezirksregierung Münster eingereicht worden.

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„Die bisherige Genehmigung war bereits befristet, von 2010 bis 2020. Es handelt sich dabei auch nicht um einen „Probebetrieb“, wie auf dem Erörterungstermin behauptet wurde, sondern um eine ganz normale Betriebsgenehmigung.“ Das schreibt die BI in einer Stellungnahme.

„Von daher ist nicht einzusehen, warum die Genehmigungsbehörde jetzt nicht erneut eine befristete Genehmigung aussprechen kann, die einen Zeitraum umfasst, der wesentlich überschaubarer ist als der bis zum Jahr 2057. Selbst 2057 ist ja auch eine Befristung“, erklärt BI-Sprecher Felix Ruwe.

Transporte aus Atomkraftwerken

Unabhängig von der Frage der Neugenehmigung, so die BI, sei beim Erörterungstermin vom Betreiber des Zwischenlagers bekannt gegeben worden, dass noch in diesem Jahr 100 Konrad V-Behälter im Rahmen der bestehenden Genehmigung nach Ahaus gebracht werden sollen: Aus den Atomkraftwerken Lingen alt und neu, Grohnde, Unterweser, Brokdorf, Biblis, Mülheim-Kärlich und Würgassen.

Felix Ruwe: „Deren Verbringung nach Ahaus wäre zwar genehmigt, jedoch alles andere als vernünftig: zum Beispiel wurde im Mai 2019 im Atomkraftwerk Unterweser ein nagelneues Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll fertiggestellt. Auch andere Kraftwerke wie Würgassen, Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg haben noch erhebliche Lagerkapazitäten. Ein Transport nach Ahaus wäre also eine völlig sinnlose Verschieberei, die keinerlei Sicherheitsgewinn mit sich brächte.“ Die BI sieht darin einen Verstoß gegen das Gesetz zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung.

Warnung vor Drohnen

Zudem sieht die Bürgerinitiative Mängel beim Brennelemente-Zwischenlager, wenn es um den Schutz vor Einwirkungen Dritter geht. „Selbst der TÜV-Fachberater der Bezirksregierung Münster war nicht über die Gefahren moderner Drohnen informiert“, schreibt die BI. Felix Ruwe: „Erschreckend war auch die Feststellung, dass es für eine derart brisante Atomanlage wie das Zwischenlager kein Überflugverbot gibt. Für uns ist das ein weiterer Beweis für den zu lässigen Umgang mit Atommüll in Deutschland.“

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Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ fordert daher keine weiteren Transporte von schwach- und mittelradioaktivem Abfall nach Ahaus. Stattdessen sollte der Atommüll an den Orten der Entstehung gelagert werden. Eine weitere Forderung der BI ist, die bestehende Lagergenehmigung nicht für völlig unüberschaubare Zeiträume zu verlängern. „Maximal zehn Jahre bis zum Jahr 2030.“ Die Bezirksregierung Münster rechnet mit einer Entscheidung über die Verlängerung der Lagerfrist noch in diesem Jahr.

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