Gewürgt oder fixiert? Schlägerei findet Nachspiel vor Amtsgericht

hzProzess in Ahaus

Eine Taekwondo-Einlage auf Karpaten räumte der Angeklagte ein. Mehr nicht. Was an dem Abend wirklich geschah, das blieb auch vor Gericht im Nebel.

Ahaus

, 20.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unterschiedliche Aussagen des Angeklagten und der fünf Zeugen führten zur Entlastung des 22-jährigen, nicht vorbestraften Angeklagten aus Ottenstein: Er war wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung angeklagt, das Verfahren wurde aber gegen die Auflage, 500 Euro an die Landeskasse zu zahlen und die Kosten des Verfahrens zu tragen, eingestellt.

Schubserei eskalierte

Verhandelt wurden am Montag vor dem Amtsgericht in Ahaus die zwei körperlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und zwei Männern aus Vreden auf dem Zeltfestival Karpaten am 8. April 2018. Vorausgegangen war eine Schubserei zwischen der Clique aus Vreden und der des Angeklagten aus Ottenstein. Um Schlimmeres zu verhindern, habe er nach den Regeln des Taekwondo den hingefallenen Zeugen fixiert, so der Angeklagte. Er habe dessen Kiefer nach oben gedrückt, damit er ihn nicht beißen könne. „Danach haben wir uns gegenseitig entschuldigt und sind getrennte Wege gegangen“, schilderte der Angeklagte diesen ersten Vorfall.

Die Luft genommen

In der Anklageschrift klang das anders. Demnach soll der Angeklagte diesen ersten Zeugen gewürgt haben, was er aber vehement bestritt. Der 27-jährige Zeuge aus Vreden bestätigte die Anklageschrift. Er habe die Rangelei gesehen, sich schlichtend einmischen wollen und einen Schlag vom Angeklagten erhalten. Daraufhin sei er zu Boden gegangen. Dann habe der Angeklagte seinen Unterarm auf seinen Kehlkopf gedrückt, was ihm die Luft genommen habe. Danach seien sie getrennte Wege gegangen.

Aggressive Begegnung

Später seien sich die Cliquen wieder begegnet. Der Angeklagte schilderte das Auftreten des zweiten Geschädigten als aggressiv. „Das Gerangel mit dem ersten Zeugen gebe ich zu. Diesen zweiten Zeugen habe ich nicht geschlagen“, lieferte er dann ein Teilgeständnis. Die Fotos des zweiten Geschädigten mit erheblichen Gesichtsverletzungen sprachen nur vordergründig eine andere Sprache. Das Opfer und seine Freunde identifizierten den Angeklagten eindeutig als Verursacher seiner Verletzungen. Das wiederum stritten der Angeklagte und auch die Zeugen aus seiner Clique ab.

Richter vermutet Alkoholnebel

„Es sind zwei unterschiedliche Geschichten, je nach Lager“, resümierte der Richter. „Ich habe das Gefühl, dass sie alle besoffen waren. Das Ganze hat sich ein bisschen aufgeschaukelt auf beiden Seiten.“ Deshalb wurde die einfache Körperverletzung gegen den ersten Geschädigten mit der Geldauflage in Höhe von 500 Euro geahndet und der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung gegen das zweite Opfer wegen unklarer Vorgänge eingestellt.

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