Bernd Stichling, geschäftsführender Gesellschafter, und Janina Grünewald, Assistentin der Geschäftsführung, blicken optimistisch in die kommenden Wochen. Den Bestand an Fassbier im Lager des Getränkegroßhandels fahren sie langsam wieder hoch. © Stephan Rape
Getränkehandel

Grünewald bereitet sich langsam auf Neustart in der Gastronomie vor

Noch ist das Fasslager beim Getränkegroßhändler Grünewald sehr überschaubar. Doch mit viel Hoffnung auf einen Neustart in der Gastronomie fährt das Ahauser Unternehmen langsam die Bestände hoch.

Normalerweise macht der Bereich Event und Gastronomie beim Getränkegroßhandel Grünewald rund 50 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Der ist, seit Kneipen und Restaurants Anfang November 2020 schließen mussten, natürlich komplett zusammengebrochen. „Wir hätten niemals gedacht, dass der zweite Lockdown so lange dauern würde“, sagt Bernd Stichling, geschäftsführender Gesellschafter bei Grünewald.

Dennoch könne sich das Unternehmen mit anderen Standbeinen gut über Wasser halten: „Der Lebensmitteleinzelhandel und vor allem die Getränkemärkte laufen aktuell besser als üblich“, erklärt Bernd Stichling.

Große Veranstaltungen und Gastronomie fehlen natürlich

Ein schwacher Trost. Denn natürlich seien es die großen Veranstaltungen und der Bereich Gastronomie, die das Geschäft spannend machen würden. „Der Einzelhandel ist da ein viel sachlicherer Bereich“, sagt er lächelnd. Auch auf das Personal hat das Auswirkungen: Die Hälfte der 35 festen Mitarbeiter befindet sich in Kurzarbeit. Aushilfen, die sonst in der Hochsaison beschäftigt werden, gibt es in diesem Jahr nicht.

Es genügt aber auch ein Blick ins Lager: Dort, wo sich sonst über die komplette Länge einer Halle die Bierfässer stapeln, stehen jetzt nur einige wenige Paletten. Und dabei hat das Unternehmen die Bestände schon wieder langsam hochgefahren.

„Wir haben im ersten Lockdown viel gelernt“, sagt Janina Grünewald, Assistentin der Geschäftsführung. Damals sei die ganze Branche überrascht worden. „Wir hatten für eine normale Saison die Lager gefüllt“, sagt sie im Rückblick. Das Bier wurde dann teils an die Brauereien zurückgegeben, teils über eine Kooperation mit anderen Getränkegroßhändlern umverteilt.

Gebremster Einkauf vor dem zweiten Lockdown

Als sich der neue Lockdown für die Gastronomie im Oktober 2020 abzeichnete, habe das Unternehmen nur noch sehr zurückhaltend nachgekauft. „Wir haben aber keinen Liter Bier einfach weggeschüttet“, sagt Bernd Stichling. Solche Gerüchte hätten zwar die Runde gemacht, seien aber unbegründet.

Die gute Nachricht der NRW-Landesregierung am Mittwochabend: Schon ab dem 15. Mai soll Außengastronomie wieder möglich sein – vorausgesetzt der Inzidenzwert passt. Innerhalb von einer Woche können die Bestände im Lager wieder hochgefahren werden. Noch einmal einige Tage dauere es dann, bis auch alle Gastronomen beliefert werden könnten. „Aber die brauchen ja auch etwas Vorlauf, bevor sie wieder öffnen können. Das ist also kein Problem“, sagt Janina Grünewald.

Von den Gastronomen, die Grünewald beliefert, gebe es trotz aller Schwierigkeiten fast ausschließlich positive Nachrichten. „Wir haben einen Einzugsbereich von rund 45 bis 50 Kilometern rund um Ahaus. Nur ein einziger Gastronomiebetrieb habe in der Corona-Krise aufgegeben. Und da waren es eher persönliche Motive“, macht Janina Grünewald deutlich.

Digitalisierung in der Gastronomie nimmt Fahrt auf

Bernd Stichling ergänzt: „Viele Gastronomen haben die Zeit genutzt, renoviert oder sich komplett neu aufgestellt.“ Ein großes Thema sei auch da die Digitalisierung: Digitale Bestellsysteme würden immer mehr Fahrt aufnehmen. Nicht nur in Ahaus und Umgebung. Mit Auswirkungen auf die Sortimente: „Wir haben gesehen, dass Exoten – etwa regionale Biersorten, Craft-Biere oder Spezialitäten – deutlich besser laufen, wenn es ein digitales Bestellsystem gibt“, erklärt er. Die Gäste hätten dann einfach Zeit, in Ruhe durch das Angebot zu stöbern, als einfach nur das „übliche Bier“ bei der Bedienung zu bestellen.

Dazu kämen Pop-Up-Projekte, etwa der geplante Pop-Up-Biergarten im Ahauser Schlossgarten. Ob der Neustart in der Gastronomie mit einem großen Hype oder eher ganz langsam anläuft, mögen Janina Grünewald und Bernd Stichling noch nicht abschätzen. „Beides ist denkbar“, sagt sie. Hauptsache sei, dass die Menschen wieder ohne schlechtes Gewissen in die Gastronomie gehen könnten. Sei es durch Tests oder durch Impfungen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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