Harte Zeiten für Bäume und Gegenwind für Baumpfleger

hzBaumschnitt in Ahaus

Im ganzen Stadtgebiet werden wieder Bäume zurückgeschnitten. Die Baumpfleger Matthias Tenhumberg und Heinrich Boyer erklären, womit die Bäume und auch die Baumpfleger aktuell kämpfen.

von Christin Lesker

Ahaus

, 11.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Kreuzung am Bahnhof in Ahaus stehen Pylonen zur Sicherung und von oben purzeln große Äste auf den Boden. Matthias Tenhumberg von der Baumpflege-Firma Gewers steht neben dem orangefarbenen Fahrzeug, das seinen Kollegen mit Hubsteiger in die Baumwipfel fährt, damit er dort Totholz sägen kann. „Immer wieder, wenn Leute uns die Bäume beschneiden sehen, beschweren sie sich. Sie denken, wir würden willkürlich Bäume fällen.“ Dabei gibt es gute Gründe. Der Baumpfleger hat uns erklärt, worin die Arbeit wirklich besteht, wie schlecht es den Bäumen geht und wie sie erkennen, welcher Baum leider doch gefällt werden muss.

Viele kranke Bäume

“Es sind keine leichten Zeiten“, macht Matthias Tenhumberg klar und meint damit die Schäden, mit denen viele Bäume deutschlandweit zu kämpfen haben. Zwar gibt es in dieser Gegend nicht so viele Fichten-Borkenkäfer, die ganze Fichtenwälder in Deutschland dahin gerafft haben, aber den Baumpflegern fallen andere Probleme auf. „Es ist sehr bedauernd festzustellen, dass vor allem Birken und Buchen durch die Dürren so geschwächt sind, dass sie sehr anfällig für Pilzinfektionen werden“, sagt Heinrich Boyer. Auch er arbeitet als Baumpfleger für die Firma Gewers.

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„Als Baumpfleger kümmern wir uns um die Pflege, das Schützen und damit um den Erhalt der Bäume“, erklärt Matthias Tenhumberg. „Wenn wir alle Bäume fällen, sind sie weg, dann hätten wir ja nichts mehr zu tun.“

An der Kreuzung Bahnhofstraße geht es am Donnerstag aber nur um die allgemeine Baumpflege, wie sie im ganzen Stadtgebiet durchgeführt wird. Dabei geht es auch um die Sicherung der Fahrwege.

Wasser- und Nährstoffmangel

„Wir entfernen Totholz und Äste, die zu tief in den Fahrbereich hängen“, erklärt Heinrich Boyer seine Arbeit. Das dämme auch die Gefahr von herabfallenden Ästen ein. Wie viel abgeschnitten wird, hängt dabei vom Standort und dem Zustand des Baumes ab. „Einige Bäume im Stadtgebiet leiden unter Wasser-und Nährstoffmangel, die haben dementsprechend mehr Totholz“, sagt Heinrich Boyer.

Harte Zeiten für Bäume und Gegenwind für Baumpfleger

Nach dem Baumschnitt werden die Äste von einer Spezialfirma zu Hackschnitzeln verarbeitet. © Markus Gehring

Einmal im belaubten, einmal im unbelaubten Zustand schickt die Stadt zwei mal jährlich ihre Baumkontrolleure zu den Bäumen der Stadt. Mit ihrem geschulten Blick erstellen die Baumkontrolleure anhand der Nummer, die mit kleinen Plaketten an den betroffenen Bäumen befestigt sind, eine Liste der Mängel. Mit dieser Liste arbeiten die Baumpfleger beim Schnitt der Bäume.

Fällen oder nicht?

„Wir Fachleute erkennen oft am Kronenbild die Schadstellen. Ist nicht gut erkennbar, wie groß der Schaden ist, gibt es eine eingehende Untersuchung“, erklärt Heinrich Boyer. Mit einem Schalltomografen oder durch Klopfen können dabei Hohlräume erkannt werden. „So lässt sich abschätzen, ob gefällt wird oder doch nur ein reiner Rückschnitt nötig ist.“

Die abgeschnittenen Äste werden nach getaner Arbeit eingesammelt und zu einer Sammelstelle gebracht. Durch eine Spezialfirma werden sie zu Hackschnitzeln verarbeitet. Dann befeuern sie zum Beispiel eine umweltfreundliche Hackschnitzelheizung.

Sanierung der Baumscheiben

  • In Ahaus, Wüllen, Wessum und Alstätte werden aktuell Baumscheiben saniert. Viele von ihnen sind zu klein, die Wurzeln haben keinen Raum, um sich auszubreiten und viele alte Wurzeln verursachen Schäden am Pflaster, an der Kanalisation und auf privaten Grundstücken.
  • Die vorhandenen Bäume werden bei der Sanierung bis Ende Februar entfernt und durch einen mittig stehenden Baumpfahl ersetzt sowie verkehrstechnisch gesichert.
  • In der nächsten Pflanzperiode werden neue Bäume in den mit Wurzelschutzfolien, Baumsubstraten und den dann mit neuen Einfassungen versehenen Baumscheiben gepflanzt.
  • Die Sanierung der Baumscheiben findet in den folgenden Straßen statt: Ahaus: Rosenthal
    Alstätte: Hochstraße, Kolbestraße
    Wüllen: Vissingkamp, Schlesienstraße, Badiek
    Wessum: Kappenbergstraße, Südstraße
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