Veggie-Catering: Ein Vorschlag von den Ahauser Grünen, der nicht bei allen Ratsmitgliedern gut ankam. © picture alliance/dpa
Ahauser Rat

Heftiger Gegenwind für Grünen-Vorschlag zum „Veggie-Catering“

Die Ahauser Grünen haben angeregt, bei städtischen Veranstaltungen nur noch vegetarische und vegane Speisen zu reichen – am besten saisonal und regional. Im Rat kochten die Emotionen hoch.

Wenn es nach den Ahauser Grünen geht, sollen bei zukünftigen städtischen Veranstaltungen nur vegetarische und/oder vegane Speisen gereicht werden – idealerweise saisonal und regional. Mindestens 25 Prozent von diesen Speisen sollen außerdem nach Biostandard produziert worden sein. Schon bei Bekanntwerden dieses Antrags gab es teils heftigen Widerstand. In der jüngsten Ratssitzung kochten die Emotionen dann richtig hoch.

Zunächst durfte Ratsherr Christopher Eing aber erklären, was seine Fraktion sich bei dem Antrag gedacht hat. „Es geht nicht darum, beim Stadtfest die Currywurst zu verbieten, sondern darum, bei städtischen Veranstaltungen wie dem Neujahrsempfang und speziellen Ratssitzungen den Anwesenden ein vegetarisches und veganes Angebot zu unterbreiten.“

In der Vergangenheit sei es häufig so gewesen, dass zum Beispiel nur Brötchen mit Wurst und Käse gereicht wurden. Eings klare Ansage: „Wir wollen niemandem etwas verbieten! Wir möchten nur zeigen, wie gut fleischlose Ernährung sein kann.“

„Müssen unsere Ernährungsgewohnheiten ändern“

Den Grünen sei vollkommen bewusst, dass man mit einer solchen Maßnahme die Klimakrise nicht allein aufhalten könne. „Aber wir müssen unsere Ernährungsgewohnheiten ändern, wenn wir das Zwei-Grad-Klimaziel erreichen wollen. Zum Beispiel muss dafür der Fleischkonsum bis 2050 auf 16 Kilo pro Person pro Jahr gesenkt werden“, erklärte der Ratsherr der Grünen. Zur Erinnerung: Aktuell liegt der Fleischkonsum der Deutschen bei knapp 60 Kilo pro Jahr.

Selten schossen die Finger nach einem Wortbeitrag so schnell in die Höhe wie nach dieser Erklärung. Den Anfang macht Norbert Frankemölle von der WGW: „Bisher hat die Verwaltung die Besucher der Stadt immer hervorragend beköstigt. Wer dieses Essen nicht mag, soll es sein lassen. Was kommt als Nächstes? Lassen wir nur noch Nicht-Raucher, Anti-Alkoholiker und Menschen mit optimalem Bodyindex zu unseren Veranstaltungen?“

CDU Ratsherr bläst zum Angriff

Christian Rudde (CDU) blies ebenfalls zum Angriff: „Vonseiten der Grünen wird, zum Beispiel bei der Treibhausgasemission, mit völlig falschen Zahlen argumentiert. Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Man kann die Klimaziele auch erreichen, wenn man andere Maßnahmen ergreift. Und eines ist klar: Egal wie Sie es formulieren, Sie wollen natürlich etwas verbieten.“ Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Landwirten gesprochen. „Bei ihnen herrscht blankes Entsetzen“, so Rudde.

Hubert Kersting (UWG) hatte zunächst eine Verständnisfrage an die Grünen: „Geht es um ein zu 100 Prozent vegetarisches bzw. veganes Catering oder lediglich um eine Erweiterung?“ Christopher Eing dazu: „Wir haben ein rein vegetarisches und veganes Angebot im Sinn.“

Hanne Lange, ebenfalls von der UWG und nach eigenen Angaben seit 25 Jahren Vegetarierin, erklärte dazu: „Ich finde eine solche Regelung ehrlich gesagt übergriffig. Bisher hat es sehr gut geklappt, dass Vegetarier und Veganer bei Veranstaltungen entsprechend versorgt wurden. Obwohl ich selbst kein Fleisch esse, würde ich nie auf die Idee kommen, andere zu bekehren.“

Grünen verteidigen sich

Diese Anschuldigungen wollten die Grünen nicht auf sich sitzen lassen. Christopher Eing versuchte, zu beschwichtigen: „Wir wollen niemanden bekehren. Wir möchten nur Alternativen aufzeigen.“ Seine Fraktionskollegin Gisa Müller-Butzkamm ergänzte: „Es herrscht offenbar die Meinung, dass wir hier versuchen, im Tarnanzug die Wurst vom Grill zu nehmen. Aber es geht hier lediglich um Häppchen auf städtischen Veranstaltungen.“

Es sei nun einmal nicht von der Hand zu weisen, dass tierische Produkte mehr zum Klimawandel beitragen als pflanzliche. „Die Stadtverwaltung hat auch eine gewisse Vorbildfunktion“, so Müller-Butzkamm. Gleichzeitig signalisierte sie Kompromissbereitschaft ihrer Fraktion. „Auch mit einem Mindestanteil von vegetarischen und veganen Speisen beim städtischen Catering könnten wir sicherlich leben.“

Schlichtungsversuch scheitert

Die anderen Fraktionen ließen sich dadurch aber nicht beschwichtigen. Ludwig Niestegge von der UWG sagte: „Die Grünen befeuern erneut das Image der Bevormundungspartei.“ Andreas Dönnebrink (SPD) fügte hinzu: „Wir können gerne darüber sprechen, verstärkt auf saisonale und regionale Produkte zu setzen. Aber mit Verboten erreichen wir gar nichts.“ Hermann-Josef Haveloh (WGW) schlug in dieselbe Kerbe: „Ich sage auch niemandem, was er zu essen hat.“

Jörg Blisniewski (CDU) schlug schließlich vor, trotz zahlreicher weiterer Wortmeldungen, die Diskussion zu beenden. Obwohl Dietmar Eisele, Fraktionsvorsitzender von den Grünen, sich vehement dagegen wehrte („Wir dürfen die Debatte nicht abwürgen!“), stimmte der Großteil des Rates dem Antrag der CDU zu. Nicht weniger eindeutig fiel das Ergebnis bei der Abstimmung über das Veggie-Catering aus. Das rein vegetarische und vegane Angebot bei städtischen Veranstaltungen ist damit vom Tisch.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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