Helga Feldhaus hofft nach „bösem Traum“ auf eine „gewisse Normalität“

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Einige Branchen werden von der Corona-Krise besonders hart getroffen – so auch die Anbieter von Braut- und Abendmode. Das Team von „Eleganz Moden“ stellt sich aktiv dieser Herausforderung.

Ahaus

, 29.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ich hoffe, dass ich bald aus diesem bösen Traum erwache.“ Helga Feldhaus, Inhaberin von „Eleganz Moden“ in Ahaus, macht mit ihrem Team in der Corona-Krise „eine schwere Zeit“ durch. Eine besonders schwere: Denn ihr Unternehmen ist vom Kerngeschäft Braut- und Abendmode abhängig. „Wir leben von Festen mit über 100 Gästen“, bringt sie es auf den Punkt. Und in dieser Größenordnung sind Veranstaltungen vorerst weiter untersagt. Und je länger sich diese Phase ziehe, desto bedenklicher werde die Lage. „Wir machen aber das Beste daraus und stellen uns der Herausforderung“, betont Helga Feldhaus – auch wenn vieles kaum absehbar sei.

Absagen kommen heute noch fast täglich

Von einem Tag auf den anderen war im März die komplette Jahresplanung über den Haufen geworfen. „Das Telefon stand nicht mehr still“, so Feldhaus, die eine solche Krise in den fast 22 Jahren seit Geschäftsgründung noch nicht erlebt hat. Sie dachte zunächst wie viele, dass sich das nach einem Monat wieder etwas lege. Tat es aber nicht. Fast täglich erreichen sie noch Anrufe von traurigen Bräuten, die von der Absage oder Verschiebung einer Hochzeit berichten müssen.

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Die Zahlen sprechen für sich: Zwei Hochzeiten wurden bisher ganz abgesagt, 26 ins kommende Jahr verschoben, zwei gar ins Jahr 2022. „Schon 2021 wird es für viele schwer werden, eine Location zu finden“, blickt die Inhaberin voraus. Dazu kommen viele Ehejubiläen, die zu einem großen Teil womöglich nicht nachgefeiert werden. „Das ist einfach bitter, da hängen so viele Emotionen dran.“

Komplette Saison bricht weg

Während im Brautmodengeschäft Umsätze noch teils nachverlagert werden, so brechen andere Standbeine gänzlich weg. „Bei den Schützenfesten wird uns eine gesamte Saison fehlen, ebenso bei Kommunion oder auch Abibällen. Da hängen wir letztlich mit am Tropf der Gastronomie, die eine ähnlich harte Phase durchmacht.“ Während diese womöglich noch durch Außer-Haus-Verkäufe Umsätze generieren konnte, hätte ein Festmodengeschäft diese Alternative nun einmal nicht. Die gesamte Branche sei extrem getroffen.

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Und so gilt das Interesse auch fast täglich den Stimmen in Berlin und Düsseldorf, ob mögliche und vertretbare Lockerungen in Aussicht gestellt werden. „Viele Brautpaare hoffen noch. Und für diese zeigen wir gerade jetzt weiter vollen Einsatz“, erklärt Helga Feldhaus. Mut macht ihr die enorme Solidarität, die spürbar wird: „Meine Mitarbeiterinnen waren zu einer Stundenreduzierung bereit, mein Vermieter ist mir entgegengekommen. Einfach großartig.“ Und auch die Kunden zeigten Verständnis.

Viel Verständnis und Solidarität

Gerne erzählt sie von einem Kunden aus Alstätte, der ihr eine Mail hat zukommen lassen. „Er erklärte mir, dass ich das Kleid zur Silberhochzeit und die bezahlte Summe als Spende behalten könne, um durch die Krise zu kommen. Da berührt einen automatisch“, freut sie sich. Ansonsten gelte es, den Kopf oben zu halten und auch einmal erfinderisch bei der Kostenminimierung zu sein. Auch die Familie unterstützt, wo sie kann. Viele Ideen seien ihr dazu gekommen, als sie die Türen gut einen Monat lang komplett geschlossen hat halten müssen.

Auch wenn aktuell wenig los ist und kaum Anproben stattfinden – das Team behält sich seinen Mut. „Wie heißt es so schön: Geheiratet wird immer. Und Feste feiern heißt für uns auch feste arbeiten.“ An diesen Satz denkt sie vor allem vor dem nahenden Pfingstwochenende, einem der „drucksten Wochenende des gesamten Jahres“. Normal.

Der Blick geht dann schon ein wenig Richtung 2021 mit der Aussicht auf ein Stück weit Normalität. „Dann soll es für alle, die viel Energie und Emotion in die Vorbereitung eines Events gesteckt haben, auch ein richtiges Event werden. Für unser Geschäft brauchen wir nun mal eine gewisse Normalität.“ Und ganz hat sie die Hoffnung auf eine bessere zweite Jahreshälfte noch nicht aufgegeben.

„Mit möglichst wenig Blessuren zurück in gesundes Fahrwasser“

Sie spüre dabei, dass viele Bürger den stationären Handel unterstützen und Kaufkraft in der Region halten wollen – womöglich mehr als noch vor der Krise. „Die Gutschein-Aktion der Stadt Ahaus ist doch ein gutes Signal“, sagt sie. Denn irgendwie seien doch alle von dieser Krise betroffen – wenn sicher auch auf unterschiedlichem Niveau geklagt würde. „Wir sind hier froh, dass wir alle gesund sind. Und dass das so bleibt, dazu müssen wir alle zu Entbehrungen bereit sein. Der Weg ist mit all seinen schmerzhaften Einschnitten doch gut, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.“

An Werte, die diesen Weg einfacher machen können, erinnert ein Aushang am Eingang. Auch in einem „anderen Alltag“ zählten Respekt füreinander, Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Liebe für das Leben. Gemeinsam werde man alles dafür tun, um eines zu schaffen: „Wir wollen das Schiff mit möglichst wenig Blessuren wieder in gesundes Fahrwasser bringen.“

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