Hessenweg: Radfahrer Kai Tekülve und die tägliche Angst vorm Autofahrer

Gefahren für Radfahrer

Kai Tekülve nutzt täglich den Hessenweg. Dort sei es schon mehr als einmal zu brenzligen Situationen gekommen, sagt der Radfahrer. Er weiß auch, was die Autofahrer ändern müssen.

Ahaus

, 30.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hessenweg: Radfahrer Kai Tekülve und die tägliche Angst vorm Autofahrer

Kai Tekülve nutzt als Radfahrer täglich den Hessenweg. Dabei hat er festgestellt, dass sich längst nicht alle Autofahrer an die Verkehrsregeln halten. © Christian Bödding

Kai Tekülve ist viel mit dem Rad unterwegs. Der Ahauser Berufsschullehrer wohnt am Deipenbrockskamp und nutzt täglich den Hessenweg, um zu seiner Arbeitsstelle am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung zu fahren.

Die meisten Autofahrer würden sich im morgendlichen Berufsverkehr mustergültig verhalten, sagt Kai Tekülve. Doch leider erlebe er es beinahe täglich, dass er als Fahrradfahrer insbesondere auf dem Hessenweg auf übelste Art und Weise beschimpft und angegangen werde. „Nur, weil ich auf der Straße fahre“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. In schlimmeren Fällen werde der Pkw dazu genutzt, diese Drohgebärden noch zu unterstreichen. Oftmals verhindere nur eine von ihm vorgenommene Vollbremsung Schlimmeres.

Benutzung der Straße für Radfahrer erlaubt

Der 42-Jährige glaubt auch zu wissen, worauf dieses Verhalten der Autofahrer fußt. „Auf dem irrtümlichen Glauben, dass die Fahrradfahrer auf dem Hessenweg den Fahrradweg und nicht die Straße nutzen müssen.“ Dabei sei es so, dass Fahrradfahrer auf dem Hessenweg frei entscheiden dürfen, ob sie auf der Straße oder dem durch bauliche Maßnahmen erkennbaren Radwegeteil des Bürgersteigs fahren möchten. Das könne jeder in der Straßenverkehrsordnung nachlesen (STVO, Paragraf 2).

Mindestabstand beim Überholen

Kai Tekülve fühlt sich als Radfahrer auf dem Hessenweg auf der Straße sicherer. „Auf dem Radweg wird man vor allem in der Dunkelheit deutlich schlechter gesehen.“ Doch hält Kai Tekülve weder die mangelnde Sichtbarkeit, noch die deutlich zu hohe Geschwindigkeit so manchen Autofahrers für das Hauptproblem auf dem Hessenweg. Das Problem sei ein allgemeines: „Der Autofahrer denkt, dass ihm der Radfahrer das Recht nimmt, die Straße frei zu nutzen.“ Dabei müsse ein Pkw-Fahrer beim Überholen eines Radfahrers einen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten – stehe auf der anderen Seite ein parkendes Fahrzeug, dürfe nicht überholt werden. „Die Realität sieht anders aus“, hat Kai Tekülve festgestellt.

Die größten Fehler

Doch ganz unschuldig sind weder Autofahrer noch Radfahrer. Falsches Verhalten von Pkw-Fahrern gegenüber Radfahrern zeigt sich vor allem in Fehlern beim Abbiegen, dem Nichtgewähren der Vorfahrt, in Fehlern beim Einfahren in den fließenden Verkehr und einem ungenügenden Sicherheitsabstand. Das geht aus der Statistik der Kreispolizeibehörde Borken hervor. Auch Kai Tekülve sind Autofahrer auf dem Hessenweg schon bedrohlich nahe gekommen.

Das falsche Verhalten von Radfahrern zeigt sich laut Statistik vor allem in der Benutzung der falschen Fahrbahn, in Fehlern beim Einfahren in den fließenden Verkehr und in nicht angepasster Geschwindigkeit.

Statistik der Polizei

Thorsten Ohm von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde verweist auf das Jahrbuch Verkehr 2018 der Polizei. Demnach ging im vergangenen Jahr die Zahl der bei Verkehrsunfällen verunglückten Radfahrer im Vergleich zu 2017 erfreulicherweise zurück. Das gilt für den Bereich der Polizeiwache Ahaus. Gleichwohl würde der Polizei vor allem die zunehmende Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Pedelec-Fahrern Sorgen bereiten. Mit Aktionstagen und Sicherheitstipps will die Kreispolizeibehörde vor allem ältere Pedelec-Fahrer auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen.

In Ahaus wurde zuletzt am Montag dieser Woche eine 14-jährige Radfahrerin verletzt. Ein 21-jähriger Autofahrer hatte das Mädchen beim Abbiegen übersehen.

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