Neue Ideen für den Busbahnhof – und alte Probleme

hzBusbahnhof in Ahaus

Seit Jahren gibt es Überlegungen das Bahnhofsumfeld und den Busbahnhof neu zu gestalten. Ein Düsseldorfer Planungsbüro hat jetzt Ideen präsentiert – und zeigt deren Vor- und Nachteile.

Ahaus

, 20.09.2019, 15:11 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Ort der Ruhe, der Entspannung ist der Busbahnhof in Ahaus nicht bekannt. Auch wenn Pendler in Ahaus aussteigen, die erste städtebauliche Adresse ist er nicht gerade. Das weiß die Stadt schon lange.

Seit fast einem Jahrzehnt denkt sie mal mehr, mal weniger daran, das Umfeld neu zu gestalten. Das Ziel: Der Busbahnhof soll „nicht nur als Verkehrsraum, sondern auch als städtebaulicher Raum mit Aufenthalts- und Freiraumqualitäten“ in das Bahnhofsumfeld integriert werden.

2010 gab es erste Pläne

Schon 2010 stellte der Ahauser Architekt und Stadtplaner Heiner Farwick den Lokalpolitikern mehrere Konzeptvarianten vor. Damals reifte die Erkenntnis: Es gibt keine Lösung, die alle Anforderungsprofile optimal erfüllt.

Daran hat sich neun Jahre später nichts geändert. Das zeigte sich am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung. Landschaftsarchitektin Lena Sinnigen vom Düsseldorfer Büro Lindschulte stellte verschiedene Konzepte zur „Neuordnung des Bahnhofsumfeldes“ vor.

Insgesamt vier verschiedene Konzepte hatte Sinnigen erarbeitet. Die Vorgaben waren: ein Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) mit elf Bushaltestellen, Zufahrt von der Parallelstraße, ein Park+Ride-Platz, ein Kiss&Ride-Platz, eine Fahrrad-Abstellanlage, drei bis vier Stellplätze für Taxis, Erhalt der Kastanien.

„Die weiteren Anforderungen waren, dass wir möglichst wenig Verkehrsfläche ausweisen und dafür viel Aufenthaltsqualität bieten“, erläuterte Sinnigen den Ausschussmitgliedern.

Neue Ideen für den Busbahnhof – und alte Probleme

Die vom Büro Lindschulte aus Düsseldorf erstellte Vorzugsvariante zur Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes. © Stadt Ahaus

Die Landschaftsarchitektin stellte kurz die vier Varianten und deren Vor- und Nachteile vor. Bei einer Variante ist zum Beispiel die Kastanienreihe zwischen den Haltestellen nicht zu erhalten, sie bietet jedoch größere Verkehrssicherheit durch einen zusätzlichen Fußgängerüberweg.

Eine andere Variante sieht mehrere Einfahrten in den ZOB vor, dafür sind die Warteflächen klein gehalten. Eine weitere Variante sieht zwei schmale Mittelinseln vor. „Wir könnten den Großteil der Kastanien erhalten“, sagte Sinnigen, „aber nicht alle elf Bushaltestellen am ZOB.“ Zwei Haltestellen müssten zur Parallelstraße wandern.

Vor- und Nachteile

Der Vorteil dieser Variante: ein großzügiger Wartebereich. Der Nachteil: „Sie bietet wegen der dezentralen Bushaltestellen viele mögliche Querungskonflikte“, erläuterte Lena Sinnigen.

Jede der vier Varianten habe Vor- und Nachteile. Das Fachbüro kam deshalb zu dem Entschluss, aus den verschiedenen Varianten eine Vorzugsvariante zu erstellen. Lena Sinnigen: „Wir haben nach dem Baukastenprinzip genommen, was gut ist.“

So könnte zum Beispiel an Stelle des jetzigen Park+Ride-Platzes eine Radstation gebaut werden, davor wären Taxi-Stellplätze möglich. Weiter in Richtung Parallelstraße wäre ein neuer P+R-Platz mit 40 Stellplätzen denkbar. Lena Sinnigen: „Deutlich mehr als im Bestand.“

Kurzzeit-Stellplätze sehen die Pläne auf der Fläche vor der ehemaligen Post vor. Der ZOB selbst bekommt eine große Mittelinsel. Lena Sinnigen zählte einige Vorteile auf: Das bietet eine gute Verkehrssicherheit und entschleunigt den Verkehr. Es gibt einen großzügigen Wartebereich und kurze Wege zwischen den Nutzungen.

Neue Ideen für den Busbahnhof – und alte Probleme

Viele der Kastanien am Busbahnhof sind von Bakterien befallen und teilweise nicht mehr standsicher. © Christian Bödding

Der Nachteil: Der Weg von der P+R-Anlage zum Bahnhof wird länger.

Noch einen Nachteil nannte die Landschaftsarchitektin zum Schluss ihrer Ausführungen: Es können nicht alle Bäume erhalten werden, Neupflanzungen seien nötig.

Dies hätte ein Baumgutachter festgestellt, der den Baumbestand im Bahnhofsumfeld unter die Lupe genommen habe. Der Grund der Begutachtung: „Es wurde uns ans Herz gelegt, das mit besonderer Vorsicht zu betrachten.“ Die Verwaltung in Ahaus sei sensibilisiert, wenn es um das Thema Bäume gehe.

Das Fazit des Baumexperten: Grundsätzlich sind die meisten Bäume vital. „Aber die Baumstandorte sind schlecht“, berichtete Sinnigen, „und die Baumscheiben sind zu klein.“

Wurzeln drücken Pflaster hoch

Die Wurzeln der großen Kastanien würden das Pflaster hochdrücken, der Untergrund sei zu stark verdichtet. Viele der Kastanien am Busbahnhof und im näheren Umfeld seien von Bakterien befallen.

Auch der Brandkrustenpilz sei an einer gut 21 Meter hohen Kastanie mit einem Stammumfang von 290 Zentimetern festgestellt worden. Sinnigen: „Der Baum wird morsch und ist dann nicht mehr standsicher.“

Insgesamt, so sieht es die vorgelegte Konzeptvariante vor, müssten über 20 Bäume gefällt werden. Darunter wären fünf Bäume in der Kastanienreihe am Busbahnhof sowie fünf Bäume in der Platanenreihe entlang des Gehweges zur Bahnhofstraße/Richtung Fürstenkämpe. Im Außenbereich des Copacabana/Logo würden sogar alle zwölf Bäume der Säge zum Opfer fallen.

Ob sich die Politiker damit anfreunden können, werden die weiteren Beratungen zeigen. Das Konzept des Düsseldorfer Büros geht nun allen Rats- und den entsprechenden Ausschussmitgliedern zu.

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