Coronaimpfungen

Impfpflicht für Pflegepersonal beschäftigt den Caritasverband in Ahaus

Die Impfpflicht für Pflegepersonal ist beschlossene Sache. Matthias Wittland (Caritasverband) fordert die Politik jedoch dringend dazu auf, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern.
Auf den Wochenmärkten in Dortmund gibt es ab sofort wieder eine Maskenpflicht. Dieses Bild ist Ende Februar in der City entstanden.
Auf den Wochenmärkten in Dortmund gibt es ab sofort wieder eine Maskenpflicht. Dieses Bild ist Ende Februar in der City entstanden. © picture alliance/dpa

Die vierte Corona-Welle, die dritte Impfung, der zweite Jahreswechsel unter Pandemie-Bedingungen. Strichlisten führt der Caritasverband Ahaus-Vreden dazu nicht – und möchte das auch gar nicht. Gleichwohl lässt sich mit Blick auf das gerade abgelaufene Jahr 2021 feststellen: „Die Arbeit ist nicht weniger geworden.“ Das berichtet Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege und Gesundheit beim Caritasverband Ahaus-Vreden, in einer Pressemitteilung.

Festmachen lasse sich das insbesondere an der Allgemeinverfügung des NRW-Gesundheitsministeriums. Darin regelt das Land zum Beispiel für Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe besondere Schutzmaßnahmen vor Infektionen mit dem Coronavirus.

Besucher werden getestet

Anfangs waren die neuesten Vorgaben dieser Allgemeinverfügung mit einem Vorlauf von zum Teil wenigen Stunden umzusetzen, jüngst gab es innerhalb von drei Tagen mehrere Neufassungen von Verordnungen. Die aktuelle Fassung der Allgemeinverfügung sieht in den Seniorenheimen weiterhin Testungen von Besuchern vor.

Ein Angebot, das in den Einrichtungen des Caritasverbandes täglich, zu bestimmten Zeiten, vorgehalten wird. Der Zugang in die Heime ist für Besucher jedoch nur möglich, wenn ihr Corona-Test nicht älter als 24 Stunden ist. Zudem müssen sie in der Einrichtung eine FFP2-Maske tragen und die Einhaltung der Abstandsregeln ist nach wie vor Pflicht.

Wittland wirbt um Verständnis

Weiterhin schreibt die Coronaschutzverordnung vor, dass ein Bewohner nur von maximal zwei Personen aus einem Haushalt Besuch bekommen darf, wenn eine der Personen nicht immunisiert ist. Die allgemeinen Hygieneanforderungen wie Handdesinfektion gelten weiterhin. Matthias Wittland wirbt für die Maßnahmen um Verständnis, sie dienten schließlich dem Schutz von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern.

Durchwachsen fällt beim Caritasverband das Fazit aus, wie die Politik sich der Corona-Pandemie widmet. Auf Bundesebene wurde Ende 2021 von Impfstoff-Knappheit gesprochen, auf Landesebene wurde die Bevölkerung verunsichert, ob die Booster-Impfung schon nach vier Wochen oder doch besser erst nach fünf Monaten erfolgen soll.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Hinzu kam die Diskussion um den Vorzug des Impfstoffs von Moderna gegenüber dem von Biontech. Aktuell gilt man mit einer Dosis des Corona-Vakzins von Johnson and Johnson nicht mehr als vollständig geimpft, nach zweien nicht mehr als geboostert. Wer eine Corona-Infektion überstanden hat, gilt seit dem vergangenen Samstag nur noch für drei Monate als genesen.

„In den vielen Wortmeldungen dazu sind die großen Worte der Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte längst untergegangen. Dass sich auf politischer Ebene etwas getan hat, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, das kann der Caritasverband Ahaus-Vreden nicht feststellen. Stattdessen wird erneut über eine ‚Pflegeprämie‘ und den Empfängerkreis beraten“, heißt es in der Pressemitteilung des Caritasverbandes weiter.

Impfpflicht beschlossen

Bundestag und Bundesrat haben Anfang Dezember eine Impfpflicht für Beschäftigte in bestimmten Einrichtungen beschlossen, die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht. Auch für den Caritasverband Ahaus-Vreden bedeutet das: Ungeimpfte beziehungsweise nicht immunisierte Personen werden ab Mitte März 2022 nicht mehr in diesen Einrichtungen und Diensten arbeiten können.

Matthias Wittland © Caritas

Noch nicht geimpfte Mitarbeiter des Caritasverbandes haben also noch zwei Monate Zeit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Dabei seien so gut wie alle Mitarbeiter des Verbandes geimpft, die meisten auch schon geboostert, wie die Verantwortlichen betonen.

Kraftakt Dienstplanaufstellung

Ob die Einführung der Impfpflicht dazu führe, dass sich noch nicht geimpfte Mitarbeiter in der Pflege vom Beruf abwenden, sei kaum vorauszusagen, sagt Matthias Wittland. In Frankreich, wo es eine Impfpflicht in Pflegeberufen seit Monaten gebe, sei es nicht dazu gekommen.

Nicht geimpftes Personal freizustellen, werde die Pflege nicht erleichtern. „Schon ohne den Impfstatus der Mitarbeitenden zu berücksichtigen, ist die Aufstellung der Dienstpläne jeden Monat für uns ein Kraftakt“, so Wittland. Darum seien die Verantwortlichen, zum Beispiel die Einrichtungsleitungen, sehr bemüht, auch den allerletzten Zweiflern alle Fragen in Sachen Impfung zu beantworten und umfassend über die Impfung aufzuklären.

Aufgabe der gesamten Gesellschaft

Der Caritasverband hat von Anfang an für die Impfung geworben: bei Bewohnern ihrer Einrichtungen, bei Mitarbeitern, bei allen, die der Verband erreicht. Gleichwohl sieht der Caritasverband Ahaus-Vreden eine exklusive Impfpflicht für besondere Berufsgruppen kritisch.

Die Bekämpfung des Corona-Virus und der Schutz vulnerabler Gruppen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht das Problem einzelner Einrichtungen, erklärt Matthias Wittland. „Das ist auch eine Frage der Solidarität aller. Die Fürsorge für Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Gesellschaft“, so Wittland abschließend.

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