Im Impfzentrum in Velen waren zweitweise alle Termine vergeben. Doch die Situation ändert sich täglich. © Josef Barnekamp
Coronavirus

Impftermine in Velen sind zeitweise ausgebucht: „Man verzweifelt“

Alle Termine vergeben. Diese Information haben mehrere Bürger an der Hotline zur Impftermin-Vergabe bekommen. Doch nach Auskunft der KVWL kann das morgen schon wieder anders sein.

Das System ist eine Frechheit“, sagt Michael Tell. Seit drei Tagen versucht er, telefonisch einen Impftermin für seine Schwiegereltern auszumachen. „Irgendwann verzweifelt man.“ Dass am Montag zum Start die Leitungen überlastet waren, dafür hat der Ahauser sogar noch Verständnis. „Am Dienstag sind wir nach mehreren Stunden endlich durchgekommen“, erzählt er.

Die Auskunft war jedoch enttäuschend. „Eine junge Dame sagte uns, dass es momentan keine Termine gebe. Bis Ende Mai sei alles ausgebucht“, sagt Michael Tell. Eine Stadtlohnerin wendet sich am Mittwoch mit gleichen Informationen an die Redaktion. Auch ihr wurde an der Hotline gesagt, dass alle Termine vergeben und kein weiterer Impfstoff vorhanden sei.

Die Internetseite zeigte am Mitttwochmorgen zwar einige Termine als frei an, doch die stellten sich als bereits vergeben heraus.
Die Internetseite zeigte am Mittwochmorgen zwar einige Termine als frei an, doch die stellten sich als bereits vergeben heraus. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Die Autorin dieser Zeilen hat am Mittwochmorgen ebenfalls probiert, einen Impftermin für ihre Großmutter zu buchen – über das Onlineportal. Dort wurden zwar einige Termine zur Auswahl angeboten, doch beim Auswählen kam dann die Information: „Dieser Termin wurde bereits gebucht“.

„Es kommen jeden Tag neue Termine dazu“

In Teilen bestätigt das Heike Achtermann von der Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die für die Terminvergabe im Impfzentrum Velen zuständig ist. „Es kann sein, dass es heute keine Termine mehr zu vergeben gibt. Aber es kommen jeden Tag neue dazu“, erklärt sie.

Die Termine werden nämlich nur acht Wochen im Voraus vergeben – auf den Tag genau. Das heißt, dass mit jedem Tag, der verstreicht, am Ende dieses Zeitfensters ein neuer Tag hinzukommt. „Wer also die Auskunft bekommt, dass es keine Termine mehr gibt, soll es bitte am nächsten Tag noch einmal probieren“, sagt Heike Achtermann.

Zwei Drittel der Berechtigen haben bereits beide Termine

Das sollte nun auch mit jedem Tag einfacher werden. Denn rund zwei Drittel der Berechtigten seien bereits versorgt. Insgesamt 471.000 Impftermine hat die Kassenärztliche Vereinigung bis Mittwochmorgen 9 Uhr vergeben. Darin enthalten sind Erst- und Zweitimpfungen. Das heißt, dass 235.500 Personen bereits beide Termine vereinbart haben.

Im gesamten Gebiet, für das die KVWL zuständig ist, sind 540.000 Menschen älter als 80 Jahre. „Davon muss man diejenigen abziehen, die in einem Pflegeheim wohnen und dort geimpft wurden oder immobil sind und zu Hause geimpft werden, und diejenigen, die sich gar nicht impfen lassen wollen“, sagt Heike Achtermann. Die KVWL geht davon aus, dass somit 300.000 bis 350.000 Personen in Westfalen-Lippe einen Termin in einem Impfzentrum haben wollen.

Weiterhin technische Probleme bei der Terminvergabe

Doch am Mittwoch gab es noch weitere Probleme mit der Terminvergabe. Die Autorin dieses Artikels hat es auch nach mehreren Versuchen über den ganzen Tag verteilt nicht geschafft, den zweiten Termin für die Folge-Impfung ihrer Großmutter zu machen. Ein großes Problem, denn schließlich steht auf der Internetseite extra, dass man auf jeden Fall beide Termine haben muss, damit man die erste Spritze auch bekommt.

Das Problem ist der KVWL bekannt. „Aufgrund eines technischen Fehlers konnten die Zweittermine für die Corona-Impfung nicht immer direkt mit dem Ersttermin gebucht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Betroffenen sollen sich aber keine Sorgen machen und trotzdem zu dem vereinbarten Ersttermin gehen. Vor Ort bekommen sie dann einen zweiten Termin.

Barbara Groten aus Ahaus hatte bei der Vereinbarung der Termine für ihre Mutter und ihre Schwiegermutter ebenfalls Probleme. Als sehr kompliziert beschreibt sie das Online-Verfahren der KVWL. Dort gibt es mehrere Stufen der Authentifizierung, dafür bekommt man sowohl SMS als auch Mails, die man bestätigen muss. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein sei das deutlich einfacher gelöst.

Auch für Michael Tell ist die Internetseite zu kompliziert. Außerdem ist es dort nur sehr schwer möglich, einen Termin für zwei Ehepartner zur selben Zeit zu vereinbaren. Er wird es deswegen weiter über die Telefon-Hotline versuchen und hofft, dass das in den nächsten Tagen irgendwann mal klappt.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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