Ansgar Wolf, hier bei einer Spendenübergabe an die Ahauser Tafel, und die anderen Ahauser Hausärzte beginnen in der nächsten Wochen mit Impfungen. © privat
Coronavirus

Impfungen bei Ahauser Hausärzten starten – wenn auch nur langsam

Lange haben sie darauf gewartet, nun geht es endlich voran. Ab dem 7. April beginnen auch in Ahaus die Impfungen in Hausarztpraxen. Vom „Impf-Turbo“ kann aber noch keine Rede sein.

Vor einer Woche hielt sich Ansgar Wolf noch bedeckt. Im Gespräch mit der Redaktion erklärte der Vorsitzende des Ärztevereins im Altkreis Ahaus: „Wir Hausärzte müssen uns derzeit in Geduld üben. Eigentlich hätten schon 165.000 Impfdosen an teilnehmende Praxen verteilt werden sollen, doch beim Impf-Gipfel wurde dieser Beschluss wieder gestrichen.“ Insgesamt bezeichnete der Wüllener Mediziner die Situation als „unbefriedigend“.

Denn nicht nur in der Praxis von Ansgar Wolf und seinem Kollegen Dr. Johannes Wolters sieht man sich schon lange dazu in der Lage, einen entscheidenden Anteil an der bundesweiten Impfkampagne stemmen zu können. „Impfungen sind das täglich Brot eines jeden Hausarztes. Darüber sind sich in Ahaus alle Praxen einig“, so Wolf. Das Problem: Es fehlt der Impfstoff. Und der, der da ist, wird aktuell vor allem in den eigens dafür geschaffenen Impfzentren verabreicht.

Eine Million Impfdosen werden ausgeliefert

Doch nun ist ein erster, entscheidender Schritt getan. Über die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) erhielten die hiesigen Hausärzte die Information, dass in den kommenden zwei Wochen insgesamt eine Million Impfdosen von den niedergelassenen Ärzten verimpft werden können. Bei rund 50.000 Praxen in Deutschland ergibt das pro Praxis circa 20 Dosen pro Woche. Immerhin ein Anfang.

Automatisch zugeteilt wird der Impfstoff nicht. „Es läuft so, dass wir Hausärzte immer bis Dienstagmittag unseren Bedarf an die zuständigen Stellen übermitteln. Aktuell können wir zwischen 20 und 50 Dosen bestellen“, erklärt Ansgar Wolf. Das heißt allerdings nicht, dass die bestellte Menge am Ende auch wirklich ausgeliefert wird. „Im Laufe der Woche erfahren wir, wie viel Impfstoff uns zur Verfügung stehen wird. Für den Anfang müssen wir uns wohl mit 20 Dosen begnügen.“

Menschen scharren mit den Hufen

Angegeben haben Ansgar Wolf und Johannes Wolters trotzdem die maximale Anzahl von 50. Denn auch in Wüllen scharren viele Patientinnen und Patienten schon mit den Hufen. Innerhalb von zwei Tagen ließen sich über 100 Menschen über die Homepage für eine Corona-Schutzimpfung vormerken. Bei der Reihenfolge halten sich die Wüllener Ärzte aber klar an die Vorgaben des Gesundheitsministeriums. „Ganz oben stehen auf unserer Liste die Patienten der Priorisierungsgruppe 2, also Personen zwischen 70 und 79 sowie Menschen mit schwerwiegenden chronischen Erkrankungen“, erklärt Ansgar Wolf.

Interessanterweise spielt der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für Hausärzte zunächst keine Rolle. Dabei sprechen Lagerung und Transport eigentlich klar für das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens. Der Grund, warum Astrazeneca vorerst nicht den Hausarztpraxen zur Verfügung gestellt wird, liegt an einem Lieferengpass. „Biontech/Pfizer ist offenbar der verlässlichste Lieferant. Daher werden wir die ersten zwei Wochen ausschließlich diesen Impfstoff nutzen können“, sagt Ansgar Wolf. Zwar genießt das Biontech/Pfizer-Vakzin in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, allerdings ist der mRNA-Impfstoff nach dem Auftauen nur fünf Tage bei Kühlschranktemperatur haltbar. Dort ist also Geschwindigkeit gefragt.

„Bin fest überzeugt, dass wir Geschwindigkeit aufnehmen können“

Mit Blick auf den viel zitierten „Impf-Turbo“ sagt Wolf: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Hausärzte dazu in der Lage sind, große Geschwindigkeit aufnehmen zu können.“ 200 Impfungen pro Woche seien ohne große Einschränkungen des Normalbetriebs möglich. „Und wenn mehr Impfstoff kommt, haben wir immer noch Luft nach oben.“

Gleichzeitig warnt der Mediziner davor, den Vorgang des Impfens auf die leichte Schulter zu nehmen. „Es beunruhigt mich ein bisschen, dass derzeit viele meinen, jeder könnte problemlos Impfungen durchführen. Dabei sind gerade die Kenntnisse von Risikofaktoren sehr wichtig.“ Auch bei der Nachbeobachtung und der Einschätzung von Impfreaktionen und Nebenwirkungen sei Expertise gefragt. Er plädiert daher dafür, dass Impfungen in den Händen der Ärzte verbleiben. „Bei den Schnelltests ist das anders. Dort kann sicherlich auch angelerntes Personal helfen.“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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