In Bewegung bleiben

Katharina Busen wird 100

AHAUS Auf ein bewegtes Leben kann Katharina Busen zurückblicken. Gemeinsam mit ihrer Familie feierte sie gestern ihren 100. Geburtstag. Wie es ist so alt zu sein, wie sich Ahaus verändert hat und wie sie gelebt hat, darauf blickte sie gemeinsam mit Christoph Terrahe zurück.

15.07.2009, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Bewegung bleiben

Wurde gestern 100: Katharina Busen.

Frau Busen, 100 Jahre, das werden die wenigsten. Wie fühlt man sich in Ihrem Alte r?

Busen : Das muss ich ehrlich sagen: Für mein Alter darf ich mich nun wirklich nicht beschweren. Einige Beschwerden habe ich zwar, aber es geht mir recht gut. So richtig begreifen, wie ich 100 Jahre alt werden konnte, das kann ich eigentlich nicht.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an ihre Kindheit?

Busen : Geboren bin ich 1909 in Ahaus. Dort war ich auch auf der Volksschule, und dort gingen wir auch immer zur Kirche. Mein Vater, ein gebürtiger Holländer, arbeitete bei van Delden in der Weberei. Weil er aber nicht gut sehen konnte, hat er sich 1923 als fliegender Händler selbstständig gemacht - mit selbst eingelegten Heringen. Meine Mutter war Hausfrau. Schließlich bin ich die älteste von acht Kindern. Gewohnt haben wir in einem Haus an der Heeker Landstraße.

Was haben Sie nach Ihrer nach Schulzeit gemacht?

Busen : Mit 14 Jahren bin ich bei van Delden angefangen. Dort habe ich bis zur Geburt meiner ältesten Tochter Ida gearbeitet. Sie kam 1933 zur Welt. Das war einem Jahr nachdem ich meinen Mann Josef in der Marienkirche hier in Ahaus geheiratet habe. Sechs Wochen nach unserer Diamantenen Hochzeit 1992 ist er dann mit 86 Jahren gestorben.

Wo haben Sie denn Ihren Mann damals kennen gelernt?

Busen : Das erste Mal gesehen habe ich meinen Mann bei einem Radrennen hier in Ahaus, aber das erste Mal zusammen getanzt haben wir auf dem Schützenfest.

Welche Hobbys hatten Sie denn in ihrem langen Leben?

Busen : Eigentlich gab es für mich immer nur arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten. Schon von frühester Kindheit an. Soviel Wohlstand wie heute gab es ja gar nicht. Doch ist Arbeit auch das beste Rezept gegen das Älterwerden genauso wie die Aufbaupräparate aus der Apotheke, die ich immer zu mir nehme. Vielleicht liegt es ja an den elf Prozent Alkohol, die sie enthalten?

Ist Ahaus für Sie immer noch dieselbe Stadt, in der Sie einst

aufgewachsen sind?

Busen : Als der Arzt früher noch nicht zu mir kam und mich meine Kinder zum Arzt gebracht haben, da habe ich Ahaus oft nicht wieder erkannt. All die neuen Gebäude und Geschäfte. Heute sind in der Stadt auch viel mehr junge Leute unterwegs. So viele junge Leute sah man bei uns nur auf den Schützenfesten.

Gibt es eine Zeit in Ihrem Leben, die Sie im Rückblick besonders genossen haben?

Busen : Besonders schön waren immer die Urlaube als mein Mann und ich im Rentenalter regelmäßig nach Bruchhausen ins Sauerland gefahren sind.

Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?

Busen : Den ganzen Tag bekomme ich Besuch: Morgens die Nachbarn und Mittags die Familie. Bei sechs Kindern und ebenso vielen Schwiegerkindern, zehn Enkelkindern und dreizehn Urenkeln wird es wohl voll hier, wenn auch einige leider nicht kommen können.

Gibt es eine Lebensweisheit, die Sie Ihr ganzes Leben beherzigt haben?

Busen : Kopf hoch, in Bewegung bleiben und zufrieden sein. Weil ich nun nicht mehr so gut laufen kann, wollten meine Kinder mich mal mit dem Rollstuhl durch die Gegendfahren. Da habe ich gleich gesagt: Ein Rollstuhl ist nichts für mich. Der ist für die Leute, die Schmerzen haben.

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