Jens Spahn: „Entscheidend ist, dass der Notarzt schnell genug in Vreden ist“

hzInterview mit Minister Jens Spahn

Was sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Debatte über die Notarzt-Versorgung in Vreden? Wie sind seine Kanzler-Ambitionen? Der Ottensteiner hat sich den Fragen gestellt.

Ahaus

, 22.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus Ottenstein noch kurz Zeit für ein Interview. In der CDU-Geschäftsstelle in Ahaus sprach er mit Radio WMW über den Notarzt in Vreden, seine Kanzlerambitionen und den Sympathieverlust der CDU. Wir dokumentieren das Gespräch in Auszügen.

Jens Spahn über die notärztliche Versorgung in Vreden und das Gefühl, dass sich die Versorgung ab Januar 2020 verschlechtert:

Ich verstehe das Gefühl und ich verstehe die Debatte. Aber wenn man sich die Versorgung im Kreis Borken anschaut, ist die ziemlich gut. Jeder Veränderung lässt Fragen aufkommen: Ist der Notarzt immer noch schnell genug da, wenn wir ihn brauchen?

Es ist wichtig, dass die Fragen gut beantwortet werden und dass Lösungen angeboten werden. Ich finde, das passiert. Von Seiten des Krankenhauses wie von Seiten des Kreises Borken.

Entscheidend ist, dass der Notarzt schnell genug in Vreden ist, wenn er gebraucht wird. Klar gibt es Orte, wo im Zweifel ein Arzt mehr die Dinge erleichtern würde. Ich will nichts schönreden. Aber wenn man in ländliche Regionen schaut, haben wir im westlichen Münsterland eine gute Versorgung.

Jens Spahn über den „Sympathieverlust“ der CDU:

Wir reden zuviel über Befindlichkeiten, über Stimmungen. Wir haben viel Streit gehabt, auch zwischen CDU und CSU. Wir haben in den Parteien viele Umbrüche.
Die SPD ist seit Monaten mit sich selbst beschäftigt. Mein Eindruck ist, die allermeisten Bürger interessiert aber gar nicht, wer Parteivorsitzender ist. Im Kern geht es darum: Reden wir als Regierung über die Dinge, die die Menschen beschäftigen. Und vor allem: ändern wir etwas durch Entscheidungen. Oder reden wir zu viel über uns selbst.
Wir haben die letzten Jahre einfach zu viel über uns selbst geredet.

Jens Spahn über die „Halbzeit“ bei der Großen Koalition und den Vergleich mit einem Fußballspiel:

Die Frage wäre, wer spielt gegen wen? Meine Bilanz ist: Wir haben ziemlich viele Tore geschossen und auch Wichtiges umgesetzt. Die Erwerbsminderungsrente, mehr Bundespolizisten, die Begrenzung von irregulärer Migration, den Digitalpakt.

Wir haben viele Tore geschossen, aber wir haben so gespielt, dass keiner gerne zuschauen mochte. Es sah nicht gut aus.

Jens Spahn über seinen Ruf, „Deutschlands angesehenster Minister“ zu sein und seine persönliche GroKo-Halbzeitbilanz:

Ich nehme es als Anerkennung für das, was wir in den letzten 20 Monaten im Ministerium gemacht haben. Wir haben nicht nur geredet, sondern auch umgesetzt. Alle fordern mehr Pflegekräfte ein, wir finanzieren sie jetzt.

Wir sorgen für Ärzte auf dem Land, wir wollen die elektronische Patientenakte. Mir ist eins wichtig: Im Alltag erlebbar, umsetzbar den Unterschied zu machen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Wir haben offenkundig viel Vertrauen verloren.

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Jens Spahn über das nächste große Thema, das er als Gesundheitsminister angeht:

Das digitale Gesundheitswesen. Nirgendwo wird so viel gefaxt wie im deutschen Gesundheitswesen, zwischen Ärzten, Krankenhäusern und Pflegediensten. Wir brauchen die digitale Verfügbarkeit, die elektronische Patientenakte, Online-Sprechstunden, das ist die große Aufgabe nächstes Jahr.

Jens Spahn über den aktuellen CDU-Bundesparteitag in Leipzig:

Wir werden auch über die aktuelle politische Lage sprechen. Wir haben drei Landtagswahlen gehabt, mit schlechten Ergebnissen aus unserer Sicht. Mit Ergebnissen, die mich sehr beschäftigen. Warum etwa in Thüringen die Populisten von links und rechts über 50 Prozent der Stimmen bekamen. Das kann ja keinen, der politische Verantwortung hat, ruhig lassen.

Wir müssen keine Personaldebatten führen. Wir müssen in der Sache reden auf dem Bundesparteitag. Wie wollen wir dafür sorgen, dass Deutschland, dass das Münsterland noch in zehn Jahren wirtschaftlich stark ist? Wenn wir in zehn Jahren noch Pflege und Gesundheit bezahlen wollen, müssen wir noch ein paar Maschinen und Autos in die Welt verkaufen.

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Jens Spahn über seine zuletzt „gefühlt rückläufige“ mediale Präsenz:

Ich gehe auf die 40 zu, vielleicht macht das Alter auch gelassener.

Jens Spahn über seine Kanzlerambitionen:

Wenn du politisch Gestalten willst, brauchst du ein Amt. Das Amt mit der höchsten Gestaltungsmacht ist das Kanzleramt. Aber eigentlich bin ich im Moment ganz froh, als Gesundheitsminister für 5,5 Millionen Menschen, die jeden Tag in Gesundheit und Pflege zur Arbeit gehen, den Unterschied zu machen.

Das ganze Interview zum Nachhören gibt es auf radiowmw.de
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