Tanja Wolfering und Jens Potreck haben als Kellner bei Hubys in Graes gearbeitet. © Collage Leonie Sauerland
Diskofieber

Kellner bei Hubys: Als der Asbach noch flaschenweise verkauft wurde

Tanja Wolfering und Jens Potreck haben in den 90er-Jahren als Kellner bei Hubys in Graes gearbeitet. Nach der Sonntagsschicht in der Disko ging es manchmal direkt in die Schule.

Beim Kopfrechnen haben Tanja Wolfering und Jens Potreck in der Schule alle abgehängt. Gelernt haben sie das an den Wochenenden nachts hinter der Theke. Die beiden Alstätter haben in ihrer Abizeit von 1996 bis 1998 bei Hubys in Graes als Kellner gearbeitet.

„Da gab es noch keine Registrierkassen, da musste alles im Kopf gerechnet werden“, erinnert sich Jens Potreck. „Und das Geld ist einfach in der Schublade gelandet, die die Chefin regelmäßig geleert hat“, ergänzt Tanja Wolfering. Die beiden Freunde schwelgen gerne in Erinnerungen an diese Zeit.

Die Tante von Jens Potreck hat damals ebenfalls in der Diskothek gearbeitet. So kamen die beiden an den Nebenjob. „Wir wollten vor allem Geld verdienen. Angefangen sind wir mit 10 Mark die Stunde, später waren es 15 Mark pro Stunde“, erzählt Tanja Wolfering. Hinzu kam das Trinkgeld.

Asbach wurde bei Hubys flaschenweise verkauft

Hinter der Theke im Hubys haben sie Bier gezapft, Longdrinks gemischt und Pinneken gefüllt. „Eine Besonderheit bei Hubys war, dass man den Asbach flaschenweise kaufen konnte“, sagt Jens Potreck. Eine Flasche Asbach, zwei Flaschen Cola und jede Menge Eis gab es damals für 80 Mark. Noch eine Spezialität bei Hubys: eiskaltes Körnchen. „Die Pinneken waren gefroren und der Korn kam direkt aus dem Eisfach“, sagt der 42-Jährige.

Tanja Wolfering besitzt noch eine Getränkekarte aus dem Hubys. Zu den Spezialitäten damals gehört das eiskalte Körnchen.
Tanja Wolfering besitzt noch eine Getränkekarte aus dem Hubys. Zu den Spezialitäten damals gehört das eiskalte Körnchen. © Privat © Privat

Im Hubys gab es drei Theken, eine Tanzfläche, eine Empore mit Sitzmöglichkeiten und eine separate Kneipe für diejenigen, die keine Lust mehr auf laute Musik hatten. Zudem war es damals normal, dass es in der Disko auch eine Bühne gab. „Da war jeden Abend Livemusik angesagt“, erzählt Tanja Wolfering. „Vor allem wenn die Band Yankees da war, war immer super Stimmung. Da wussten wir: Es wird voll und anstrengend.“ Auch die DJ-Gruppe Confusion habe immer für volles Haus gesorgt.

Drei Theken gab es bei Hubys in Graes in den 80er-Jahren.
Drei Theken gab es bei Hubys in Graes in den 80er-Jahren. © Privat © Privat

Anders als heute durften die Kellner damals auch während der Arbeit ruhig mal das eine oder andere Pinneken mit den Gästen trinken. An einen Abend erinnern sich die beiden besonders gerne. Die Kellner hatten untereinander eine Art Spiel vereinbart. „Immer wenn jemand nur ein einziges Bier bestellt hat, haben wir einen getrunken. An dem Abend war eine Gruppe Öhms aus Südlohn da, die haben ständig nur ein Bier bestellt. Das wurde eine lustige Schicht“, sagt Tanja Wolfering und beide lachen.

Nach der Nachtschicht in der Disko direkt in die Schule

Die Disko war damals wie alle anderen Diskotheken auch sonntags geöffnet. „Da war immer besonders viel los, meistens sogar mehr als samstags“, sagt Tanja Wolfering. Die Schüler haben also auch sonntagsnachts gearbeitet. Nach der Schicht saßen die Kellner manchmal noch lange zusammen für die sogenannte „Nachbesprechung“.

Ein T-Shirt aus dem Hubys hat Tanja Wolfering aufbewahrt.
Ein T-Shirt aus dem Hubys hat Tanja Wolfering aufbewahrt. © Privat © Privat

„Manchmal saßen wir bis 6 Uhr morgens an der Theke, dann kurz nach Hause und duschen und um 8 Uhr waren wir in der Schule“, erzählt die 42-Jährige. Ihre Eltern hätten damit kein Problem gehabt, „solange die schulischen Leistungen nicht litten“.

Mehr mitgenommen als den Nebenverdienst

Natürlich gab es aber auch in den 80er-Jahren nicht nur fröhliche Partygäste. „Mit steigendem Alkoholpegel kam es natürlich auch mal zu Auseinandersetzungen und Pöbeleien. Aber dann haben wir einfach die Security gerufen und die haben den Gast rausgeschmissen. Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft damals“, sagt Jens Potreck.

Die beiden haben aus dieser Zeit viel mehr mitgenommen als einen Nebenverdienst. „Mir hat es einfach total Spaß gemacht. Wir haben so viele Leute kennengelernt und an der Theke Sozialkompetenz gelernt“, sagt der 42-Jährige. Auch der verantwortliche Umgang mit Geld und das gute Verhältnis zu den Arbeitskollegen sind beiden in Erinnerung geblieben. „Wenn die Arbeitszeiten nicht wären, wäre das sogar auf Dauer ein Job für mich gewesen“, sagt Jens Potreck.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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