Im Ahauser Marienkrankenhaus wie im gesamten Klinikum Westmünsterland gibt es noch freie Kapazitäten für Patienten mit dem Coronavirus. Das Personal arbeite allerdings nach fast zwei Jahren Pandemie am Limit. © Markus Gehring
Coronavirus

Klinikum kann Kapazitäten noch ausweiten – Personal arbeitet am Limit

Die Belastung durch das Coronavirus im Klinikum Westmünsterland ist enorm. Noch sind aber Kapazitäten frei. Das Schreckensszenario „Triage“ ist im Klinikum noch kein Thema.

Die Inzidenzwerte schießen seit Tagen in die Höhe. Schnell ist dann auch die Rede von überlasteten Krankenhäusern. Und dann fällt oft auch zügig der Begriff Triage. Jenes Verfahren, mit dem im Ernstfall entschieden wird, wer behandelt wird und wer nicht. Droht das auch im Kreis Borken? Wie ist die Situation im Klinikum Westmünsterland?

Der Kreis Borken informiert täglich lediglich über die Patientenzahl, nicht aber über die noch vorhandenen Kapazitäten in den Krankenhäusern. Nachfrage bei Tobias Rodig, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland: Wie groß sind die Kapazitäten auf den Corona-Stationen?

Kapazitäten im Klinikum könnten noch aufgestockt werden

Er unterscheidet zunächst zwischen Kapazitäten auf der „normalen“ Infektionsstation und denen einer Intensivstation. Stand Donnerstagabend waren auf den Intensivstationen im Klinikum von den regulären 55 Betten 46 belegt. Allerdings längst nicht alle durch Covid-Patienten: Im Klinikum wurden am Donnerstag insgesamt 33 Patienten mit einer Coronainfektion behandelt. Sieben von ihnen wurden intensivmedizinisch betreut.

Im Bedarfsfall könnten die 55 Intensivbetten auch noch auf 70 aufgestockt werden, schildert er weiter. In einem absoluten Krisenfall wären auch noch weitere Kapazitäten möglich. Wieviele genau, nennt der Pressesprecher allerdings nicht. „Dies ist dann aber nur möglich, wenn zum Beispiel planbare andere Eingriffe und Operationen verschoben werden“, sagt er.

Im absoluten Notfall wäre auch noch mehr möglich

Ähnlich sieht es für die Betten mit Beatmungsmöglichkeiten aus. Tobias Rodig: „Aktuell betreiben wir im Klinikum 45 Betten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit. Wir könnten die Anzahl auf 56 Beatmungsplätze erweitern. Im absoluten Notfall gegebenenfalls auch etwas mehr.“

Aktuell würden keine Betten bewusst für Coronapatienten freigehalten, indem sie nicht mit anderen Notfällen belegt werden. Weder auf der Normal- noch auf der Intensivstation.

Personal ist der entscheidende Faktor und arbeitet am Limit

Doch Betten sind nur die eine Seite der Medaille. Das Personal ist die andere. Und zwar die Entscheidende: „Denn auch, wenn rein technisch gesehen genügend Betten vorhanden sind, benötigen wir auch ausreichend ausgebildetes und einsatzfähiges Personal“, erklärt er. Aktuell könne das Klinikum alle Intensivbetten betreiben.

Sollten aber weitere Betten aufgestockt werden müssen, ginge das nur, wenn man Personal aus anderen Bereichen unterstützend hinzuziehe. „Man muss auch ganz klar sagen, dass unsere Mitarbeitenden nach zwei Jahren Pandemie absolut am Limit sind und die Belastung enorm ist“, erklärt er.

Intensivstation muss immer mal wieder abgemeldet werden

Stichwort enorme Belastung: Mussten die Intensivstationen während der Pandemie schon abgemeldet werden? „Es kommt immer mal wieder vor, dass sich Intensivstationen kurzzeitig ‚abmelden‘ müssen“, macht der Pressesprecher deutlichl.

Das bedeute, dass der Rettungsdienst Notfälle in ein anderes nahe gelegenes Krankenhaus transportiert. Das sei nicht ungewöhnlich, da es sich in der Regel um sehr kurzfristige Ereignisse handele. Dass die Intensivstationen pandemiebedingt dauerhaft so voll sind, dass sie nicht mehr aufnehmen können, habe es bisher nicht gegeben.

Von einer tatsächlichen Triage sei das Klinikum daher zum Glück noch entfernt. Also von der Überlegung, ob ein Patient, der intensivmedizinisch betreut werden müsste, kein Intensivbett mehr erhält. Dank der hohen Impfbereitschaft sei dieses „wirklich schreckliche Szenario“ auch im ganzen Kreis Borken und in NRW kein Thema.

Dringender Appell zur Impfung

Darum ist es aber umso wichtiger, dass jetzt Maßnahmen ergriffen werden, dass die Anzahl der Infektionen nicht noch weiter steigt. „Unser dringender Appell an alle, die es immer noch nicht getan haben: Lassen Sie sich bitte impfen!“, macht Tobias Rodig sehr deutlich.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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