Krisenstab wegen Ahauser Coronavirus-Infektionen: Vorsicht, aber keine Panik

Coronavirus-Infektionen in Ahaus

Wegen der vier bestätigten Coronavirus-Infektionen in Ahaus tagte am Freitag der Krisenstab. Die Devise: Keine Panik, aber große Vorsicht. Am Abend werden zwei Klassen und ihre Lehrer getestet.

Ahaus

, 06.03.2020, 18:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Landrat Dr. Kai Zwicker, Elisabeth Büning (M.) vom Schulamt und Annette Scherwinski vom Gesundheitsamt gehören zum Krisenstab des Kreises. Nach der Pressekonferenz steckten sie noch die Köpfe zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Landrat Dr. Kai Zwicker, Elisabeth Büning (M.) vom Schulamt und Annette Scherwinski vom Gesundheitsamt gehören zum Krisenstab des Kreises. Nach der Pressekonferenz steckten sie noch die Köpfe zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. © Johannes Schmittmann

In einer Ahauser Familie ist das Coronavirus nachgewiesen worden. Vier der fünf Familienmitglieder sind betroffen – der Vater und die drei Kinder. Zwei der drei Kinder besuchen Klassen der Irena-Sendler-Gesamtschule. Das dritte Kind war in dieser Woche nicht zur Schule gegangen. „Wir schauen nun genau, zu welchen Personen die Familie engeren Kontakt hatte“, sagte Landrat Dr. Kai Zwicker bei der eigens einberufenen Pressekonferenz am Freitagnachmittag.

Der Kreis Borken hatte am Donnerstagabend bekanntgegeben, dass die Gesamtschule am Freitag vorsorglich geschlossen bleibt. Eine Maßnahme, die gemäß den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes für die nächsten 14 Tage (Inkubationszeit) gilt. Die Schulschließung trifft rund 1200 Schüler und über 100 Lehrer. Annette Scherwinski erklärte die Maßnahme: „Es war uns nicht mehr möglich zu differenzieren, zu welchen Personen die infizierten Schülerinnen Kontakt hatten. Aus Vorsorgegründen bleibt die Schule deshalb geschlossen.“

Krisenstab trifft sich, um Vorgehen zu besprechen

Der Krisenstab des Kreises Borken, dem auch der Erste Beigeordnete Hans-Georg Althoff angehört, traf sich am Freitagnachmittag, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Das Ergebnis: Die Schüler und Lehrer der beiden Klassen, in die die zwei vom Coronavirus infizierten Mädchen gehen, wurden am Abend in einem separaten Raum der Schule auf das Coronavirus getestet, ebenso die besonders engen Kontaktpersonen der vier Infizierten.

Dazu sollten die Lehrer getestet werden, die seit Montag die beiden Klassen mit rund 60 Schülern unterrichtet haben. Der DRK-Ortsverein Ahaus unterstützte die Aktion. Die Tests werden in einem Labor in Schüttorf ausgewertet.

Landrat Zwicker: „Wollen schnellstmöglich Klarheit schaffen“

„Auf diese Weise wollen wir für alle schnellstmöglich Klarheit schaffen“, erklärte Kai Zwicker. Der Kreis Borken rechnet damit, dass am Sonntag die Befunde vorliegen werden. Das sagte ein Vertreter des Kreises Borken bei der Pressekonferenz. Vom Ergebnis der Beprobung werde es abhängen, wie weiter vorzugehen sei.

Es gehe darum, weitere Infektionsketten zu vermeiden. Die Schüler und das Lehrerkollegium sollten solange zuhause bleiben und Außenkontakte vermeiden, hieß es vom Krisenstab. Hans-Georg Althoff erklärte: „Den Schülerinnen und Schülern der beiden Klassen haben wir empfohlen, zu Hause zu bleiben. Eine Ordnungsverfügung wäre theoretisch möglich, aber davon sehen wir ab. Wir hoffen, so die weitere Verbreitung zu stoppen.“ Zwicker erklärte: „Je nachdem wie die Testergebnisse ausfallen, müssen wir situativ entscheiden, wie wir weiter vorgehen.“

Dr. Ansgar Hörster vom Kreis Borken stellte klar: „Es handelt sich hier um einen speziellen Fall. Es gibt nicht den Reflex: Wenn ein Schüler infiziert ist, schließt die ganze Schule.“ Ob die rund 1200 Schüler nun einfach frei haben oder von zu Hause Aufgaben erledigen müssen, stand am Freitagnachmittag noch nicht fest.

Familie befindet sich aktuell in Quarantäne

Die Familie – die sich in einem Ahauser Ortsteil in der angeordneten häuslichen Quarantäne befindet – hatte sich am Donnerstag beim Kreisgesundheitsamt gemeldet, weil sie in den vergangenen Tagen Kontakt mit einer Coronavirus-infizierten Person in den Niederlanden hatte und nun zum Teil selbst Krankheitssymptome aufwies. Der Ursprung der Infektion konnte zurückverfolgt werden. Sie hat ihren Ursprung am Sonntag in Borne (Provinz Overijssel, Niederlande). Damit kann derzeit ausgeschlossen werden, dass ein noch unbekannter Infektionsursprung für diesen Fall im Kreis Borken gesucht werden muss.

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Kai Zwicker appellierte auf der Pressekonferenz an die Bevölkerung: „In Whatsapp-Gruppen und anderen sozialen Medien wird viel Panik und Quatsch verbreitet. Die Devise sollte aber lauten: Ruhe bewahren.“

Info:

Hans-Georg Althoff kündigte auf der Pressekonferenz an, dass zeitnah eine Notfall-Hotline von der Stadt Ahaus eingerichtet werde. Diese solle „zeitnah“ auf der Homepage veröffentlicht werden.
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