Ahauser Landwirte bei Trecker-Demo in Berlin: „Es ging einfach nichts mehr!“

hzDemo in Berlin

Rund 550 Kilometer haben Ahauser Landwirte auf sich genommen, um an der Großdemo in Berlin teilzunehmen. Auf klare Antworten der Politiker warteten sie vergeblich. Der Frust war groß.

Ahaus

, 26.11.2019, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren spektakuläre Bilder, die sich am Dienstag rasend schnell in den (sozialen) Medien verbreiteten. Eine Hauptstadt versinkt im Verkehrschaos, weil Tausende Traktoren durch die Berliner Straßen ziehen, um gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung zu demonstrieren.

Mittendrin: Eine Delegation Ahauser Landwirte. „Wir haben 550 Kilometer auf uns genommen, andere Landwirte sogar bis zu 800 Kilometer. Das zeigt, wie groß der Zusammenhalt ist“, erklärt Daniel Hemker-Thiemann, Wüllener Ortslandwirt und Vorsitzender beim Westfälisch-Lippischen-Landwirtschaftsverband (WLV).

Ahauser Landwirte bei Trecker-Demo in Berlin: „Es ging einfach nichts mehr!“

Stau rund um die Siegessäule: Tausende Traktoren nahmen die Straßen in Beschlag. © Daniel Hemker-Thiemann

Um am Protest teilzunehmen, brachen die hiesigen Landwirte bereits am Montagmorgen um 8 Uhr mit acht Lkw – die mit insgesamt 25 Traktoren beladen waren – in Richtung Osten auf. Gegen 16 Uhr kam der Ahauser Tross in Brandenburg an und verteilte sich auf verschiedene ostdeutsche Betriebe. „Es ist unglaublich, wie herzlich wir dort als eigentlich Fremde empfangen wurden. Es spielte nirgendwo eine Rolle, ob jemand einen Großbetrieb in Ostdeutschland oder einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Borken führt“, so Hemker-Thiemann.

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Zeit zum Verschnaufen gab es für die Ahauser Landwirte nicht. Am Montagabend ging es nach dem Verladen der Traktoren zurück auf die Straße. Nächstes Ziel: Berlin. „Für uns war es eine lange Nacht, ohne jeden Schlaf. Aber die Mahnwache vor dem Brandenburger Tor war wirklich ein beeindruckendes Zeichen. Das hat sich gelohnt, obwohl es sehr strapaziös war“, erklärt Daniel Hemker-Thiemann.

Nicht weniger beeindruckend ging es am Dienstag weiter. Der Wüllener Landwirt berichtet davon, dass circa 5000 Traktoren es erst gar nicht in die Berliner Innenstadt geschafft haben: „Es ging einfach nichts mehr. Die ansässigen Landwirte haben uns sogar bewusst den Vortritt gelassen, weil wir den weiten Weg auf uns genommen haben.“

Scharfe Kritik an Svenja Schulze und Julia Klöckner

Seine Stimmlage verändert sich allerdings deutlich, wenn er über die Kundgebung und die Beiträge von Umweltministerin Svenja Schulze und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner spricht. Auf Videos ist zu sehen, wie vor allem Schulze in ihrer rund sechsminütigen Rede dauernd unterbrochen und ausgebuht wird. „Schulze weg“-Rufe sind ebenfalls zu vernehmen.

Ahauser Landwirte bei Trecker-Demo in Berlin: „Es ging einfach nichts mehr!“

Der Zuspruch für die Landwirte war groß. © Daniel Hemker-Thiemann

„Was die Umweltministerin von sich gegeben hat, war maßlos. Die Stimmung ist erdrückend und angespannt. Man spürt die Hilflosigkeit, aber wir bekommen keine Antworten. Stattdessen bekommen wir alte Butter aufs Brot geschmiert“, sagt Daniel Hemker-Thiemann.

Er kritisiert außerdem: „Auf Fragen wird nicht eingegangen. Von den Politikern heißt es immer nur: ‚Wir wollen, wir wollen, wir wollen...‘ Stattdessen braucht es klare Antworten und klare Zugeständnisse.“ Namentlich nennt der Wüllener Landwirt die Themen Agrar-Paket, Grundwasser-, Umwelt- und Bienenschutz.

Landwirte vernetzen sich über soziale Medien

Am Mittwochmorgen geht es für die Ahauser zurück in die Heimat. Ihr Unmut über die Politik der Bundesregierung ist nicht geringer geworden. Was den Landwirten dennoch Hoffnung macht, ist der immer rasanter wachsende Zusammenhalt. „Wir pushen uns alle gegenseitig. Was in den Whatsapp-Gruppen abgeht, ist unglaublich. Die Vernetzung ist so gut wie noch nie“, sagt Hemker-Thiemann.

Dass der Besuch in Berlin letztlich nicht die erhofften Antworten oder Zugeständnisse erbracht hat, kann die Motivation des Wülleners nicht bremsen. Ganz im Gegenteil: „Wir haben in Berlin deutlich gesagt: Wir kommen wieder!“

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