Laute Hühner und Kompost stören Nachbarin – Termin vor Gericht scheitert

hzUnterlassungsklage

Das Gegacker von vier Hühnern löste einen Nachbarschaftsstreit aus. Doch der Gütetermin vor dem Zivilgericht scheiterte. Der Beklagte sah die Unterlassungsklage als ungerechtfertigt an.

Ahaus

, 27.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da werden wir heute keine Lösung finden.“ Der zuständige Richter hatte vor dem Amtsgericht Ahaus einen „klassischen Nachbarschaftsstreit“ zu verhandeln, doch letztlich scheiterte dieser Gütetermin – auch wenn sich beide Parteien am Ende zumindest ein wenig annäherten. Im Zentrum dieses Rechtsstreits standen insbesondere die vier Hühner, die der Beklagte auf dem Grundstück des Sohnes hält.

Durch die Lärmbelästigung fühlte sich eine Nachbarin gestört, ebenso führte diese in ihrer Klage eine Geruchsbelästigung durch einen Komposthaufen – ebenso auf dem Grundstück des Sohnes des Beklagten – sowie die Nutzung einer Lebendfalle in ihrer Klage auf. Im Zentrum der Klage stand aber vor allem die Unterlassungsaufforderung, die Hühner während der Nachtstunden frei herumlaufen zu lassen.

Schlichtungsverfahren war gescheitert

Dass in diesem Falle eine außergerichtliche Einigung Sinn machen würde, betonte der Richter: „Sie müssen doch noch länger miteinander auskommen. Geraten Sie nicht in eine Spirale, aus der Sie nicht mehr herauskommen. Wir sehen uns sonst immer wieder hier.“ Doch im Verlaufe der Sitzung sollte sich zeigen, dass die Situation verfahren ist, auch ein Schlichtungsverfahren vor einem Schiedsmann war im Oktober 2019 erfolglos geblieben.

Dass man „kein Interesse an einer gütlichen Einigung“ besitze, betonte der Sohn des Beklagten schon früh. Die Nachbarin hielt dem entgegen, dass sie mehrfach das Gespräch mit dem Beklagten gesucht habe. Der Ahauser konnte sich nur an drei Mal erinnern.

Die Klägerin fühle sich vor allem durch die Geräusche der Hühner in den Nachtstunden „in der Tiefschlafphase gestört“. Dazu zitierte sie aus einem Lärmprotokoll. Bis zu 67 Dezibel seien aufgenommen worden. „Wie ein Schlagzeug unter dem Fenster“, so die Nachbarin. Der Beklagte hielt dem entgegen, dass es sich doch nur um vier Hühner handele und dass sich diese nicht automatisch nachts einstallen ließen.

„Fürchterliche Geräusche" und „bestialischer Geruch"

Die Lebendfallen würden vorsorglich gegen Ratten aufgestellt, sollte sich ein Igel darin verfangen, würde dieser umgehend freigelassen. Auch davon zeigte sich die Klägerin wenig überzeugt: „Die Geräusche sind fürchterlich, wenn sich ein Igel versucht zu befreien.“ Und der vor drei Jahren in Richtung des Hühnerstalls versetzte Komposthaufen sorge gerade im Sommer für „bestialischen Geruch“, sagte sie. Der Sohn des Beklagten gab an, dass dort vor allem Rasenschnitt aufgeschüttet würde und dass der Hühnerkot in sehr geringen Mengen vorliege. „Ich bin zudem von der Biotonne befreit“, betonte der Beklagte. Die Terrasse der Nachbarin befinde sich rund 13 Meter vom Komposthaufen entfernt.

Der Richter stellte fest, dass die Klägerin bereits seit 2006 dort wohne: „Warum kommen Sie erst jetzt auf dieses Thema?“, fragte er. Die Klägerin antwortete, dass der Zustand immer unerträglicher geworden sei. Der Beklagte verneinte, dass die Hühnerhaltung intensiviert worden sei: „Wir haben seit 30 Jahren immer vier Hühner.“

Zustand hatte sich jüngst gebessert

Die Klägerin gab nun an, dass sich der Zustand hinsichtlich der Hühner seit April dieses Jahres durchaus gebessert hätte. Nun würden die Hühner plötzlich nachts eingestallt. Auslöser sei ein Frettchen gewesen, erklärte der Beklagte. Wenn er die Hühner nun auch nicht schon um 6 Uhr in der Früh herauslasse, dann könne sich die Beklagte eine Einigung durchaus vorstellen. „Ich werde mich in meiner privaten Lebensführung nicht einschränken lassen“, lehnte der Beklagte diesen Vorschlag ab. Stattdessen schlug dieser vor, die Nachbarin könne ja die Fenster schließen und auf der anderen Seite des Hauses öffnen.

Die vom Richter als anstrebenswert erachtete „Ehrenvereinbarung“ war damit vom Tisch, das „Tischtuch ist auch zu sehr zerschnitten“: „Jetzt müssen wir schauen, wie es weitergeht.“

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