Gemeinsame Hilfsaktion: Dietmar Sicking (r.) von der Firma Lumundi in Ahaus übergibt den Firmen-LKW an Berthold Kortbus. © Privat
Private Flutopferhilfe

Legdener will Hilfsgüter persönlich in die Katastrophenregion bringen

Eine Kiste Kinderzahnbürsten ist schon da. Sie und andere Hilfsgüter möchte Berthold Kortbus aus Legden mit einem LKW aus Ahaus den Flutopfern am Nürburgring bringen. Der hat prompt eine Panne.

Eigentlich war alles bestens vorbereitet, damit Berthold Kortbus am Montagmorgen von Legden aus den mit Hilfsgütern vollbeladenen 7,5 Tonner aus Ahaus zum Nürburgring lenken kann. Kurz nach der Übergabe am Freitagnachmittag aber machte der LKW schlapp und musste in die Werkstatt. Ob er repariert werden kann oder ob Berthold Kortbus einen alternativen Transporter findet, war am Freitagabend noch nicht klar.

Die Idee reifte über Nacht

Wie aber kam es überhaupt dazu? Die Idee kam Berthold Kortbus im wahrsten Wortsinn über Nacht: „Ich lag wach und hatte die schrecklichen Bilder von der Flutkatastrophe vor Augen.“ Viele der betroffenen Regionen kennt der Legdener persönlich. Vor allem die rund um den Nürburgring im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler ist dem Motorsport-Begeisterten durch mehrere Besuche bestens vertraut.

„Auch viele Menschen dort kenne ich persönlich und mir war schnell klar, dass ich was tun muss“, begründet er seine spontane Hilfsaktion. Schließlich habe er genau da bislang immer unbeschwert Urlaub gemacht, wo sich jetzt das schreckliche Drama abspiele.

Unterstützung von allen Seiten

Über Facebook und andere Formate machte er sich kundig, was dort an Unterstützung gebraucht wird. So erfuhr er auch davon, dass direkt am Nürburgring ein Hilfszentrum eingerichtet wurde. Eine Sammel- und Ausgabestelle für dringend benötigte Hilfsgüter. Das sind aktuell vor allem Kleidung, Schuhe, Drogerie-Artikel, Haushaltsgegenstände und Kinderspielzeug.

Unterstützung für seine Spontan-Aktion, vor Ort dafür zu sammeln und die Gegenstände auch dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, bekam der 51-Jährige von mehreren Seiten. Von seiner Ehefrau, aber auch von Kollegen, Freunden und Bekannten und vor allem von seinem Chef beim Stahlhandel Glanemann. Der erklärte sich nämlich ebenso spontan bereit, seinem Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung für die kommende Woche Urlaub zu gewähren.

Ahauser Firma stellt LKW zur Verfügung

Über private Kontakte kam es dann sogar dazu, dass die Ahauser Firma Lumundi einen LKW angeboten hat. Zufällig hatte Lumundi-Geschäftsführer Dietmar Sicking ein Telefongespräch einer Unternehmerin, die Kundin von Lumundi ist, mitbekommen und so von der Kortbus-Hilfsaktion erfahren. „Aus einem tiefsten Grundverständnis heraus“ habe er sich dann sofort bereiterklärt, den LKW einzusetzen. Mit Spenden-Aktionen ist der Geschäftsführer des Ahauser Versandhandels nämlich durchaus vertraut. Im Auftrag von Kunden wird schon häufiger mal Überhang aus deren E-Commerce-Handelsgeschäften als Spende eingesetzt.

Die ersten Spenden kamen ganz schnell zusammen.
Die ersten Spenden kamen ganz schnell zusammen. © Privat © Privat

Voll beladen möchte Berthold Kortbus den Laster dann am Montagmorgen persönlich zum Nürburgring kutschieren. Schnell nämlich hatte sich die private Initiative im Netz und am Ort verbreitet und auch genauso schnell Wirkung gezeigt: Innerhalb weniger Stunden wurden am Haus von Berthold Kortbus die ersten Spenden abgegeben. Ob seine Planung aber tatsächlich so wie gedacht funktioniert, wird sich erst im Laufe des Wochenendes herausstellen. Während die Werkstatt sich beim LKW mit der Ursachenforschung und Problem-Behebung befasste, startete Berthold Kortbus sofort eine intensive Suche nach Transport-Möglichkeiten und einem Plan B. Fahren will er nämlich in jedem Fall.

Außerdem hat er sich ja nicht nur für diese eine „Tour“ Zeit genommen. Wenn er den LKW am Montagabend wieder in Ahaus übergibt, wie es geplant ist, wäre er schon am nächsten Tag zurück am Nürburgring: „Dann werde ich einfach mit anpacken.“

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