Lesung mit Musik: Hannelore Hoger in der literarischen Welt der Liebe

hzKulturquadrat

Hannelore Hoger las im Ahauser Kulturquadrat die Briefe von berühmten Frauen vor. Es ging um die Liebe, um Abschied, um schmerzvolle Erinnerungen und große Gefühle.

Ahaus

, 12.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst waren es Frauen wie Alma Mahler-Werfel und Paula Modersohn-Becker, deren Briefe über die Liebe Hannelore Hoger im Kulturquadrat las. Im zweiten Teil rezitierte sie Texte von Alexander Kluge und Kurt Tucholsky.

Zeit zum Nachdenken bot das gefühlvolle Klavierspiel von Siegfried Gerlich mit Werken von Robert Schumann, George Gershwin und Claude Debussy. 170 Sitzplätze waren ausgewiesen, nur 120 Besucher kamen. Und von diesen ernteten Hoger und Gerlich stehende Ovationen.

Hannelore Hoger passte Stimme der Situation an

Gefühlvoll und pointiert las Hannelore (Hoger (78) die Texte berühmter Autoren. Eine Rolle zu spielen wie die Fernseh-Kommissarin Bella Block ist dennoch etwas vollkommen anderes als einen Text zu lesen und in die Rolle der Protagonisten zu schlüpfen. Hoger gelang auch dieses. Ihre Stimme nahm Modulationen an von Dramatik, Trauer, Tränen, Tragik bis hin zur Androhung von Selbstmord.

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Hoger passte ihre Stimme der tieferen Tonlage von Marlene Dietrich an, als diese 1975 allein in ihrer Wohnung in Paris saß und sich an ihre längst vergangene Liebe zu Erich Maria Remarque erinnerte. „Ich hab mich freigehauen und sitze allein in einer fremden Stadt, dein zerfetzter Puma“, schrieb Dietrich an Remarque. Das Kosewort „Puma“ stammte noch aus der Zeit ihrer Liebesbeziehung.

Briefe des Abschieds und der schmerzvollen Erinnerung

Alle Liebesbriefe berühmter Frauen entnahm Hoger dem Buch von Sibylle Berg. Es waren Briefe des Abschieds und der schmerzvollen Erinnerung an verflossene Lieben. Simone de Beauvoir erinnerte sich an ihre verflossene Liebe zu Nelson Algren, weshalb sie Orte und Räume mied, an denen sie mal mit Algren als Liebespaar unterwegs war.

Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations.

Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations. © Elvira Meisel-Kemper

Agnes von Kurowsky verabschiedete sich in einem Brief von Ernest Hemingway, weil sie sich in in einen anderen Mann verliebt hatte, den sie kurz darauf geheiratet hat. Hemingway war 20 Jahre alt, als er sich nach seiner Verwundung im Ersten Weltkrieg im Lazarett in Mailand erholt. Dort arbeitete Kurowsky, die sieben Jahre älter war. In ihrem Abschiedsbrief nannte sie ihn „Junge“, denn ihre Liebe zu ihm sei eher mütterlicher Natur gewesen.

Im zweiten Teil der Lesung wurde er humorvoll

Mit humorvollen Texten von Alexander Kluge, mit dem Hannelore Hoger eine lange Liebe verband, und Texten von Kurt Tucholsky konnte sie in ihrer Rezitation ihre komödiantische Seite ausleben. Während sie in Kluges Text „Fifi“ die ewige Frage nach dem Liebesbekenntnis herausarbeitete, amüsierte sich das Publikum über Kurt Tucholskys Text „Lottchen“ . In diesem Text ging es um den Unterschied zwischen Treue und Untreue.

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Hoger sang gegen Ende das Lied von der Liebe zwischen einem Matrosen und einem Mädchen aus unterschiedlichen Sprachkreisen. Als sie sich sprachlich besser verstanden, endete ihre Liebe. Auch damit entzündete sie die Begeisterung des Publikums. Siegfried Gerlich, mit dem Hannelore Hoger ebenfalls einmal eine Beziehung hatte, füllte mit seiner Interpretation der Musik der Romantik die literarischen Pausen.

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