Mann rammt mit Auto Tür der Polizeiwache: „Habe keinen Parkplatz gefunden!“

hzGerichtsprozess

2018 rammte ein Mann (56) die Tür der Ahauser Polizeiwache mit seinem Auto. Seine Erklärung dafür war vor dem Landgericht Münster konfus. Doch der Hintergrund der Tat könnte schrecklich sein.

Ahaus

, 21.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein lauter Knall schreckte am 31. Juli 2018 drei Polizeibeamten in der Ahauser Wache in den Mittagsstunden auf. Ein damals 56-jähriger Gronauer war mit seinem Auto frontal in die Eingangstür gefahren. Splitter flogen, der Schreck saß im ersten Moment tief bei den Beamten. Sekunden später stieg der Mann aus dem Wagen aus und betrat den Vorraum der Wache. Dort trommelte er gegen die Scheiben und rief „wirres Zeug“, das die Beamten über die Außensprechanlage nicht verstehen konnten.

So schilderten es am Mittwoch die als Zeugen geladenen Polizeibeamten einstimmig vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster. Dort muss sich der Mann wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und das Fahren ohne gültigen Führerschein verantworten. Der Sachschaden betrug gut 20.000 Euro. Am ersten von zwei angesetzten Verhandlungstagen standen vor allem die Hintergründe der Tat im Vordergrund.

Ehefrau soll geschockt gewesen sein

Rückblick: Nachdem die Beamten den heute 58-Jährigen Mann „praktisch widerstandslos“ festgenommen hatten, standen das Auto und die Beifahrerin im Fokus der Polizei. „Wir wussten ja nicht, ob es ein Anschlag war. Wir haben das Auto komplett durchsucht“, sagte einer der Beamten aus. Die Beifahrerin und Ehepartnerin des Angeklagten habe zudem „einen geschockten Eindruck“ gemacht.

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Mehrmals habe sie etwas von einer Vergewaltigung gesagt, die schlussendlich auch zur Anzeige gebracht worden sei. Der Angeklagte wurde seinerzeit in Gewahrsam genommen und dann in die Psychiatrie des Gronauer Krankenhauses eingewiesen. Drogen- und Alkoholtest seien negativ ausgefallen, so die Polizisten. Ob der Mann tatsächlich psychische Probleme hat, soll sich am zweiten Verhandlungstag klären.

War eine Vergewaltigung Auslöser der Tat?

Im Verhandlungsaal wirkte der Angeklagte gefasst. Er ließ sich mittels Dolmetscher auch auf die Sache ein. „Ich bin kein Krimineller, habe immer hart gearbeitet“, sagt er direkt zu Beginn. Doch das passt nicht ganz zu der Behauptung der Ehefrau, die am ersten Verhandlungstag nicht im Saal war, mit Blick auf die vorgeworfene Vergewaltigung.

Diese „unwahre Behauptung“ soll, so der Angeklagte, auch der Auslöser der „irren Autofahrt“ gewesen sein. So schilderte der 58-Jährige, dass er mit seiner Frau zuvor auf einem Waldparkplatz in Heek einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt haben will. „Danach hat sie behauptet, ich hätte sie vergewaltigt und mich aufgefordert zur Polizei zu fahren.“

Mysteriöses Telefongespräch

Dieser Aufforderung sei der dann mit einem Umweg nachgekommen. Dabei habe seine Frau telefoniert und die Worte „tot machen“ sollen durch den Gesprächspartner gefallen sein. „Ich denke, das galt mir“, so der Angeklagte. Mit wem seine Frau gesprochen habe, wisse er nicht genau.

Doch kurz vor der Polizeiwache habe es sich seine Frau mit der Anzeige noch mal anders überlegt. Darum sei man auch wieder gefahren. Das deckt sich mit Aussagen einer Polizeibeamtin, die gut 20 Minuten vor der Tat das Auto mittels Kamera auf dem Parkplatz gesehen haben will. Doch das hin und her zwischen den Eheleuten muss weitergegangen sein, denn schlussendlich krachte der Angeklagte in die Tür der Wache.

Unterschiedliche Angaben zum Tathergang

„Ich habe keinen Parkplatz gefunden“, so der Angeklagte. Darum sei er einfach bis vor die Tür gefahren. Dabei habe er versehentlich Gas gegeben und sei eben in die Tür gekracht. An den Rest könne er sich nicht erinnern. Die Polizeibeamten beschrieben den Mann vor Gericht als „apathisch wirkend“ und „nervös-verwirrt“.

Krachte der Angeklagte mit Vorsatz oder versehentlich in die Eingangstür der Polizeiwache? Noch konnte das nicht vor Gericht geklärt werden.

Krachte der Angeklagte mit Vorsatz oder versehentlich in die Eingangstür der Polizeiwache? Noch konnte das nicht vor Gericht geklärt werden. © Stephan Rape

Doch war es wirklich so? Eine Polizeibeamtin sagte aus, der Angeklagte habe seine Frau vor dem Crash mit den Worten „Ich zeige Dir, wie du mich anzeigen kannst“ angeschrien und sei daraufhin bewusst in die Wache gefahren. So zumindest habe es ihr die Ehefrau im Nachgang geschildert. Aufgeklärt werden konnte das am ersten Verhandlungstag nicht.

Angeklagter wurde per Haftbefehl gesucht

Erschwerend kommt für den Angeklagten hinzu, dass sein rumänischer Führerschein in Deutschland nicht gültig war. Es erfolgte keine Umschreibung. Zudem erschien der Mann nicht zum ursprünglichen geplanten Gerichtstermin 2019. Darum wurde er in der Folge mit Haftbefehl gesucht. Am 17. August 2020 klickten dann in Nürnberg die Handschellen. Seitdem sitzt der Mann in U-Haft.

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Der zweite und letzte Verhandlungstag ist für den 30. Oktober angesetzt. Dann sollen laut Richter auch Personen zu Wort kommen, die den psychischen Zustand des Angeklagten fachlich einschätzen können. Ob dann auch die Ehefrau des Angeklagten unter den Zeugen ist, wurde nicht thematisiert.

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