„Mauerbau“ am Ahauser Bahnhof geht weiter – Bernhard Sandkuhle provoziert

hzGrundstück am Bahnhof

Der Recycling-Unternehmer Bernhard Sandkuhle hat vor Gericht einen Erfolg erstritten. Er darf seine Metallwand am Ahauser Bahnhof weiterbauen – zumindest vorerst.

Ahaus

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Bernhard Sandkuhle ist die gute Laune ins Gesicht geschrieben. Mit einem Strahlen zückt er aus seiner Tasche das Schreiben von seinem Anwalt. „Technischer Knock-out in Runde eins“, scherzt der Recycling-Unternehmer, der mit der Verwaltung der Stadt Ahaus bereits seit Jahren im Clinch liegt. Streitthema ist dabei immer wieder das Firmengelände an der Heeker Straße, das direkt an den Ahauser Bahnhof grenzt.

Im vergangenen Jahr spitzte sich die Dauerfehde noch einmal zu. Denn der Wunsch der Stadt war und ist es, mit einem vier Meter breiten Grünstreifen, zahlreichen Bäumen und einem Zaun das Recycling-Unternehmen vom Bahnhof abzugrenzen. Damit solle das Bahnhofsumfeld aufgewertet werden. Problem: Die Fläche gehört Bernhard Sandkuhle, der sich wenig verhandlungsbereit zeigte.

Bernhard Sandkuhle wittert eine Erpressung

Noch heute bringen ihn die Pläne der Stadt zum Kochen: „Es wird versucht, mich in die Ecke zu drängen. Solche Pläne grenzen nicht an Erpressung, sie sind Erpressung.“ Damit bezieht er sich auch auf den Vorwurf, widerrechtlich eine an sein Unternehmen angrenzende öffentliche Fläche zu nutzen. Dass der Ahauser während der laufenden Grundstücksverhandlungen mit dem Bau einer stählernen Mauer begann, um sein Unternehmen vom Bahnhof abzugrenzen, sorgte dafür, dass sich die Fronten weiter verhärteten.

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Mit einer Ordnungsverfügung vom 29. August 2018, die sich auf eine Veränderungssperre aus dem Jahr 2017 bezieht, wurde Bernhard Sandkuhle unter Androhung eines Bußgeldes untersagt, den Mauerbau fortzusetzen. Der Recycling-Unternehmer sah sich jedoch zu 100 Prozent im Recht und kündigte im Dezember 2018 an: „Was ich anfange, bringe ich auch zu Ende.“ Gegen die Verfügung ging er juristisch vor.

Oberverwaltungsgericht gibt Sandkuhle Recht

Nun darf Bernhard Sandkuhle einen ersten Teilerfolg feiern. „Die zulässige Beschwerde ist begründet“, heißt es in einem unanfechtbaren Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Münster. Damit wurde dem Eilantrag des Ahauser Unternehmers stattgegeben. „Für uns kommt das überhaupt nicht überraschend. Wir haben auch keinen Zweifel daran, dass dieser Beschluss im Gerichtsverfahren bestätigt wird“, sagt Sandkuhle.

Sofort nahm der Ahauser Unternehmer die zuletzt ruhenden Arbeiten an der Einfriedung wieder auf und rechnet damit, dass sie noch in dieser Woche fertiggestellt werden könnten. „Ich mache das nicht, um zu provozieren, sondern weil ich von der DB Netz AG mit dem Kauf des Grundstückes schriftlich die Aufforderung erhalten habe.“

Mauer soll verhindern, dass Unbefugte das Gelände betreten

Die Wand solle zum Beispiel verhindern, dass Unbefugte die Bahngleise betreten und Zugführer durch Scheinwerfer geblendet werden. Außerdem sei es in der Vergangenheit zu Diebstählen auf seinem Firmengrund gekommen. Diese Darstellung sorgte beim OVG nicht nur für Verständnis.

„Mauerbau“ am Ahauser Bahnhof geht weiter – Bernhard Sandkuhle provoziert

Bernhard Sandkuhle hat entlang eines Teils seines Firmengeländes eine Metallwand hochgezogen. Ende der Woche könnte sie fertig sein. © Markus Gehring

„Es ist nicht erkennbar, weshalb die Einfriedung nunmehr dringend erforderlich geworden ist, nachdem der Antragsteller seinen Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag mit der DB Netz AG vom 23. Dezember 2009 (...) offenbar über Jahre nicht nachgekommen ist“, heißt es in der Begründung. Dennoch erscheine dem Gericht das Bedürfnis für die Schaffung einer Einfriedung „von einigem Gewicht zu sein“.

Noch keine Gespräche mit der Stadt Ahaus

Von der Stadt Ahaus hat Bernhard Sandkuhle nach der Verkündung des Beschlusses nichts mehr gehört. „Da herrscht seit Langem Funkstille. Ich erwarte gar nichts mehr“, erklärt der Unternehmer. Dass er selbst auch gerne provoziert, lässt sich allerdings schon an der Motivauswahl an seiner Metallwand erkennen.

Direkt auf der Höhe der ein- und ausfahrenden Züge sind mehrere Äffchen und eine Kuh zu sehen. Während die Kuh mit dem Vermerk „2014“ eine klare Anspielung auf den vor fünf Jahren bundesweit bekannt gewordenen Ahauser CDU-Werbespot ist, lässt Sandkuhle offen, wem er die Affen gewidmet hat. Ein schelmisches Grinsen kann er sich aber nicht verkneifen.

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