Meine Liebe zu den Karussellpferdchen

hzAhauser Kirmes

Marita Brinkmann-Theile hat in vielen Ländern auf Pferdekarussells eine Runde gedreht. Inzwischen sind sie meist modernen Fahrgeschäften gewichen. Dies ist eine Liebeserklärung.

von Marita Brinkmann-Theile

Ahaus

, 07.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Noch immer höre ich die Stimme meines Vaters, wenn er mir, anstelle einer Gutenachtgeschichte, Rainer Maria Rilkes Gedicht „Das Karussell“ vorlas. „Mit einem Dach und seinem Schatten dreht / sich eine kleine Weile der Bestand / von bunten Pferden …

Und auf den Pferden kommen sie vorüber / auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge / fast schon entwachsen...“

Ich liebe Karussellpferdchen und bin diesem „Pferdesprunge“ auch mit „70“ noch lange nicht entwachsen. 1971 Hochzeitsreise nach Paris, mein Herzensziel ist nicht die „Mona Lisa“ im Louvre, sondern der Jardin du Luxembourg, wo ich unbedingt auf dem lyrischen Karussell meiner Kindheit fahren musste – natürlich auf einem Pferdchen.

Meine Liebe zu den Karussellpferdchen

Marita Brinkmann-Theile und Lola Scheffer verbindet die Liebe zum Karussellpferdchen. © Markus Gehring

Egal, wohin auf der Welt ich reiste und ein Pferdchenkarussell entdeckte, zog mich eine magische Anziehungskraft dorthin: zahlen, aufsteigen und wenigstens eine Runde auf „meinem“ Pferdchen fahren. Paris, München, Florida, Köln, San Diego, Wilhelmsbad, Ahaus, Bochum, Saint Malo, Slagharen, De Efteling, Nizza – eine nicht enden wollende Liste.

Was ist das? Festhalten an einer glücklichen Kindheit? Mein inneres Kind? Doch ja, irgendwie bin ich Kind geblieben. Dann merke ich, dass sich ein seliges Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet, wenn ich auf einem Karussellpferdchen sitze, eines nur von Weitem sehe, an eines denke oder darüber schreibe oder Rilkes Gedicht für mich allein laut deklamiere.

Jedes Mal ein aufregendes Erlebnis. Dies ab und an spüren zu dürfen, bereitet mir eine tiefe innere Freude, die ich und vor allen Dingen die Kinder in Ahaus wahrscheinlich nicht mehr spüren werden. Untergang eines alten Kulturguts.

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