Mit einem halben Kilo Marihuana erwischte die Polizei einen 21-jährigen Heeker. Kurz darauf schnappten die Beamten auch seinen Mithelfer. © dpa
Amtsgericht Ahaus

Mit halbem Kilo Gras über die Grenze: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen

Mit einem „cleveren“ Trick wollten zwei junge Männer aus Wüllen und Heek ein halbes Kilo Marihuana über die Grenze schmuggeln. Daraus wurde nichts. Die Strafen fielen unterschiedlich aus.

Ein 22-jähriger Wüllener und ein 21-jähriger Heeker mussten sich am Donnerstag wegen der unerlaubten Einfuhr und des gewinnbringenden Handels von illegalen Substanzen vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Im Januar 2020 waren die beiden jungen Männer in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze bei Alstätte mit einem halben Kilo Marihuana erwischt worden.

Der gesamte Prozess gestaltete sich äußerst zäh. Zunächst fehlte jede Spur vom 21-jähriger Heeker. Weder sein Anwalt noch der Jugendgerichtshelfer hatten in den vergangenen Wochen einen Kontakt herstellen können. Nach mehreren Anrufen, unter anderem bei der Lebensgefährtin des Stiefvaters, erhielt der Richter einen Hinweis über den Aufenthaltsort. Eine Polizeistreife führte den 21-Jährigen schließlich vor. Seine Abwesenheit begründete dieser mit einer neuen Adresse. Die Ladung sei nie angekommen.

Schuld sind oft die anderen

Warum er sich nicht umgemeldet habe, wollte der Richter wissen. „Habe ich doch gemacht. Ich habe aber schon gehört, dass die bei der Gemeinde Heek ihren Job nicht richtig erledigen“, behauptete der 21-Jährige. Es war ein leichter Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Stunden folgen sollte. Nicht nur an dieser Stelle suchte der Heeker die Schuld für eigene Versäumnisse bei jemand anderem. Jedoch immer bei „Nebenkriegsschauplätzen“, denn die ihm vorgeworfenen Taten räumte er ohne zu zögern ein.

Am 6. Januar des Vorjahres habe er sich mit seinem Wüllener Kumpel, den er vom Fußball beim TuS kennt, verabredet, um gemeinsam nach Enschede zu fahren. Zunächst kauften sie sich ein paar Klamotten, gingen anschließend auf einen Happen zu McDonalds – und dann trennten sich die Wege. „Ich habe meinem Kumpel gesagt, dass ich noch etwas erledigen muss.“ Beiden sei klargewesen, was das bedeute: Der 21-Jährige wollte Marihuana kaufen.

Am Auto des Wülleners trafen sie sich wieder. Zusammen fuhren sie bis in die Nähe der Grenze. Auf dem Parkplatz des Hollandmarktes „Ter Huurne“ stieg der Heeker allerdings aus. Sein Plan: zu Fuß nach Deutschland laufen, um bei den Grenzbeamten weniger Verdacht zu erregen. Das ging allerdings nach hinten los. Als der 21-Jährige merkte, dass die Polizei ihn ins Visier genommen hatte, rannte er los. „Leider hab ich den Fehler gemacht, in einen Dornbusch zu springen“, erklärte der Heeker später vor Gericht. In einer Plastiktüte fanden die Beamten 494 Gramm Marihuana, drei Geldbörsen, zwei Mobiltelefone und Klemmverschlusstütchen.

Die deutschen Polizisten nahmen nicht nur ihn in Gewahrsam, sondern auch seinen Wüllener Kollegen. Wobei Letzterem, darauf wiesen im Prozess zumindest alle Aussagen hin, vor allem Naivität vorgeworfen werden muss. Nicht nur der Wüllener selbst versicherte glaubhaft, von der großen Menge der Drogen nichts gewusst zu haben.

Komplize kommt mit Geldstrafe davon

„Ich dachte, er hätte sich nur etwas für den Eigenbedarf besorgt“, erklärte der 22-Jährige dem Schöffengericht. Auch sein Kumpel stützte diese Aussage. Weil der Wüllener strafrechtlich eine weiße Weste vorzeigen konnte, entschied der Richter in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung, das Verfahren gegen ihn vorläufig einzustellen. 2200 Euro muss er im Gegenzug an eine karitative Einrichtung spenden.

Fortan lag der volle Fokus auf dem 21-jährigen Heeker. Das lag auch an mehreren, teils einschlägigen Vorstrafen, die im Bundeszentralregister vermerkt wurden. Im Mai wartet noch ein zweiwöchiger Dauerarrest in der JVA Lünen auf ihn. Mit seinen immer wieder patzigen Einwürfen in Richtung der Justiz zog der Heeker zudem den Unmut des Richters auf sich.

Am Ende stand die Frage: Kommt er noch noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon oder droht ihm für längere Zeit das Gefängnis? Nach längerer Beratung entschieden der Richter und seine beiden Schöffen, noch einmal Milde – in Form einer Bewährung – walten zu lassen.

Neun Monate beträgt die Jugendstrafe, die der 21-Jährige antreten muss, wenn er sich nicht an die Auflagen hält. Und die haben es in sich: 100 Stunden gemeinnützige Arbeit plus 100 Stunden von einem vorherigen Verfahren, Drogenberatung, regelmäßiges Drogen-Screening und die Pflicht, sich regelmäßig mit seinem Jugendgerichtshelfer zu treffen.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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