Beim Blick aus dem Kopf des Windrades in 108 Metern Höhe werden die Dimensionen der 41 Meter langen Flügel erst richtig deutlich. © Victoria Garwer
Windenergie

Mit Video und Fotos: Blick aus dem Kopf eines 108 Meter hohen Windrades

Die Türen der vielen Windkraftanlagen bleiben normalerweise verschlossen. Reinhard Benneker hat jedoch den Aufstieg auf eines seiner Windräder in Quantwick möglich gemacht.

Ganz langsam hebt sich der gigantische Flügel Richtung Himmel. Die Windkraftanlage ist ausgeschaltet, doch die 41 Meter langen Flügel bewegen sich langsam im Wind. Dieser Blick aus dem Kopf des Windrades ist etwas ganz Besonderes. Normalerweise kommen hier nur Monteure und Wartungsarbeiter hin.

Reinhard Benneker hat den Aufstieg möglich gemacht. Der Quantwicker ist Geschäftsführer von mehreren Bürgerwind- und Windenergie-Gesellschaften. Vor 30 Jahren hat er die erste Anlage auf seinem eigenen Hof gebaut. „Wir wollten die Stromkosten senken“, sagt er.

Das relativ kleine Windrad steht noch heute hinter dem Stall. Von außen ist eine schmale und steile Leiter zu sehen. „Da klettere ich auch nicht mehr hoch“, sagt Reinhard Benneker lachend. Er ist froh, dass die moderneren und deutlich höheren Anlagen einen innenliegenden Aufzug haben.

Er schließt die Tür am Fuß eines Windrades in der Nähe seines Hofes in Quantwick auf und zeigt auf ein Display. 93.000 Betriebsstunden zeigt es an. „Pro Jahr produziert diese Anlage knapp vier Millionen Kilowattstunden“, sagt Reinhard Benneker. Diese eine Anlage kann also rund tausend Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen.

Fahrt im kleinen Lastenaufzug dauert fünf Minuten

Die Windgeschwindigkeit beträgt laut Display in diesem Moment 3,5 Meter pro Sekunde. Ab 2,5 Metern pro Sekunde kann die Anlage Strom produzieren. Bei einer Windgeschwindigkeit über 11 Metern pro Sekunde drehen sich Flügel und Kopf aus dem Wind.

Im Moment aber ist die Anlage aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Das ist Vorschrift, wenn Menschen den Turm besteigen. Denn der drehende Rotor und die Spannung wären zu gefährlich. Jeder muss zudem einen Sicherheitsgurt anlegen.

Mit einem kleinen Lastenaufzug geht es in die Höhe. Dieser ist nur gut einen Quadratmeter groß. Die Fahrt dauert fünf Minuten. Der Turm wird in dieser Zeit immer schmaler. „Durch diese Kabel fließt der Strom nach unten“, sagt Reinhard Benneker und zeigt auf einen ganzen Strang schwarzer Kabel an der Wand des Turms.

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Hoch aufs Windrad mit Reinhard Benneker

Der Aufzug stoppt und Reinhard Benneker öffnet die Tür. Die letzten acht Meter müssen geklettert werden. Eine extrem schmale und steile Leiter führt nach oben. Der Sicherheitsgurt wird eingehängt und los geht‘s. Das Herz klopft – wegen der Höhe und wegen der Anstrengung. Es ist eng und warm hier oben. Noch eine Plattform, noch eine Leiter, dann ist das Ziel in 108 Metern Höhe erreicht.

Motoren, Generatoren und riesige Flügel

Im Kopf des Windrades ist eine Menge Technik auf wenig Raum untergebracht. „Diese Motoren drehen den Kopf und die Flügel in den Wind“, sagt Reinhard Benneker. Sechs dieser Motoren gibt es. Weiter hinten ist der Generator zu sehen. „Das war das Kunststück damals bei dieser Anlage. Denn es gibt kein Getriebe. Mit diesem Generator wird der Strom produziert“, erklärt Reinhard Benneker und vergleicht das Prinzip mit einem Fahrraddynamo.

Reinhard Benneker besitzt mehrere Windkraftanlagen.
Reinhard Benneker besitzt mehrere Windkraftanlagen. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Der Quantwicker öffnet eine Luke an der Decke. Dadurch können Monteure auf den Kopf des Windrades klettern und Arbeiten an den Flügeln oder der Beleuchtung vornehmen. Diesen Schritt geht Reinhard Benneker mit Besuchern nicht, aber schon der Blick aus der Luke ist beeindruckend.

Ein riesiger Flügel ragt in die Luft. Diese Dimensionen sind von unten nur zu erahnen. In der Ferne ist Ahaus zu sehen, außerdem grüne Felder, Wälder und zahlreiche Windkraftanlagen.

Auch für Reinhard Benneker ist dieser Aussicht nicht alltäglich. Denn obwohl er zahlreiche Windkraftanlagen besitzt, klettert er nur selten hinauf. Das überlässt er in der Regel den speziell ausgebildeten Facharbeitern.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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