Nazi-Schmierereien und Zerstörungen in der Augenklinik-Arena

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Nazi-Schmierereien und Vandalismus in der Augenklinik-Arena: Davon bekamen die Zuschauer beim Heimspiel der Eintracht am Sonntag kaum etwas zu sehen. Viele Spuren waren da bereits beseitigt.

Ahaus

, 30.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eintracht-Vorsitzender Stefan Kappenstiel ist noch immer entsetzt. Auch jetzt noch. Tage später, nachdem er am Freitag in der Augenklinik-Ahaus-Arena selbst gesehen hat, was dort Unbekannte angerichtet hatten: Hakenkreuze, SS- und andere Nazi-Symbole, Namen an Kabinen und Tribünenwänden, herausgerissene oder verschobene Sitzschalen – ein Bild von mutwilliger Zerstörung.

Passiert sein müsse es, so mutmaßt Kappenstiel, in den vergangenen 14 Tagen zwischen den beiden Heimspielen.

Nazi-Schmierereien und Zerstörungen in der Augenklinik-Arena

Schmierereien an einer der Ersatzbänke. Die verfassungsfeindlichen Symbole hatte der Platzwart der Eintracht direkt entfernt. © privat


Das, was in anderen Spielstätten schon häufiger zu beklagen war, für den Ahauser Verein ist es ein ganz neues Problem, was aber offenbar dort jetzt häufiger vorkommt. Auf der Facebook-Seite der Eintracht heißt es dazu: „Man muss sich schon fragen, was in den Köpfen einiger Idioten so vor sich geht. In letzter Zeit werden im Bereich des Hauptplatzes und der Tribüne immer wieder Dinge mutwillig zerstört oder Schmierereien angebracht, die weder kreativ noch in irgendeiner Form lustig sind.“

Vorsitzender ist entsetzt

Ein solches Ausmaß, wie beim aktuellen Fall hat es bislang in Ahaus allerdings nicht gegeben. Eine Idee, wer dafür verantwortlich ist und erst recht, welche Gründe es für ein solches Verhalten gibt, hat Stefan Kappenstiel nicht: „Es war ein erschreckendes und unerträgliches Bild.“ Verdächtigen will er niemanden, gleichwohl habe man in der Vergangenheit häufiger auf der Tribüne eine Gruppe von Heranwachsenden beobachtet, die ganz offensichtlich nicht zum Verein gehöre. Darauf habe man das so auch der Polizei mitgeteilt, bei der man auch Anzeige erstattet habe.

Polizei hat ein Auge drauf

„Die wird jetzt stärker ein Auge auf die Arena haben“, sagt der Vereinschef. Und auch er selbst will häufiger dort präsent sein: „Ich kann doch von einem Platzwart nicht erwarten, dass er auf eine Gruppe Jugendlicher zugeht.“ Die verstärkte Präsenz, auch der Polizei, werde wohl abschreckend wirken. Stefan Kappenstiel stellt aber auch klar, dass es keinen Generalverdacht gegen Jugendliche geben soll.

Inhaltlich hat sich die Eintracht bereits von den „Texten“ distanziert „und verurteilt die Zerstörungen aufs Schärfste“. Und weiter heißt es bei Facebook: „Solltet ihr zufällig etwas beobachten, meldet euch gerne bei uns oder wendet euch direkt an die Polizei Ahaus.“

Staatsschutz ist eingeschaltet

Zuständig für die Aufklärung ist in diesem Fall das Polizeipräsidium Münster. Der Staatsschutz wurde bereits eingeschaltet. „Die Kollegen haben die Ermittlungen aufgenommen“, hieß es von der Pressestelle der Polizei in Münster. Es handele sich um rechtsradikale Schmierereien und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Kritik an Stadt Ahaus

In diesem Zusammenhang sieht Stefan Kappenstiel aber auch die Stadt Ahaus in der Verantwortung: „Seit Jahren ist die Einzäunung des Stadions ein Thema, aber außer Gesprächen ist nichts passiert.“ Eine solche Einzäunung, da ist er sich sicher, hätte das Ganze verhindert. Das sieht die Stadt etwas anders. Pressesprecherin Anna Reehuis: „Auch eine Einzäunung bedeutet keinen hundertprozentigen Schutz vor Vandalismus und Schmierereien.“

Außerdem sehe man bei der Stadtverwaltung Vandalismus auch als grundsätzliches Problem an. Beispiel: Beschädigungen der Mülleimer im Schlossgarten. Im konkreten Fall seien aber „Kollegen aus dem Fachbereich Sicherheit und Ordnung und auch aus dem Fachbereich Bildung, Kultur, Sport am Freitag gemeinsam mit Vertretern des Vereins vor Ort“ gewesen.

Stadt verweist auf laufende Planungen

Dabei verweist Anna Reehuis auf die 2017 beschlossene Sportstättenplanung: „Viele Projekte daraus laufen, oder sind in Planung. Unter anderem soll aus dem Gelände am Stadtpark eine Leichtathletische Anlage Typ B werden – daraus wird sich eine stärkere Nutzung ergeben. Um Problemen mit dem Schallschutz vorzubeugen, wurde ein Emissionsschutzgutachten in Auftrag gegeben. Dieses liegt nun vor und wird zeitnah in der nächsten Sitzung der Lenkungsgruppe vorgestellt. Um den Vandalismus einzudämmen, würde die neue Anlage dann eingezäunt werden.“

Verein will sich weiter mit Gesamtproblem befassen

Auch für Stefan Kappenstiel ist klar, dass ein Zaun alleine das Problem nicht beseitigt. Mit der Gesamtproblematik werde man sich auch im Verein noch intensiver beschäftigen: „Wir sind erstmalig damit konfrontiert und steigen in weitere Überlegungen ein.“

Die Höhe der Kosten für die Beseitigung der Schmierereien und die Reparatur der Tribünenplätze kann Kappenstiel nicht beziffern, befürchtet aber, dass der Verein sie tragen muss. Die Schmiererein wurden auch mit Blick auf das Heimspiel am Sonntag sofort entfernt. Mit Aceton. Die Reparaturen werden in Kürze folgen.

Sowohl bei den Nazi-Schmierereien als auch beim so genannten Vandalismus handelt es sich nicht um Dumme-Jungen-Streiche. Welche Strafe jeweils droht, steht im Strafgesetzbuch.
  • Für das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ drohen Strafen von bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafen.
  • Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
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