Neuer Pfarrer in Ahaus: „Christ sein bedeutet: soziale Verantwortung wahrnehmen!“

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Frank Mönnig hat in Ahaus seine neue Heimat als Pfarrer gefunden. Im Interview spricht der 37-Jährige über seine Vorstellungen von Gemeinschaft und wie die Kirche Jugendliche erreichen kann.

Ahaus

, 17.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Studium in Göttingen und Münster, Vikar im Siegener Land und zuletzt im Hochsauerland: Während seines beruflichen Werdegangs als Pfarrer hat Frank Mönnig schon einiges erlebt. Nun hat der gebürtige Hammer die Pfarrstelle in Ahaus angetreten, die durch die Krankheit von Heike Bergmann frei geworden war. Dort plant der 37-Jährige, Jugendliche in die Diakonie einzubeziehen. Zudem spricht er über die Gründe, die ihn ins Westmünsterland geführt haben.

Herr Mönnig, Sie arbeiten jetzt seit Kurzem in Ahaus als Pfarrer. Wie kamen Sie zu dem Beruf?

Ich habe in Dortmund angefangen, Wirtschaftswissenschaften und Evangelische Religion auf Lehramt zu studieren. Dann habe ich für mich festgestellt, dass mich das nicht erfüllt. Während dieser Zeit habe ich glücklicherweise an der Schule einen Pfarrer kennengelernt. Dort habe ich dann herausgefunden, dass es etwas sehr Erfüllendes für mich ist, die Menschen von der Geburt bis zum Tod zu begleiten.

Wie ging es weiter?

Ich konnte mir dann vorstellen, der Pfarrtätigkeit auch als Beruf nachzugehen. Allerdings hatte ich auch Zweifel, weil ich nicht kirchlich sozialisiert bin. Der Glaube war kein wirkliches Thema in der Familie. Gott lief immer so mit, war aber kein Schwerpunkt. Dennoch habe ich die Gegenwart Gottes immer gespürt. Daher hatte ich immer Zweifel, ob ich den Beruf ausfüllen kann – von meinem Hintergrund her. Dann habe ich ein Praktikum bei einem Pfarrer in Hamm, wo ich ursprünglich herkomme, gemacht.

Und während des Praktikums haben Sie die Leidenschaft entwickelt?

Genau, das kann man so sagen. Es ist toll für mich, Menschen bei ihren existentiellen Stationen des Lebens zu begleiten und ihnen ein gutes Wort zuzusprechen – vor dem Hintergrund des Evangeliums, was mich auch in meinem Leben trägt. Das ist was, was mich immer sehr berührt: Wenn mich Menschen in ihr Leben lassen. Das ist toll.

Und dann haben Sie in Münster studiert?

Genau. Mit der Zeit bin ich dann nach Göttingen gewechselt und habe dort in einem Stift gelebt. Zum Examen bin ich dann wieder zurück nach Münster gegangen. Mein Vikariat habe ich dann in der Martini-Gemeinde in Siegen verbracht. Die Gemeinde dort ist politisch sehr aktiv, meine Mentorin Ute Waffenschmidt-Leng, die ich mir bewusst gesucht hatte, ist feministische Theologin. Das hat mich doch sehr geprägt – vor allem ihre Art, auf Menschen zuzugehen.

Neuer Pfarrer in Ahaus: „Christ sein bedeutet: soziale Verantwortung wahrnehmen!“

In der Christuskirche in Ahaus wird Frank Mönnig demnächst häufiger predigen. © Maximilian Konrad

Und von dort ging es weiter ins Sauerland…

Dort habe ich mit drei Kollegen die Gemeinde Bestwig betreut und habe als Seelsorger gearbeitet. Zudem gab es einige besondere Aktionen wie beispielsweise einen Jugendgottesdienst. Die Jugend ist mir wichtig. Elementar ist, dass nicht der Glaube „übergestülpt“ wird, sondern zu schauen, was Menschen brauchen.

Herr Mönnig, wohnen Sie eigentlich schon in Ahaus?

Ja, ich wohne in der Marienstraße seit Mitte November. Ich bin dort in einem Mehrfamilienhaus eingezogen. Das reicht für mich vollkommen, da ich ledig bin und ohne Familie komme. Ich fühle mich dort sehr wohl und die Nachbarn sind sehr hilfsbereit.

Wie kam die Verbindung nach Ahaus zustande?

Ich habe gesehen, dass die Stelle ausgeschrieben war. Dann habe ich geschaut, wie es hier so ist. Ich habe gleich gemerkt, dass es zwischen mir und Olaf Goos gut passt und konnte mir die Zusammenarbeit gut vorstellen – auch mit dem Team aus Gemeindepädagogen und der Gemeindeschwester.

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Obwohl die Pfarrstelle in Ahaus nur eine 75 Prozent-Stelle ist…?

Ich kombiniere die Stelle mit einer Beschäftigung an der Kreuzschule in Heek. Da kann ich mein pädagogisches Grundinteresse einbringen und mit den Schulstunden kombinieren. In Heek gebe ich Religionsunterricht in den Klassen sechs, sieben, acht und zehn.

Was wissen Sie eigentlich schon über Ahaus und die Region? Wie haben Sie Ahaus in den ersten Wochen kennengelernt?

In Ahaus mischt sich etwas Städtisches mit etwas Dörflichem – das kommt hier zusammen in einer guten Kombination. Ich nehme ein hohes Engagement wahr, was mich unheimlich beeindruckt. Die Leute sind hier zugewandt und man kommt mit vielen Menschen schnell und unkompliziert ins Gespräch. Das gefällt mir.

Die Menschen haben hier eine liberale Tendenz, was den Glauben anbetrifft und sind sehr offen – das finde ich schön. Bis jetzt kann ich wirklich nur Gutes sagen. Ich fühle mich sehr wohl und bin überrascht, wie schnell ich hier heimisch werde.

War die Buntheit der Leute in Ahaus, von der Sie gerade sprechen, ein Faktor, der Sie in die Region geführt hat?

Ja, das war ein Faktor. Es gab mehrere Faktoren. Ein weiterer entscheidender Punkt war das Team, mit dem ich mir eine gute Zusammenarbeit verspreche. Außerdem engagiert sich die Gemeinde viel in der Kinder- und Jugendarbeit – von den Kirchenknirpsen bis hin zur Konfirmandenarbeit. Das finde ich anziehend. Zudem hatte ich den Eindruck, dass die Gemeinde offen ist für Kreativität – ich bin experimentierfreudig und ich denke, das kann ich hier ausleben.

Wie lauten denn Ihre Vorstellungen von Gemeindeleben? Haben Sie schon konkrete Projekte im Sinn?

Momentan bin ich noch in der Findungsphase und schaue mir alles an. Zusammen mit Olaf Goos kristallisiert sich gerade heraus, dass ich mich um Konfirmandenarbeit und Diakonie kümmern werde. Wichtig ist, dass man die Menschen vor Ort fragt, was sie bewegt. Unsere Aufgabe besteht darin, aus den Gaben der Menschen ein Konzept entstehen zu lassen.

Ich finde zum Beispiel wichtig, dass die Konfirmanden auch rausgehen und nicht nur die Lernatmosphäre im Gemeindehaus verspüren. Es ist geplant, die Konfirmanden in die Diakonie miteinzubeziehen. Nicht nur zuschauen, sondern auch mithelfen. Christ sein bedeutet: soziale Verantwortung wahrnehmen.

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In Bestwig haben Sie viele Ausflüge mit den Jugendlichen gemacht: Sie waren auf dem Kirchentag und waren auch auf der Gamescon. Wie erreicht man junge Menschen?

Kirche ist immer Gemeinschaft – Sachen gemeinsam erleben. Dazu kann auch ein Besuch der Gamescon gehören. Gemeinsame Fahrten schweißen zusammen, Orte, an denen man was erlebt. Dort zeigen die Jugendlichen auch mal andere Seiten. Allerdings darf es sich auch nicht auf eine Abfolge von Events reduzieren.
Wichtig ist es, als Pfarrer präsent zu sein und die Interessen der Jugendlichen zu teilen.

Ich habe auch eine Playstation Zuhause und spiele auch selbst gern. Man muss authentisch sein und schauen, was zu einem passt. Gemeinschaftlichkeit ist der Schlüssel, Menschen zusammenzuführen und zu erzählen, was einem so bewegt. Die ansgeprochenen Themen müssen eine Relevanz für den Alltag der Jugendlichen haben.

Einer Ihrer Amtskollegen hat mal über Sie gesagt: „Du hast dem Glauben ein Gesicht gegeben.“ Wie sieht Ihre eigene theologische Handschrift aus? Haben Sie Vorbilder?

Sehr beeinflusst haben mich freikirchliche Gemeinden: die Art des Gottesdienstes, das freie Predigen. Allerdings ist es auch eine Gefahr, ins Labern zu kommen. Mein Ziel ist es möglichst frei zu sprechen. Zudem finde ich es schön, dass in diesen Gemeinden viele beim Gottesdienst mitwirken und nicht nur der Pfarrer alles alleine macht. Im Studium hatte ich auch sehr viel Kontakt zur katholischen Kirche. Dort habe ich Jesuiten kennengelernt. Auch habe ich eine Frömmigkeit erfahren, die mich berührt hat. Außerdem ist mir die Meditation wichtig und Momente zu finden, in der Stille zu sich selbst zu kommen.

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