Politik statt Theater, Impftermine statt Ballett, Sitzungen statt Kultur: Zur Theatersaison 2022/2023 soll die Kultur wieder Hauptakteur in der Stadthalle Ahaus werden. Wann es genau so weit ist, steht aber noch nicht fest. Klar ist nur, dass die 700 Abonnenten der beiden Theaterringe für den Betrieb gebraucht werden. © Stephan Rape (Archiv)
Theatersaison 2022/2023

Neustart der Theaterringe – Kultur in Ahaus soll zeitgemäßer werden

700 Abonnenten warten auf den Neustart der Kultur in der Stadthalle. Zur Theatersaison 2022/2023 könnte es etwas werden, falls die Pandemie mitspielt. Dann steht eine kleine Revolution an.

Die Theaterringe A und B liegen seit Ausbruch der Pandemie auf Eis. Auch wenn aktuell die Infektionszahlen noch in die völlig falsche Richtung laufen, soll schon im nächsten Jahr wieder Theater in Ahaus möglich werden.

Und dabei soll es moderner werden: „Schwere Stoffe sollen so aufbereitet werden, dass sie Spaß machen“, stellte Karen Jungkamp, vom Fachbereich Kultur der Stadt Ahaus am Dienstagabend im Kulturausschuss klar.

Neustart zur Theatersaison 2022/2023 ist angedacht

Sie könne noch nicht sagen, wann der reguläre Abo-Betrieb der Theaterringe wieder starten könne. Geplant sei die Wiederaufnahme aber zur Saison 2022/2023. Dafür sei sie gerade dabei, Ensembles zu buchen. „Ein Jahr später als üblich, aber da sind wir in guter Gesellschaft“, erklärt sie.

Insgesamt habe die Pandemie natürlich die gesamte Branche durcheinandergewirbelt. Das mache sich zum Teil auch bei den Preisen oder den Vertragskonditionen bemerkbar. Ausweichtermine – vor der Pandemie noch recht einfach zu organisieren – seien oft schon gar nicht mehr vorgesehen.

Weg von musealer Aufführung, hin zu zeitgemäßem Theater

Inhaltlich soll die Kultur in der Stadthalle weg von musealen Aufführungen, hin zu zeitgemäßem Theater. Kein leichtes Unterfangen: „Es gibt ja schon Fragen, wenn ein Ensemble nicht in historischen Kostümen auf der Bühne steht, sondern beispielsweise Jogginganzüge trägt“, erklärte sie.

Doch auch dafür sah sie eine Lösung: Publikums-Einführungen vor den jeweiligen Stücken. „Wenn man entsprechend vorbereitet in ein Theaterstück geht, treten diese Fragen gar nicht erst auf“, sagte Karen Jungkamp.

Die Gruppe der Abonnenten direkt zu verjüngen sei aber praktisch nicht möglich. „Wir sind nicht in Berlin“, machte die Kultur-Fachfrau deutlich. Das funktioniere nur nach und nach über flankierende Projekte: etwa die Einbindung abiturrelevanter Stoffe und entsprechende Begleitprogramme. So könnten ganze Schulklassen für einen Theaterbesuch in der Stadthalle gewonnen werden.

Ständig wechselnde Vorgaben machen Theaterbetrieb fast unmöglich

Schon die ständig wechselnden Vorgaben für die Plätze im Publikum würden den normalen Betrieb unmöglich machen. „Ich kann ja nicht verlässlich sagen, wie viele Plätze es gibt“, sagte sie. Schachbrettmuster, 1,5 Meter Abstand oder normale Belegung seien schließlich ein himmelweiter Unterschied.

Klar sei aber: Ohne die über 700 Abonnenten der beiden Theaterringe sei der Betrieb der Stadthalle als kultureller Ort nicht denkbar: „Ahaus ist nicht Münster“, machte Karen Jungkamp deutlich. Bei voller Auslastung sei die Stadthalle in Ahaus aber durchaus mit dem Kleinen Haus in Münster zu vergleichen. „Und selbst das kriegt man ohne ein Abo nicht voll“, machte sie deutlich.

Stadthalle ist nur im Abo zu betreiben

Dabei sei es „unangenehm“, nur mit 100 Personen in einer Veranstaltung in der Stadthalle zu sitzen. „Und zwar für alle Beteiligten“, erklärte sie. Während der Pandemie habe sie verschiedene Versuche im freien Verkauf und per Einzelansprache der bekannten Abonnenten gestartet.

„Das Ergebnis war nicht sehr ermutigend“, erklärte sie weiter. Auch würde die Stadt Ahaus für ihr funktionierendes Abo-Modell von anderen Städten beneidet. Trotzdem sollen vereinzelte Restkarten künftig günstiger angeboten werden, um alle Plätze zu füllen.

Werner Leuker, Beigeordneter der Stadt, bereitete die Politiker im Ausschuss auf finanzielle Einbußen vor: Die Rede sei immer davon, bei kulturellen Veranstaltungen mindestens 50 Prozent der Kosten zu decken. „Bei den aktuellen Umständen können die Ergebnisse aber auch darunter liegen“, sagte er.

Aktuell gibt es übrigens zwei schlechte Nachrichten vom Kulturprogramm: Sowohl die Tanzvorstellung „Turbogigamanipoweristisch“ am 28. November, als auch das Ballett „Die Schöne und das Biest“ am 7. Dezember müssen abgesagt werden: Die jeweiligen Ensembles haben ihre Auftritte in Ahaus storniert.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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