Nikolas Geschwill gibt Schlagzeugunterricht jetzt per Skype

hzMusikschule Ahaus

Die Musikschule Ahaus geht in Zeiten von Corona neue Wege. Fast alle Lehrer setzen ihren Unterricht fort – und das per Skype, Facetime oder Zoom. Einer von ihnen ist Nikolas Geschwill.

Ahaus

, 01.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nikolas Geschwill sitzt in Köln in seinem Wohnzimmer an seinem Schlagzeug. Johann hat die Trommeln 150 Kilometer entfernt im elterlichen Wohnzimmer aufgebaut. Der Unterricht der Musikschule Ahaus läuft jetzt per Skype.

Der Schlagzeuglehrer gehörte zu den ersten, die die neue Unterrichtsform ausprobiert haben. Mit deren Erfahrungen konnten dann die Kollegen starten. Rund 800 Schüler, so Musikschulleiter Alfred Zamhöfer, werden jetzt online unterrichtet. Nikolas Geschwill sagt nach der ersten Woche: „Es ist eine große Herausforderung.“

Johann ist einer der ersten, der Unterricht über das Internet bekommt. Der Zwölfjährige findet das cool. Beim ersten Mal haben die Eltern noch geholfen, das Notebook richtig zu platzieren und die Kamera zu justieren, jetzt will er das auch alleine machen. Die Einstellungen bei Skype wurden beispielsweise so eingerichtet, dass das Wohnzimmer im Hintergrund nicht genau zu erkennen ist.

Zeitliche Verzögerungen machen gemeinsames Spielen unmöglich

Denn im Wohnzimmer steht jetzt das Schlagzeug, weil es in Johanns Zimmer keine passende Position für die Kamera gab. Ob das den Eltern gefällt? Auf jeden Fall, so erzählen sie, würde er häufiger üben. Und ihr Sohn sei deutlich konzentrierter, weil er genau aufpassen muss, weil es eben auch zeitliche Verzögerungen gibt.

Der Arbeitsplatz von Nikolas Geschwill in seinem Wohnzimmer.

Der Arbeitsplatz von Nikolas Geschwill in seinem Wohnzimmer. © privat

Davon spricht auch Nikolas Geschwill. „Die Latenz ist zwischen 100 und 500 Millisekunden. Da kann man nicht mehr gemeinsam Musik machen“, sagt er. So spielen Johann und seine anderen Schüler ihr Stück, dann zeigt der Musikschullehrer, wie er es spielen würde. Aber, so Geschwill: „Gemeinsam spielen ist eigentlich eine super wichtige Angelegenheit.“

„Für mich ist es eine Notlösung. So kann ich mit meinen Schülern in Kontakt bleiben“, sagt Nikolas Geschwill. 30 Schüler unterrichtet er in Ahaus im Einzel- oder Gruppenunterricht. Aber es ist eine gute Notlösung. „Ich lerne viel dazu, es ist total spannend.“ Mit Johann kommuniziert er per Skype, er hat auch auch schon Facetime, Houseparty und Zoom ausprobiert. Manche Schüler nutzen ein Tablet, andere sogar nur das Handy. Alles geht.

Perfekter Trommelsound dank elektronischem Instrument

In seinem Wohnzimmer in Köln hat er sich auf den Unterricht eingerichtet. Mit mehreren Kameras kann er auch Details filmen und seinen Schülern zeigen. Aufgebaut hat er ein elektronisches Schlagzeug und ein Mischpult. Über Interface geht alles in den Rechner und von dort per Skype zum Schüler. „Ich kann den Schülern mit einem perfekten Trommelsound beliefern“, sagt er und ergänzt: „Und ich gehe den Nachbarn überschaubar auf die Nerven.“

Nikolas Geschwill

Nikolas Geschwill © privat

Wenn der Schüler auf die Trommel haut, ist die Klangqualität, die bei ihm wieder ankommt, natürlich nicht so gut. Einer der Nachteile. Der Musikschullehrer erzählt, dass es natürlich Anbieter gibt, die ausschließlich Online-Unterricht geben und dann ganz andere technische Möglichkeiten hätten. Für ihn allerdings „ist die reguläre Arbeit analog.“

Nicht nur hören, sondern auch sehen hilft

Normalerweise sitzt er in einem in der Musikschule in einem Schlagzeugraum und arbeitet so, dass er den Schüler sehen und korrigieren kann. Nikolas Geschwill kommt noch einmal auf die Verzögerungen zurück. „Bei einer halben Sekunde Delay ist es, als spiele jemand gegen mich.“ Um trotzdem zu sehen, ob der Schüler alles richtig macht, schaltet er auch schon mal den Ton aus und konzentriert sich auf das, was er sieht.

„Das ist für mich ein großes Abenteuer.“
Nikolas Geschwill

Vorausgesetzt, die Kamera fängt alles ein. „Benutzt er die Hand, die er benutzen soll, spielt er rhythmisch korrekt, da sind ganz viele Sachen, die schwierig sind“, so der 42-Jährige. „Nuancen zu erarbeiten, das fällt online komplett raus.“ Auch andere Schwierigkeiten tauchten zu Beginn auf. So stand das Schlagzeug bei einem Schüler im Keller, wo Wlan nicht funktionierte.

Die Resonanz bei seinen Schülern ist sehr positiv, so erzählt Geschwill. Die Jüngste ist sechs Jahre alt. „Alle sind sehr offen dafür.“ Wie sich allerdings die neue Unterrichtsform auf das musikalische Vorwärtskommen auswirken wird, das kann er noch nicht abschätzen.

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„Das ist für mich ein großes Abenteuer“, sagt Nikolas Geschwill, der seit 20 Jahren unterrichtet. „Ich finde es super, dass die Musikschule Ahaus das macht.“ Dabei denkt er an Kollegen, die frei arbeiten und zurzeit finanzielle Existenzängste haben. „Ich bin in der komfortablen Situation, dass ich über eine Anstellung abgesichert bin, Deshalb will ich das Thema Online-Unterricht so gut wie möglich an den Start bringen.“

Das klappt generell beim Einzel- und Gruppenunterricht bei den 25 Lehrern an der Ahauser Musikschule gut. Bei Zweier- oder Dreiergruppen, so erläutert Alfred Zamhöfer, wird die Zeit aufgeteilt. Nicht dabei sind die Jeki-Schüler, Spielkreise und die Ensembes. Auch Nikolas Geschwill kann zurzeit nicht mit seinem Schlagzeug-Ensemble und beim Band-Coaching arbeiten.

Nikolas Geschwill ist auch viel unterwegs. Das Foto zeigt ihn mit dem Caritas-Drumcircle 2018 beim Katholikentag in Münster.

Nikolas Geschwill ist auch viel unterwegs. Das Foto zeigt ihn mit dem Caritas-Drumcircle 2018 beim Katholikentag in Münster. © Caritas (Archiv)

Der Musikschullehrer wird froh sein, wenn er wieder in den analogen Unterricht zurückgehen kann. Er sagt aber auch: „Die digitale Arbeit ist spannend, als Ergänzung ist sie bestimmt eine tolle Sache.“ Und abschließend blickt Nikolas Geschwill in die Zukunft nach Corona: „Ich hoffe, dass die Menschen nicht nur alles negativ sehen, sondern auch die Chancen erkennen, die sich aus der Not heraus ergeben haben.“

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