Ein 32-jähriger ehemaliger Ahauser hat sich als Arzt im Impfzentrum Hagen ausgegeben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. © dpa
Staatsanwaltschaft ermittelt

Ohne Zulassung: Ehemaliger Ahauser gibt sich im Impfzentrum als Arzt aus

Ein 32-jähriger ehemaliger Ahauser hat sich im Impfzentrum Hagen als Arzt ausgegeben – obwohl er keine Zulassung hat. Durch eine Anzeige flog er auf. Auch in Ahaus ist der Mann kein Unbekannter.

Das Deutsche Rote Kreuz hat sich von einem leitenden Mitarbeiter des Impfzentrums Hagen getrennt. Der Mann stammt ursprünglich aus Ahaus und soll sich in Hagen mit gefälschten Papieren als Arzt vorgestellt haben. Die Ermittlungen laufen.

Beim Deutschen Roten Kreuz in Hagen hatte sich der Mann als Facharzt für Psychiatrie und Notfallmedizin ausgegeben. Er wurde als Koordinator für das nicht-ärztliche Personal im Hagener Impfzentrum eingestellt. Die Betreuung von Ordnungs- und Hilfskräften sollte dort zu seinen Aufgaben gehören. Ausdrücklich sei es nicht um medizinische Entscheidungen gegangen.

Durch eine Anzeige bei der Polizei kam der Fall ins Rollen: Nach einem ersten Verdacht vor Weihnachten hatte das DRK Bezirksregierung und Ärztekammer eingeschaltet. Beide bestätigten, dass der Mann keine Arztzulassung habe.

Wie Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli von der Staatsanwaltschaft im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt, handelt es sich bei dem 32-Jährigen um einen Mann, der aus Ahaus stammt.

SPD Ahaus kündigt 2013 Mitgliedschaft wegen mehrerer Vorfälle

Auch dort war er schon vor Jahren mit der Wahrheit und dem Gesetz in Konflikt geraten. In der Stadt war er in mehreren Vereinen und auch politisch aktiv.

Damals war er unter anderem Mitglied im SPD-Ortsverein und deren Jugendorganisation „Jusos“. Wie Andreas Dönnebrink, damaliger Vorsitzender der SPD Ahaus und heutiger Fraktionsvorsitzender, auf Nachfrage erklärte, sei dem Mann aber schon 2013 die Mitgliedschaft gekündigt worden. Wegen einer ganzen Reihe von Vorfällen, auf die Dönnebrink heute nicht mehr näher eingehen wolle.

Ebenso wurde der Mann 2016 vom Ahauser Amtsgericht wegen vorsätzlichen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt: Damals hatte er zusammen mit einer Frau eine Ferienwohnung angemietet, obwohl er laut Gericht gewusst habe, dass er die Miete niemals würde zahlen können.

Weitere Strafbefehle wegen Diebstahls, Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie der Einfuhr illegaler Substanzen wurden gegen ihn verhandelt. Die Strafe damals: sieben Monate auf Bewährung.

Führungszeugnis war zur Bewerbung unauffällig

Wie das DRK Hagen erklärt, war das Führungszeugnis des heute 32-Jährigen bei seiner Einstellung unauffällig. Das ist gut möglich: Eintragungen wegen Bewährungsstrafen werden in der Regel nach drei Jahren gelöscht.

Von Ahaus führte sein Weg zunächst nach Dortmund. Auch dort wurde er wieder politisch aktiv. Später arbeitete er für zwei Wochen in einer Flüchtlingsunterkunft in Bork, dieses Arbeitsverhältnis wurde aber bereits nach zwei Wochen aufgelöst. „Im beiderseitigen Einvernehmen“, wie es hieß. Dort hatte sich der Mann als Diplom-Psychologe ausgegeben.

Nach Medienberichten sollen weitere Betrugsanklagen gegen den Mann vorliegen.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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