Oliver Welke witzelt mit Jens Spahn über SPD, Impfpflicht und Kanzler-Kandidatur

hzAhauser Schlossrunde

Gesundheitsminister Jens Spahn hat zur Ahauser Schlossrunde diesmal den Journalisten und Komiker Oliver Welke eingeladen. Neben vielen Spitzen und Sprüchen gab es auch ernste Momente.

Ahaus

, 19.11.2019, 14:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um Medienprofi und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aus dem Konzept zu bringen, braucht es schon einiges. Geschafft hat das Komiker und Journalist Oliver Welke bei der Schlossrunde am Montagabend, veranstaltet von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Bei den beiden wird auch das ernsteste Thema zum Lacher.

Zum Beispiel die Diskussion über Veränderungen in der Politik. Jens Spahn hat dazu eine klare Meinung: „Nach vielen Jahren mit zu wenig Politisierung...“ „Geht das jetzt etwa gegen Frau Merkel?“, unterbricht Oliver Welke süffisant. CDU-Politiker Spahn grinst nur und wartet den Lacher des 200-köpfigen Publikums ab.

Oliver Welke witzelt mit Jens Spahn über SPD, Impfpflicht und Kanzler-Kandidatur

Im Publikum saßen rund 200 Leute. © Victoria Garwer

Dann setzt er erneut an, kommt aber wieder nicht weit. „Schwarz-Gelb war ja auch nicht langweilig. Nur weil Sie nicht dabei waren...“, witzelt Oliver Welke. Die Lacher hat er wieder auf seiner Seite und Jens Spahn weiß nicht mehr, was er eigentlich sagen wollte.

Oliver Welke hat im Lokaljournalismus angefangen

Oliver Welke ist in Ostwestfalen aufgewachsen und hat dort auch seine ersten Erfahrungen in den Medien gesammelt. Im Lokalradio hat er Geburtstagswünsche und Eierpreise vorgelesen, in der Lokalzeitung das Sommerloch mit Geschichten über Kaninchenzüchter gefüllt. Seiner Meinung nach das Wichtigste im Lokaljournalismus: „Bloß nicht den Namen falsch schreiben!“

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Wieso er aber eigentlich bei den Medien gelandet ist, kann er nicht mehr so genau erklären. „Jeder der sagt, er wusste schon mit 14, was er machen möchte, der lügt“, meint der 53-Jährige. Und in Richtung Jens Spahn: „Sie sind doch bestimmt auch im falschen Moment ans Telefon gegangen. Oder haben bei Ihnen Leute im Trenchcoat geklingelt und gesagt: Wir würden gerne mit Ihnen über die CDU reden?“

„Aber vorher habe ich alle Parteiprogramme gelesen“, erwidert Jens Spahn. Welke stutzt: „Wirklich?“ „Natürlich nicht“, so Spahn lachend. „Aber das ist doch die typische Story.“

Satire-Sendung über politische Themen

Heute ist der Ottensteiner Jens Spahn als Gesundheitsminister Teil der Bundesregierung, Oliver Welke ist Sportmoderator, Journalist, Schauspieler, Synchronsprecher und Komiker. Seit zehn Jahren moderiert er die Satire-Sendung „heute-show“. Darin nähert er sich humoristisch politischen Themen, macht sich über Politiker, die Große Koalition oder Debatten im Bundestag lustig.

Oliver Welke witzelt mit Jens Spahn über SPD, Impfpflicht und Kanzler-Kandidatur

Jens Spahn moderierte den Abend mit Oliver Welke. © Victoria Garwer

Am Freitag (22. November) zum Beispiel wird der Parteitag der Grünen Thema sein, verrät Welke. „Über diese unheimliche Harmonie kann man sich einfach gut lustig machen.“ Die SPD hingegen spielt in letzter Zeit keine große Rolle mehr in der Satire-Show. „SPD-Witze sind zu einfach, das ist keine Herausforderung“, so Welke.

Jens Spahn wäre gerne Thema in der Satire-Sendung gewesen

Auch Jens Spahn war schon Gast in der Sendung, wurde mehrmals interviewt – und ist offenbar auch nicht böse drum. „Ich war am Freitag ganz traurig. Ich wollte, dass meine Masern-Impfpflicht vorkommt. Das wäre doch ein Thema, das gut gepasst hätte“, beschwert sich der Gesundheitsminister bei Oliver Welke. Der Bundestag hat am Donnerstag die Impfpflicht beschlossen.

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Welke kontert: „Wir haben uns schon mehrmals mit dem Thema beschäftigt und waren erschreckenderweise Ihrer Meinung. Keine Ahnung wie das passieren konnte.“ Sich mit Impfgegnern anzulegen sei sowieso immer gut für einen Shitstorm.

Ernste Worte über die AFD

Neben all den Spitzen, Sprüchen und Witzen geht es zwischendurch aber auch ernst zu. Zum Beispiel, als Oliver Welke über die AfD spricht: „Wenn sich eine Partei als Fundamentalopposition definiert, dann ist es klar, dass sie sich nach rechts orientieren muss. Und ich glaube, das ist noch nicht abgeschlossen.“

Oliver Welke witzelt mit Jens Spahn über SPD, Impfpflicht und Kanzler-Kandidatur

Oliver Welke sprach auch ernste Themen an. © Victoria Garwer

Er ist der Meinung, dass man die AfD inhaltlich stellen muss: „Ich habe mir angeschaut, was sie in Sachen Familien und Kultur wollen, und wenn sie endlich mal ein Rentenkonzept haben, schaue ich mir auch das an.“ Dafür erntet er zustimmenden Applaus.

Modelerfahrungen, Western-Plakate und Fan-Liebe

Dann geht das Gespräch wieder hin zu leichteren Themen. Welke spricht über seine Modelerfahrungen als Vierjähriger für ein Wurst-Produkt, über Western-Plakate über seinem Bett, über seine Fan-Liebe zum BVB und über die fünf Wochen als Sport-Reporter in Rio mit Oliver Kahn.

Jens Spahn lässt sich von der lockeren Art anstecken, spricht flapsiger und frecher als man es von dem Politiker gewohnt ist. Als Oliver Welke nach eineinhalb Stunden allerdings doch wieder in die Rolle des Journalisten schlüpft, wird auch Jens Spahn wieder zurückhaltender.

„Wer wird denn nun CDU-Kanzlerkandidat?“, will Welke wissen. Jens Spahn grinst nur stumm und beendet die Schlossrunde.

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