Ottensteinerinnen mit dem Rückholflieger aus Bolivien in Frankfurt gelandet

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Unsere Reporterin, ihre Mutter und ihre Schwester haben es mit rund 400 anderen Reisenden aus Bolivien geschafft. Doch das Bangen um einen Platz im Rückholflieger hielt bis zum Ende an.

Ahaus

, 29.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sechs Uhr am Samstagabend: Das Boarding beginnt – endlich! Nach zehn Stunden im Reisebus, einer Nacht auf dem kalten und harten Flughafenboden, in der ich kaum schlafen konnte, und einem Tag Warten, hungrig und durstig, ist das Boarding ein absoluter Segen. Denn auch am Samstag ist lange nicht klar, ob wir es in den Rückholflieger schaffen.

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Am Morgen trudeln nach und nach immer mehr Reisende und ein paar Mitarbeiter der deutschen Botschaft in ihren orangenen Westen am Flughafen in Santa Cruz ein. Sie alle sind mit dem Zubringerflug aus La Paz angekommen. Mein Plan war es eigentlich, als Erste am Check-In Schalter zu stehen, damit wir auch ja einen Platz im Flieger bekommen. Aber daraus wird nichts.

Andere dürfen zuerst einchecken

Als erstes dürfen die Passagiere aus La Paz einchecken und am frühen Nachmittag die Personen, die mit dem Zubringerflug aus Cochabamba anreisen. Wir – die Gruppe, die mit dem Bus aus Cochabamba gekommen ist – müssen warten, obwohl zwischendurch genug Zeit wäre, auch uns einzuchecken. Zusammen mit anderen Reisenden versuchen wir uns die Zeit mit Kartenspielen zu vertreiben.

Außerdem müssen wir ein Registrierungsformular abstempeln lassen. Damit erklären wir uns auch dazu bereit, ungefähr die Kosten eines One-Way Economy-Flugtickets zu bezahlen, nachdem wir wieder in Deutschland sind. Wie es die deutsche Bürokratie so will, muss dieses zweiseitige Formular, entweder beidseitig bedruckt und ausgefüllt, oder zusammengetackert sein – ansonsten gibt es keinen Stempel. Zum Glück hat ein anderer Reisender einen Tacker und leiht ihn mir.

Mehrere hunderte Menschen wollen mit

Die Mitarbeiter der Botschaft versichern uns derweil, dass die Busgruppe aus Cochabamba auf jeden Fall in den Flieger kommt. Doch so ganz können wir das noch nicht glauben: Hunderte von Menschen aus den Zubringerflügen sind bereits eingecheckt und mehrere Hunderte warten noch am Flughafen.

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Dann dürfen wir uns endlich für den Check-in anstellen. Die Mitarbeiter der Botschaft halten ihr Versprechen. Erst ist die Reisebusgruppe aus Cochabamba dran, dann Personen über 60, Schwangere, und Kranke, und als letztes Personen, die in Santa Cruz waren und somit keine lange Anreise hatten.

Flieger hebt eher ab als erwartet

Nach dem Check-in gibt es eine Flasche Wasser und ein Sandwich für jeden, das ich nur noch hinunterschlingen kann nach 24 Stunden ohne Essen. Schließlich haben alle Geschäfte am Flughafen geschlossen. Wir gehen durch den Sicherheitscheck und lassen unsere Pässe mehrmals von Flughafenmitarbeitern im Schutzanzug kontrollieren.

Anders als in den Mails angekündigt, hebt der Flieger der spanischen Fluggesellschaft Wamos Air nicht erst um 23 Uhr ab, sondern schon 19:30 Uhr. Nach 13 Stunden Flug landen wir mit mehr als 400 anderen Personen in Frankfurt.

Kurz darauf erfahre ich in einer Mail, dass es tatsächlich lange nicht alle in den Flieger geschafft haben, sodass es in den nächsten Tagen noch einen zweiten und letzten Rückholflug aus Bolivien geben soll.

Keine Quarantäne

Das Aussteigen aus dem Flieger dauert ewig, weil immer nur zwanzig Personen in den Bus dürfen, der uns zum Flughafengebäude fährt. Ziemlich ironisch, nachdem wir so lange auf engstem Raum im Flieger saßen. Von Quarantäne nach der Ankunft sagt niemand etwas.

Ich bin müde und fühle mich ekelig nach zwei Tagen ohne Dusche und in den gleichen Klamotten. Umso glücklicher falle ich meinem Papa in die Arme, der uns aus Frankfurt abholt. Wir sind sehr dankbar, wieder in Deutschland zu sein. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass unser Land alles daran setzt, seine Leute auf der ganzen Welt wieder zurückzuholen.

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