Rechtsschutzversicherung machte Ärger: Ahauser Anwalt vom Vorwurf der Untreue freigesprochen

hzAmtsgericht Ahaus

Ein Ahauser Anwalt sollte für einen Fall doppelt Geld kassiert haben – erst von seinem Mandanten, dann von dessen Versicherung. Am Ende plädierte sogar die Staatsanwaltschaft auf Freispruch.

Ahaus

, 09.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere tausend Euro sollte ein Ahauser Anwalt veruntreut haben – so lautete zumindest die Anklage der Staatsanwaltschaft. Schnell wurde aus dem Vorwurf der Untreue ein Betrugsvorwurf. Doch am Ende waren sich alle Beteiligten im Ahauser Amtsgericht einig, dass ein Freispruch die einzige richtig Lösung war.

„Nicht aus Mangel an Beweisen“ spreche er ihn frei, sagte der Richter zum Angeklagten, „sondern weil sie sich nicht strafbar gemacht haben“. Im Juli 2016 hatte der angeklagte Anwalt von einem seiner Mandanten einen Vorschuss über 4000 Euro erhalten. Nötig wurde dies nur, weil die Rechtsschutzversicherung des Mannes seine Anwaltskosten noch nicht übernommen hatte.

Rechtsschutzversicherung zahlte nur einen Bruchteil

Die Rechnung hatte der Anwalt am 1. Juni 2016 ausgestellt, das Geld seines Mandanten erhielt er am 8. Juli. Nur einen Tag zuvor überwies die Versicherung des Mannes einen Teil des Betrages auf das Konto des Anwalts. Dass er dann nicht die 4000 Euro seinem Mandanten zurückgezahlt hatte, wurde dem Angeklagten zur Last gelegt.

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Doch was die Staatsanwaltschaft nicht wusste und der Angeklagte am Montagvormittag im Amtsgericht beweisen konnte, war die Tatsache, dass die Rechnung des Anwalts nicht 4000 Euro, sondern 7000 Euro betrug. „Normalerweise schicke ich der Versicherung meine Rechnung, bekomme das Geld und alles ist gut“, erklärte der Angeklagte. Doch diesmal lief es nicht so reibungslos.

Von der Rechtsschutzversicherung seines Mandanten hatte er nur etwa 2900 Euro erhalten. „Die Versicherung agierte in ihrem eigenen Interesse“, stellte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer fest, in dem er für einen Freispruch des Angeklagten plädierte.

Mandant war „gut unterrichtet über die Umstände“

Dass die Rechtsschutzversicherung deutlich weniger gezahlt hatte als urprünglich vom Angekagten berechnet wurde, „muss der Anwalt nicht einfach akzeptieren“, sagte der Staatsanwalt. „So lange der Streit mit der Versicherung nicht geklärt ist, muss nicht gezahlt werden.“ Denn sonst schade der Angeklagte sich selber.

Dass keine Straftat vorlag, machte der Staatsanwalt ebenfalls am Ende noch mal deutlich: „Der Betrug braucht eine Täuschung. Untreue oder einen Betrug kann man hier nicht feststellen.“ Auch der Richter sah das so. „Sie haben ihren Mandanten immer auf dem Laufenden gehalten“, sagte er zum Angeklagten.

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Der Vorschuss über 4000 Euro sei freiwillig gewesen. „Er war gut unterrichtet über die Umstände, er ist nicht getäuscht worden“, erklärte er und begründete damit den Freispruch des Ahausers, der sich nach seinem Freispruch „sehr froh und erleichtert“ zeigte.

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