Gerade erst hatte er eine Langzeittherapie abgeschlossen, da wurde ein Ahauser rückfällig. Ein gutes halbes Jahr konsumierte er wieder, für den Drogenerwerb erhielt er einen Strafbefehl. Gegen die Höhe der Geldstrafe legte der 43-Jährige Einspruch ein. © picture alliance / Oliver Berg/dpa
Amtsgericht

Richter erkennt Willen eines Ahausers: „Sehen Sie zu, dass Sie clean bleiben“

Direkt nach einer Drogentherapie wurde ein Ahauser rückfällig. Für den 56-fachen Drogenerwerb war ihm darauf ein Strafbefehl zugegangen. Die Geldstrafe sei zu hoch, er legte Einspruch ein.

Letztlich hielt es der Richter einem 43-jährigen Ahauser zugute, dass sich dieser „auf einem guten Weg“ befinde. Und so reduzierte er die Höhe des Tagessatzes aus einem Strafbefehl und kam dem Angeklagten mit einer den finanziellen Umständen angemessenen Ratenzahlung entgegen. Verantworten musste sich der Ahauser vor dem Amtsgericht wegen des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln in 56 Fällen.

Darüber war ihm Ende Januar 2021 ein Strafbefehl zugestellt worden: Festgesetzt worden war eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 20 Euro. Doch die Höhe hielt der Angeklagte für nicht angemessen und legte Einspruch ein.

Die dem Angeklagten zur Last gelegten Taten fielen in eine Phase, in der es dem Ahauser „deutlich schlechter gegangen“ sei als aktuell. Nach Abschluss einer Langzeittherapie im Januar 2019 seien ihm familiäre Probleme über den Kopf gewachsen. Die Folge: Er wurde schnell rückfällig und erwarb in den folgenden 28 Wochen jeweils zweimal die Woche zwei Gramm Marihuana für 10 Euro das Gramm von einem Bekannten. Dass er sich in 56 Fällen verantworten müsse, könne insgesamt „passen“. Die Taten bestreite er auch überhaupt nicht, so der Angeklagte.

Angeklagter befindet sich in geordneten Verhältnissen

Was er denn dann mit dem Einspruch bewirken wolle, fragte ihn der Richter. Daraufhin betonte der Verteidiger, dass sich sein Mandant gefestigt zeige. Er habe nun einen Job gefunden. Und: „Er hat gemerkt, dass er was tun muss.“ Deshalb habe er sich an die Diakonie gewandt, Beratungsgespräche könne er belegen, so der Verteidiger. Zudem lebe der 43-Jährige nun wieder in einer gefestigten Beziehung. Letztlich solle die Geldstrafe noch einmal überdacht werden: „Die tut schon weh.“

Dass das Strafmaß absolut angemessen sei, das erklärte der Richter umgehend: „Es ist noch eine Bewährungsstrafe offen, in ähnlichen Fällen gab es schon deutlich mehr als 50 Tagessätze.“ Um die Höhe des Tagessatzes zu prüfen, fragte er die aktuellen finanziellen Verhältnisse des Angeklagten ab. Daraus folgernd unterbreitete er den Vorschlag, die Höhe des Tagessatzes auf 15 Euro zu reduzieren und eine monatliche Ratenzahlung von 50 Euro anzubieten.

Höhe des Tagessatzes wird finanziellen Umständen angepasst

In ihrem Plädoyer legte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten das Geständnis und die begonnene Therapie als positiv aus, nichtsdestotrotz sei dieser auch einschlägig vorbestraft. Letztlich seien sowohl das Strafmaß von 50 Tagessätzen als auch die Reduzierung der Höhe des Tagessatzes auf 15 Euro angemessen. Mit Bezug auf den Strafbefehl vom 29. Januar 2021 setzte der Richter als Geldstrafe für den unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln in 56 Fällen 50 Tagessätze a 15 Euro fest, zu zahlen in monatlichen Raten von 50 Euro.

Mit dieser Beschränkung auf die Höhe des Tagessatzes und der Rate zog der Angeklagte seinen Einspruch im Übrigen zurück. „Sehen Sie zu, dass Sie clean bleiben“, gab der Richter dem Ahauser mit auf den Weg.

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