Schlägerei auf Karpaten: Kindischer Jux endete mit Kieferbruch

hzAmtsgericht

Bei einem Streit an der Karpaten-Fotobox erlitt ein 20-Jähriger schwere Gesichtsverletzungen. Zwei Tage Krankenhaus waren die Folge. Der Angeklagte spricht von Nothilfe.

Ahaus

, 21.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Platzwunde, eine Gehirnerschütterung, eine Jochbein- und Jochbogenfraktur und ein gebrochener Oberkiefer sind das Resultat einer Auseinandersetzung auf dem letztjährigen Ahauser Musikzeltfestival Karpaten. Der Leidtragende ist ein 22-Jähriger aus Gronau. Beim Angeklagten handelt es sich um 20-Jährigen aus Haaksbergen. Seine Eltern begleiteten ihn zum Prozess im Ahauser Amtsgericht.

Auseinandersetzung an der Fotobox

Der junge Mann aus den Niederlanden wird beschuldigt, dem Gronauer die Gesichtsverletzungen vorsätzlich mit einem Schlag zugefügt zu haben. Ursprünglich habe es sich nur um einen Jux gehandelt, den sich der Niederländer und seine Begleiter an einer Fotobox erlauben wollten, indem sie andere am Fotografieren hinderten, wie der 20-Jährige gegenüber dem Richter erklärte.

Jetzt lesen

Hiervon fühlte sich der 22-jährige Gronauer, der mit seiner Freundin ein Foto machen wollte, laut eigener Aussage derart gestört, dass er einen der Begleiter des Niederländers beiseite drängte.

Aus Sicht des Angeklagten, wurde sein Begleiter geschubst. Und da er befürchtete, dass der Geschädigte diesem nachsetzt, habe er zugeschlagen. Gegenüber der Polizei äußerte der Niederländer damals, er habe mit der flachen Hand zugeschlagen.

Jetzt lesen

Daher habe es sich folglich um eine Nothilfesituation gehandelt, wie der Verteidiger argumentierte, worauf der Richter äußerte: „Von einem leichten Schlag bricht nicht das halbe Gesicht, da sind wir uns doch einig?“

Zwei Tage stationäre Behandlung

An den Schlag selbst kann sich der Geschädigte nicht erinnern, erst als die Sanitäter bereits bei ihm waren, sei er wieder zu sich gekommen. Zwei Tage musste er danach stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Eine Platte wurde eingesetzt und mittlerweile wieder entfernt. Noch heute hängt ein Auge, das Augenlid ist taub und eine Narbe im Gesicht zurückgeblieben, wie der Geschädigte dem Richter erzählte. Seine Freundin habe einen verstauchten Knöchel davongetragen.

Die vorgeladenen Zeugen gaben wenig Aufschluss über den Tathergang, weshalb Verwunderung darüber herrschte, dass die direkt Beteiligten wie der geschubste Begleiter oder die Freundin des Geschädigten nicht zum Prozess vorgeladen wurden. Die Personalien der Freundin waren dem Gericht nicht einmal bekannt.

Jetzt lesen

Während der Verteidiger versuchte, für den Niederländer einen Freispruch zu erwirken, sah der Staatsanwalt den Fall ganz anders: „Die Verletzungen bedürfen ein Urteil.“ Der Richter äußerte sich ähnlich: „Ich möchte das gerne aufklären.“

Die Fortsetzung des Prozesses wurde auf den 8. Juni datiert – diesmal mit weiteren Zeugen.

Lesen Sie jetzt