Julia Lünenborg (l.) und Franziska Hemker beraten für den Verein Donum Vitae bei Schwangerschaftskonflikten. Sie informieren und beraten aber auch zu vielen anderen Themen rund um Sexualität und Geburt. © privat
Donum Vitae

Schwangerschaft: Donum Vitae begleitet Frauen bei schweren Entscheidungen

150 Jahre alt wird der Paragraf 218 in diesem Jahr. Die in ihm festgelegte Beratungspflicht vor einem Schwangerschaftsabbruch ist eine Grundlage der Arbeit der Beraterinnen von Donum Vitae.

Seit 1871 regeln der Paragraf 218 und Folgende das Abtreibungsverbot und dessen Ausnahmen. Die Diskussionen um diesen Abschnitt des Strafgesetzbuchs halten bis heute an, das Gesetz und seine Auslegung wandeln sich. Hierbei geht es vor allem um die Rechte und die Autonomie der Schwangeren und die Rechte des ungeborenen Kindes.

„Manche sagen, das ist eine Frechheit“, dass über ihren Körper bestimmt werde, sagt Julia Lünenborg. Für den Verein Donum Vitae begleitet sie in ihrer alltäglichen Beratungsarbeit Schwangere, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen.

Solche Beratungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Die schriftliche Bestätigung eines solchen Gesprächs mindestens drei Tage vor dem Eingriff ist Voraussetzung für einen straflosen Abbruch innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen.

Die Beratung ist anonym und religionsunabhängig

Julia Lünenborg selbst und auch der Verein empfinden diese anonyme, psychosoziale Beratung als sehr wichtig. Sie wissen, wie viele Fragen im Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch entstehen und wie viel Druck Schwangere teilweise erleiden, ob vom Partner oder der Familie. Obwohl Donum Vitae von katholischen Christen gegründet wurde, ist die Beratung konfessions- und religionsunabhängig.

Die meisten Frauen, die bei Donum Vitae beraten werden, sind zwischen 28 und 32 Jahre alt. Die Konflikte in der Beratung reichen von den Zukunftssorgen einer 13-jährigen Schwangeren, über die 48-Jährige, die eine Fehlgeburt fürchtet, bis zur Prostituierten, die schwanger nicht mehr arbeiten kann.

„Anwaltschaft für Frau und Kind“

„Es ist gut, dass der Paragraf 218 auch Druck erzeugt, sodass neutrale, ergebnisoffene Beratung möglich ist“, erklärt die Sozialarbeiterin und ergänzt: „Es ist wichtig, alle Optionen dargestellt zu bekommen.“

Außerdem würden so Frauen in Notsituationen besser erreicht. Julia Lünenborg und ihre drei Kolleginnen in Ahaus und Bocholt übernehmen dabei eine doppelte Anwaltschaft für die Frau und das Kind.

Beratung in vielen Lebensbereichen

Sie begleiten aber nicht nur die Entscheidungsfindung im konkreten Konflikt, sondern erschließen mit ihren Gesprächspartnerinnen auch rechtliche, finanzielle, lebensplanerische und sexuelle Themen und Lösungsmöglichkeiten. Solche Gespräche dauern zwischen 45 und 90 Minuten. Auch Verhütung ist am Ende ein Thema, denn, so Lünenborg: „Viele wissen wenig über ihren Körper Bescheid.“

Teils ist Julia Lünenborg froh, dass auch die Partner mit ins Boot kommen. Manche Männer signalisierten dabei ihren Frauen: „Das ist dein Körper.“ Allgemein ist das Umfeld wichtig und auch Thema der Gespräche, denen manchmal weitere folgen.

Es geht bis zur konkreten Organisation: Hilfe bei der Arztsuche für den Abbruch, Suche nach Dolmetschern, rechtliche Hilfe bei Vergewaltigung und häuslicher Gewalt, Kontakt zu Frauenhäusern. Auch junge Mütter oder Frauen nach dem Abbruch begleiten die Beraterinnen.

Bei den Gesprächen wird auch Positives angesprochen

Bei all dem dominiert nicht nur Schweres, auch das Positive wird besprochen.„Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich manchmal eine andere“, beschreibt Julia Lünenborg die Situation, wenn die Weichen gestellt sind.

Neben der Schwangerschaftskonfliktberatung gehen die Beraterinnen in Schulen, die Erwachsenenbildung und auch in Deutschkurse für Flüchtlinge, um über Sexualität, sexuelle Vielfalt, Verhütung, Beschneidung von Frauen und Weiteres teils spielerisch aufzuklären. Sie beraten Paare mit Kinderwunsch und zur pränatalen Diagnostik.

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