Sechs Straftaten in 17 Tagen: „Habe den Boden unter den Füßen verloren"

Amtsgericht

Infolge der Trennung von seiner Frau ist die schwierige Lage eines Ahausers binnen kurzer Zeit eskaliert. Richter wie Staatsanwalt bauten dem 40-Jährigen eine Brücke für einen Neustart.

Ahaus

, 21.11.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf einen 40-jährigen Ahauser prasselten im Frühjahr einige Rückschläge ein. Im kurzfristig erlittenen Kontrollverlust beging er ein halbes Dutzend Straftaten. Dieser rechtfertige laut Gericht natürlich keine Straftaten, dem Angeklagten wurde dennoch die Chance für einen Neustart gegeben.

Auf einen 40-jährigen Ahauser prasselten im Frühjahr einige Rückschläge ein. Im kurzfristig erlittenen Kontrollverlust beging er ein halbes Dutzend Straftaten. Dieser rechtfertige laut Gericht natürlich keine Straftaten, dem Angeklagten wurde dennoch die Chance für einen Neustart gegeben. © picture alliance / dpa

Die einsetzende Coronakrise, Depressionen, Alkoholprobleme, die Trennung von seiner Frau sowie kein Kontakt zur Tochter: Für ihn sei seit Mai „eine Welt zusammengebrochen“, erklärte ein 40-Jähriger vor dem Amtsgericht. Und dass die gleich sechs Straftaten, für die sich der Ahauser verantworten musste, im Wesentlichen einem dadurch begründeten „kurzfristigen Kontrollverlust“ zuzuordnen seien, dass erkannte auch der Staatsanwalt in seinem Plädoyer an – auch wenn dies „selbstverständlich keine Straftaten rechtfertige“.

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Der Richter folgte letztlich dem Antrag auf Verurteilung zu einer Geldstrafe und Entzug der Fahrerlaubnis für noch weitere sieben Monate; die „Brücke“, die laut Verteidigung angesichts der schwierigen Lage für den Angeklagten hilfreich wäre, wurde diesem gebaut.

Angeklagter verliert die Kontrolle

Die sechs Amklagepunkte waren an drei Tagen im Frühsommer dieses Jahres aufgelaufen. Am 26. Mai beleidigte der Ahauser einen Mitbürger in ehrverletzender Art – ebenso einen Zeugen, der vermitteln wollte. Letzteren bespuckte der 40-Jährige im Anschluss noch. Am 10. Juni führte der Ahauser dann einen PKW unter Einfluss von Rauschmitteln, verursachte bei einem Fahrmanöver einen Unfall. Er entfernte sich dabei unerlaubt vom Unfallort. Später folgte ein weiterer Unfall mit Fremdschaden, der Führerschein wurde ihm durch die Polizei entzogen. Tags darauf wurde er dennoch ein Motorrad führend erneut von einer Polizeistreife gestellt. Zudem gab es weitere Beleidigungen bei einem Besuch eines Versicherungsbüros.

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Sämtliche Vergehen gab der Angeklagte per Einlassung durch seinen Verteidiger zu. Durch die Trennung von seiner Frau habe er „den Boden unter den Füßen verloren“, so sei alles binnen kurzer Zeit „eskaliert“. Der Verteidiger merkte zudem an, dass sein Mandant „finanziell am Stock“ gehe: „Wir sollten heute einen Schlussstrich ziehen, damit mein Mandant die Talsohle endlich durchschritten hat.“ Nach langem Warten habe er nun in der kommenden Woche ein Therapiegespräch wegen seiner Suchtproblematik mit Aussicht auf einen Therapieplatz, sagte der Ahauser.

Richter hofft auf einmaligen Ausrutscher

Dies alles ließ der Staatsanwalt in sein Plädoyer einfließen: „Ihr Geständnis ist umfassend und glaubhaft, sie haben keine Vorstrafen, auch danach ist nichts mehr vorgefallen.“ Straferschwerend kämen allerdings die Beleidigungen mit fremdenfeindlichen Worten oder auch das Spucken hinzu, was in Corona-Zeiten natürlich unverzeihlich sei.

Wegen Beleidigung in zwei Fällen, einer tätlichen Beleidigung, Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubten Entfernens vom Unfallort und Fahrens ohne Fahrerlaubnis setzte der Staatsanwalt letztlich eine Gesamtstrafe von 80 Tagessätzen zu 40 Euro und insgesamt zwölf Monate Führerscheinentzug an – fünf davon sind bereits abgegolten.

Diesem Antrag einschließlich Begründung folgte der Richter vollumfänglich. „Ich hoffe, dass es ein einmaliger Ausrutscher gewesen ist.“ Mit diesen Worten entließ der Richter den Angeklagten.

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