So versuchen die Schulen in Ahaus, die Kosten für den Abiball in Grenzen zu halten

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Wie teuer darf ein Abiball sein? Die Schulen sehen die Entwicklung hin zu pompösen Abschlussfeiern durchaus kritisch. Sie versuchen, auf die Schüler einzuwirken.

Ahaus

, 02.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Zwei Kleider müssen es schon sein für den Abiball, ein Friseur-Termin und Maniküre gehören ebenso dazu wie ein aufwendiges Büffet. Abschlussfeiern werden immer pompöser, so der Eindruck. Aber ist das auch in Ahaus so? „Ich fand es bei uns bislang immer schick, aber durchaus angemessen“, sagt Niels Hakenes, Schulleiter der Canisiusschule. Auch Rainer Konniger, Oberstufenkoordinator am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung (BWV), nennt den Abiball „westfälisch bodenständig“.

Kosten im guten fünfstelligen Bereich

Konkrete Zahlen, wie viel die Abschlussfeiern an ihren Schulen kosten, können die beiden Männer nicht nennen. Dafür sind allein die Schüler zuständig und die waren für die Redaktion in den letzten Tagen nicht erreichbar. Prüfungsstress. Niels Hakenes weiß aber aus seiner Zeit als Stufenleiter, dass es da durchaus um Summen im guten fünfstelligen Bereich geht.

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Hier zur Einschätzung eine Zahl aus Dortmund: „Unsere Abifeier mit 120 Schülern wird 2020 knapp 40.000 Euro kosten. Die Stufe nach uns plant schon mit 10.000 Euro mehr“, erzählt Tilda Isimbi. Die 16-Jährige besucht das Leibniz-Gymnasium Dortmund und ist im Vorstand der Landesschülervertretung.

Schulen wirken auf die Abiturienten ein

Dass der Abiball etwas besonderes sein soll, kann Niels Hakenes durchaus nachvollziehen. „Ich finde es gut, dass es nicht einfach eine Party ist, sondern ein richtiger festlicher Ball. Der Abend wird also zum Beispiel mit einem Tanz eröffnet.“ Einen professionellen Moderator, Zauberer, Artisten, teure Live-Bands oder Stargäste gibt es aber weder an der Canisiusschule noch am BWV.

Rainer Konniger sagt: „Wir bitten die Schüler schon, das Ganze eigenständig in überschaubaren Grenzen zu halten. Als Berufskolleg für Wirtschaft legen wir ihnen natürlich auch nah, dass sie Kosten und Leistung in ein vernünftiges Verhältnis bringen sollten.“ Die Kosten für die offizielle Veranstaltung am Morgen mit Zeugnisübergabe zum Beispiel hält die Schule ganz bewusst niedrig. Bei den Vertragsabschlüssen unterstützen die Lehrer das Abiball-Kommitee.

Facebook-Nutzer finden pompöse Abibälle übertrieben

Bei anderen Dingen aber kann die Schule nicht eingreifen. Zum Beispiel bei der Kleidungswahl. Zwei Kleider sind mittlerweile Standard. Das zeigen auch Facebook-Posts nach einer Anfrage unserer Zeitung. „Es wird mittlerweile übertrieben: ein Kleid für morgens, eins für abends. Und dann alles so, dass man es zu keinem anderen Anlass mehr tragen kann. Friseur und Maniküre gelten auch als selbstverständlich“, schreibt zum Beispiel Susanne Pennekamp.

Viele andere finden das Ganze ebenfalls übertrieben. „Manche Mädels sehen schon so aus, als würden sie heiraten. Und so toll das Abi auch ist und gefeiert werden sollte: Rückblickend war es nur der erste Meilenstein von vielen“, schreibt Vanessa Lisseck. Andrea Ahler berichtet von ihrer eigenen Erfahrung beim Realschulabschluss vor 30 Jahren: „Bei uns wurde darum nicht so ein Aufstand gemacht.“ Auch von „Gruppenzwang“ ist die Rede.

Nicht nur der Abiball muss bezahlt werden

Das sehen viele problematisch. Schließlich muss nicht nur der eigentliche Abiball bezahlt werden. Hinzu kommen Kosten für den Abi-Scherz am letzten Schultag, das T-Shirt mit dem Abi-Motto, den Druck der Abi-Zeitung, die Abschlussfahrt und so weiter.

Unterm Strich kostet die Abifeier eine Familie mehrere hundert Euro. Geld, das nicht jeder hat. Hilfe vom Staat gibt es für Bedürftige nicht. Im Herbst 2018 wies das Sozialgericht Düsseldorf die Klage von Hartz-4-Empfängern auf Kosten-Übernahme ab. Da stellt sich die Frage: Wie finanzieren die zum Teil nicht mal volljährigen Abiturienten das?

Schüler werden kreativ beim Geldverdienen

Das Konzept dafür ist an vielen Schulen gleich. „Die Schüler überweisen von Beginn der Oberstufe an monatlich kleinere Beträge auf ein Konto, damit am Ende nicht eine große Summe zu zahlen ist“, erklärt Rainer Konniger. Zudem versuchen die Schüler über verschiedene Aktionen, Geld zu verdienen. „Dabei sind sie unterschiedlich kreativ“, sagt Niels Hakenes. Sie organisieren zum Beispiel bei Eltern-Sprechtagen eine Cafeteria, verkaufen Selbstgebasteltes oder Waffeln auf dem Weihnachtsmarkt, bieten ihre Dienste beim Fahrradputzen oder im Garten an oder studieren eine Bühnenshow ein und nehmen Eintritt.

Der Rest muss dann über die Tickets für den Abiball reinkommen. Eltern, Geschwister und Freunde zahlen dafür im Schnitt 20 bis 30 Euro, in Münster gibt es aber auch ein Gymnasium, wo die Karten in diesem 160 Euro kosten. Lehrer werden häufig eingeladen, aber um eine Spende gebeten.

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