Spenden für Möllers: Für Brüder Demir geht es ums „nackte Überleben“

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Seit der Übernahme haben Fetrus und Faulus Demir die Gaststätte Möllers auf Kurs gebracht. Die Corona-Krise erschüttert nun die Existenz. Die Brüder haben einen Spendenaufruf gestartet.

Ahaus

, 02.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist schon ein skurrile Situation an diesem Donnerstagmorgen: Fetrus und Faulus Demir öffnen die Tür zur Gaststätte Möllers, auf der Wallstraße grüßen Autofahrer, ein älterer Herr auf dem Rad hält an und erkundigt sich. Wohl ein Stammgast. Doch die Tür geht wieder zu.

Drinnen sind die Stühle hochgestellt. An einem Ort, der für das Miteinander und für die Geselligkeit steht, herrscht beklemmende Stille. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“ Fetrus Demir, der mit seinem Bruder das Traditionshaus im sechsten Jahr führt, bringt die aktuelle Lage auf den Punkt. In der siebten Woche mit geschlossenen Türen aufgrund der Corona-Krise hat man sich nun mit einer Spendenaktion an die Öffentlichkeit gewandt.

„Richtig gutes Jahr“ war zu erwarten

Eigentlich sei „ein richtig gutes Jahr“ zu erwarten gewesen. „Endlich“, berichtet Faulus Demir, der mit seinem Bruder und großer Rückendeckung in der Familie die Kneipe wieder in Schwung gebracht hatte. Allein drei Schützenfeste, zwei Abibälle, ein Vereinsjubiläum und eine große Silberhochzeit hätte die Familie mit ihrem Team gemanagt. Als dann die behördliche Anordnung kam, die Gaststätten vorerst zu schließen, da verloren zunächst viele Vereine und Verbände, Stammtische und Stammgäste ihren Anlaufpunkt, ihr Vereinslokal.

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„Als noch das Verbot von Großveranstaltungen dazukam, da stand das Telefon in der ersten Wochen nicht mehr still: Nur Absagen und Stornierungen“, erklärt Faulus Demir. „Von 100 auf 0 binnen einer Woche“, drückt Bruder Fetrus das in Worte aus, was der Realität entspricht. Und das gleich doppelt, betreibt das Brüderpaar seit 2018 auch noch die Gaststätte Wesheim in Wessum. Zu den eigenen Veranstaltungen kämen ja auch noch die Absagen von Stadtfesten oder der Kirmes hinzu, die als Umsatzbringer gelten. Ebenso fehlten die Dart-Saison oder die Bundesliga-Übertragungen.

Fixkosten fressen Reserven und Soforthilfe auf

Zunächst dachten die Brüder noch, die ersten zwei, drei Wochen ließen sich überbrücken – unter anderem durch vorgezogenen Betriebsurlaub. Doch mit jeder Woche mehr wurden die Reserven kleiner. „Um zu renovieren, ist uns das Risiko zu groß. Wer weiß, wofür wir die Rücklagen noch einsetzen müssen. Unser ganzes Team sitzt zuhause, muss sich teils nach Alternativen umschauen“, so Faulus Demir. Die Soforthilfe vom Staat sei unbürokratisch geflossen. Aber: „Da wir zusammen in Ahaus und Wessum als ein Betrieb gelten, haben wir die Hilfe nur einmal bekommen. Die Fixkosten laufen natürlich doppelt weiter“, so Faulus Demir.

Die Jahresplanung ist komplett über Bord geworfen, für die Pächter der Gaststätte Möllers an der Wallstraße in Ahaus geht es aktuell ums „nackte Überleben". Umso mehr freuen sie sich aktuell über den großen Zuspruch vieler Gäste, so Fetrus und Faulus Demir.

Die Jahresplanung ist komplett über Bord geworfen, für die Pächter der Gaststätte Möllers an der Wallstraße in Ahaus geht es aktuell ums „nackte Überleben". Umso mehr freuen sie sich aktuell über den großen Zuspruch vieler Gäste, so Fetrus und Faulus Demir. © Michael Schley

Und so reifte der Gedanke, dass man offensiv mit der schwierigen Lage umgehen müsse. Über die Spendenplattform Betterplace.org wurde am Mittwoch ein Aufruf gestartet, um Spenden zu genieren. Am Donnerstagmittag standen mit rund 1600 Euro bereits über 16 Prozent der zunächst avisierten 10.000 Euro zu Buche.

Den Zuspruch, den man seit Schließung täglich von den vielen Stammgästen erfahre, spiegelt auch die Spendenaktion wider. Spender Hendrik meint: „Gemeinsam packen wir das!“ „Wo soll ich denn sonst demnächst mitten in der Nacht hin? Es muss einfach weitergehen?“, fragt sich André. Und Daniel spricht Mut zu: „Haltet durch. Wenn das hier vorbei ist, dann brauchen wir euch dringender denn je!“ „Diese Wertschätzung macht uns stolz, sie rührt uns. Sie zeigt auch das, was eine Kneipe ausmacht, viele Gäste sind mittlerweile zu echten Freunden geworden“, erklärt Faulus Demir. „Unser ältester Stammgast ist Mitte 80“, ergänzt Bruder Fetrus.

Viel Zuspruch und Wertschätzung

Wie es nun – auch mit Unterstützung durch die Spendenaktion – weitergehen wird, das wissen auch die beiden Brüder nicht. „Wir müssen weiter auf Antworten der Politik warten“, so Faulus Demir. Und selbst wenn es Lockerungen zur Öffnung von Gastronomiebetrieben geben werde, so helfe das vorerst nur begrenzt weiter. „Wir haben uns vor ein paar Jahren ganz bewusst auch darauf ausgerichtet, größere Veranstaltungen zu organisieren. Wir sind davon und vor allem vom Saalbetrieb abhängig – und da wird in diesem Jahr nichts mehr passieren“, befürchtet Fetrus Demir.

Auch nach dem 31. August werde sich so kaum halbwegs eine Normalität einstellen. Fetrus weiter: „Mit dem Thekenbetrieb allein werden wir kaum über die Runden kommen.“ Es wäre aber ein „erster kleiner Lichtblick“. Kurzfristig freuen sie sich, am 1. Mai endlich wieder persönliche Kontakte zu ihren Gästen zu haben – „natürlich mit den erforderlichen Hygiene- und Abstandsregeln“, erklärt Faulus Demir. Mit dem Ordnungsamt hatten sie sich abgestimmt, ein Pils „to go“ am Maifeiertag ausschenken zu dürfen.

„Wir wollen endlich wieder etwas zurückgeben"

Bei aller Dramatik in der aktuellen Situation behalten die beiden Brüder dennoch das Gute im Auge: „Unseren Familien geht es doch gut, alle sind gesund.“ Gerne würde man seinen Gästen bald wieder etwas zurückgeben für die Unterstützung und Treue aktuell. „Arbeit und Stress lernt man doch erst zu schätzen, wenn man beides nicht mehr hat. Wir werden ja nicht gezwungen, eine Gaststätte zu führen. Wir machen es aber viel zu gerne, es macht einfach Spaß“, so Fetrus Demir.

„Für uns ist Möllers genauso eine zweite Heimat wie für viele unserer Gäste“, ergänzt Bruder Faulus: „Es ist traurig zu sehen, wie alles, was wir die letzten Jahre aufgebaut haben, Schritt für Schritt den Bach runtergeht.“ Letztlich gehe es „ums nackte Überleben“. Damit der „schlechte Traum“ bald vorübergehe…

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