Spurensuche im Mittelalter

Graes Anfang des zwölften Jahrhunderts verlieren sich die Spuren der adeligen Familie von Graes, die dem Ahauser Ortsteil seinen Namen gegeben hat. Gab es keine Erben mehr? Und wenn doch: Wo sind sie geblieben? Eine lange unbeachtet gebliebene Urkunde bringt Licht in das mittelalterliche Dunkel der Historie.

01.01.2009, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spurensuche im Mittelalter

<p>Vor mehr als 560 Jahren ließen Ortwin und Jutta von Graes diese Urkunde verfassen. Wilming</p>

Die bekannte Geschichte der Bauerschaft Graes beginnt um das Jahr 1100 mit einer Urkunde, in der Bischof Burkhard von Münster den Zehnten des Gerhard von Graes neu festsetzt. Mit Gerhard betritt ein Mitglied des später im westlichen Münsterland und in den Niederlanden begüterten Adelsgeschlechts "von Graes" erstmals die Bühne der Regionalgeschichte. Wahrscheinlich um 1120 geht sein Besitz, der Haupthof Graes oder zumindest der größte Teil davon, an einen Edelherrn mit Namen Eppo; dessen Sohn Meinrich verkauft den Hof im Jahre 1188 an das Kloster Asbeck, das ihn seinerseits an den Schulzen Epping in Erbpacht vergibt. Es stellt sich trotz aller bisherigen Erkenntnisse immer noch die Frage, wo die Nachkommen von Gerhard nach 1120 ihren Wohnsitz genommen haben. Eine bisher unbeachtete Urkunde aus dem Jahre 1448 gibt einen Hinweis.

Rente für Asbeck

In diesem historischen Dokument bestätigen ein gewisser Ortwin von Graes und seine Ehefrau Jutta (die zu dieser Zeit sehr wahrscheinlich auf dem Lehngut Holtwick wohnen), dass sie dem Kloster Asbeck eine jährliche Rente in Höhe von einer Mark vermachen wollen. Diese Rente soll jedes Jahr zu Ostern gezahlt werden aus "unseren freien eigenen Erben und Gütern, genannt de Molle und Rexynck, gelegen im Kirchspiel Wessum in der Bauerschaft Graes." Das Erbe Rexynck ist sicher identisch mit dem heutigen Hof Söbbing-Rexing; und ein in unmittelbarer Nachbarschaft liegendes Flurstück mit dem bezeichnenden Namen Möllenschlatt verweist bis in die Gegenwart auf die genannte Wassermühle.

Die Urkunde belegt, dass Nachkommen der Familie von Graes selbst über 300 Jahre nach dem Übergang ihres Haupthofes an Eppo in Graes noch Eigentum hatten. Ob bei Rexing oder an der Mühle auch einmal ihr Adelssitz gelegen hat, ist nicht sicher; dass diese Möglichkeit aber auch nicht unrealistisch ist, beweist folgende Beobachtung.

Mühle und Gräfte

Der Bau einer Wassermühle und die Anlage eines umgräfteten Adelssitzes geschahen im Mittelalter oft parallel. Man errichtete an einem Fluss oder einem Bach Stauwerke, um die Gräften eines "Festen Hauses" mit Wasser befüllen zu können, und nutzte das gestaute Wasser für den Betrieb einer Mühle. Als Bauer Söbbing-Rexing vor einigen Jahren ein landwirtschaftliches Gebäude errichtete, stieß er bei den Gründungsarbeiten an einigen Stellen auf moorigen Untergrund, der ihn an ein altes Flussbett der Ahauser Aa denken ließ. Möglicherweise ist er damals aber auch auf Teile einer alter Gräftenanlage gestoßen. Das würde die Existenz eines Adelssitzes an dieser Stelle wahrscheinlich machen. ww

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