Stadtverwaltung Ahaus: Mitarbeiter häuften mehr als 16.000 Überstunden an

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16.726 Überstunden standen Ende 2018 bei den 460 Mitarbeitern der Stadtverwaltung Ahaus auf den Arbeitszeitkonten. Theoretisch hätte jeder Bedienstete eine Woche zu Hause bleiben können.

Ahaus

, 20.01.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überstunden gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Davon können auch die Mitarbeiter im Rathaus in Ahaus ein Lied singen.

Mehr als 16.000 Überstunden haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf ihren Arbeitszeitkonten angesammelt. Unsere Anfrage ergab: Ganz genau lag die Zahl zum Stichtag 31. Dezember 2018 bei 16.726 Überstunden.

„Bei einer Mitarbeiterzahl von insgesamt 460 zu diesem Stichtag nahmen die Mitarbeiter der Stadt im Durchschnitt jeweils rund 36 Stunden und 24 Minuten Überstunden mit ins neue Jahr“, heißt es dazu in einer schriftlichen Stellungnahme von Stadtsprecher Stefan Hilbring.

Theoretisch eine Woche Urlaub

Theoretisch hätte jeder Mitarbeiter der Verwaltung mit einer Wochenarbeitszeit von 39 Stunden also im vergangenen Jahr knapp eine Woche zu Hause bleiben und seine Überstunden abfeiern können.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben aber nicht nur Überstunden vom Jahr 2018 mit ins Jahr 2019 geschleppt, sondern auch Resturlaubstage. Hier waren es im Durchschnitt aller Mitarbeiter etwa sieben Tage Resturlaub.

Wie sich die Daten im Jahr 2019 weiter entwickelten, dazu konnte die Pressestelle der Stadt keine Angaben machen. Zahlen für das vergangene Jahr liegen der Stadtverwaltung noch nicht vor.

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Dass die Zahl der Überstunden der Stadtbediensteten auf „Null“ gesenkt werden konnte, davon ist eher nicht auszugehen. Denn: „Zur Sicherung der Flexibilität fallen bei der Stadt Ahaus – wie in allen anderen Unternehmen und Behörden – in jedem Jahr Überstunden und Resturlaubsansprüche an“, erläutert Stefan Hilbring in seiner Stellungnahme.

Krankheiten und Personalabgänge

Gründe könnten unter anderem vorübergehende Mehrarbeit oder plötzliche Stellenvakanzen sein, Letzteres beispielsweise durch Krankheiten oder Personalabgänge. Zudem laufe bei der Feuer- und Rettungswache der Prozess zur Umsetzung der aktualisierten Brandschutzbedarfsplanung. Es gebe dort noch einige freie Stellen, die durch Ausbildung nach und nach besetzt würden.

In welchen Bereichen 2018 überdurchschnittlich viele Überstunden im Rathaus anfielen, das konkretisiert die Stadt in ihrer Antwort nicht näher. „Die Zahlen werden nicht weiter aufgeschlüsselt“, heißt es.

Auch die Antwort auf die Frage, was passieren muss, damit die Überstundenzahl sinkt, fällt sehr allgemein aus: „Das lässt sich pauschal nicht beantworten“, teilt die Stadt mit.

Arbeitsüberlastung?

Fakt ist: Im Jahr 2013 lag die durchschnittliche Überstundenzahl je Mitarbeiter bei 33 Stunden, im Jahr 2015 waren es 29 Stunden, im Jahr 2017 lag sie bei 30 Stunden.

Wir fragten die Stadtverwaltung, ob sich die Mitarbeiter durch Arbeitsverdichtung wie stetig steigende Anforderungen oder vakante Stellen überlastet fühlen.

Die schriftliche Antwort von Stadtsprecher Stefan Hilbring: „Dienststelle und Personalrat haben keine Informationen erhalten, dass Mitarbeiter sich generell durch Arbeitsverdichtung oder steigende Anforderungen überlastet fühlen.“ Aktuelle Mitarbeiterbefragungen hätten dahingehend auch keine Anzeichen ergeben.

Insgesamt 6143 Überstunden wurden den städtischen Mitarbeitern im Jahr 2018 finanziell abgegolten. Die Stadt bildet im Haushaltsplan jeweils Rückstellungen für Überstunden und Resturlaub.

Rücklagen gebildet

2018 belief sich diese Summe auf 1,33 Millionen Euro. Stefan Hilbring: „Die Berechnung der Rückstellungssumme wird jedes Jahr von externen Wirtschaftsprüfern kontrolliert und die Daten in der Jahresabschlussbilanz veröffentlicht.“

Welche Rolle der Krankenstand in Sachen Überstunden spielt, dazu verweist die Stadt auf Daten im aktuellen Haushaltsplan-Entwurf 2020. Demnach sei die Krankenstandsquote bei der Stadt im Vergleich zu den Werten der AOK- oder Barmer-Versicherten seit Jahren „unterdurchschnittlich und unauffällig“.

Für das Jahr 2018 zum Beispiel liegt die Krankenstandsquote der Stadt bei 4,46 Prozent – die Quote der Barmer-Versicherten liegt bei 4,9 Prozent, die Quote bei den AOK-Versicherten liegt bei 5,9 Prozent.

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