Start nach Maß: Schlossbiergarten swingt sich durch das Auftaktwochenende

hzSchlossbiergarten

Ein fantastischer Sommerabend, ein fantastischer Biergarten und eine fantastische Band. Manchmal stellt Corona sogar Weichen zum Guten. Der Samstag im Ahauser Schlossbiergarten ist ein Beispiel.

Ahaus

, 30.08.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ahaus statt Paris. Schlossgräfte statt Seine: Eigentlich sollten die Sazerac Swingers ja in diesem Sommer im ältesten Jazzkeller Europas spielen. Doch anstatt im Le Caveau de la Huchette zu swingen, steht die Combo am Samstag auf der Bühne des Schlossbiergartens. Corona hat die Europatournee komplett ausgebremst und die Band nach Ahaus umgeleitet.

The Sazerac Swingers begeisterten ihr Publikum im Schlossbiergarten mit swingendem New Orleans Jazz.

The Sazerac Swingers begeisterten ihr Publikum im Schlossbiergarten mit swingendem New Orleans Jazz. © Stefan Grothues

Doch als der Mond fast kreisrund über dem Ahauser Schloss erstrahlt, die Dämmerung den Schlossbiergarten in ein mildes Licht taucht und die Bierkrüge beim Anstoßen sanft erklingen, da ist Georg Kirschner mit dem Moment versöhnt. Der Ahauser ist Schlagzeuger der Sazerac Swingers, die sich europaweit mit ihrem frischen New Orleans Jazz einen Namen gemacht haben.

Und weit über 100 Besucher sind an diesem wunderschönen Sommerabend mal nicht traurig über die von Corona erzwungene Fahrplanänderung. Als die Mixtur aus Swing, traditionellem Jazz und Calypso erklingt, prosten sich Edith und Helmut Fritz glücklich mit einem Weinglas zu. Die beiden Jazzliebhaber sind eigens aus Recklinghausen angereist.

Sind wegen den Sazerac Swingers eigens aus Recklinghausen nach Ahaus angereist: Helmut und Edith Fritz.

Sind wegen den Sazerac Swingers eigens aus Recklinghausen nach Ahaus angereist: Helmut und Edith Fritz. © Stefan Grothues

„Wir haben die Sazerac Swingers zum ersten Mal in Frankfurt gehört. Jetzt sind wir Fans“, erzählt Edith Fritz. Sie und ihr Mann sind von der Sommerabend-Atmosphäre im Schlossbiergarten ganz angetan. „Ahaus ist ein schönes gemütliches Städtchen. Wir haben uns nur gewundert, dass die Geschäfte samstags schon so früh schließen.“ Aber die ausgefallene Shoppingtour ist abgehakt, jetzt zählt der Jazz.

Oder einfach die fröhliche Biergartenatmosphäre. Das fröhliche Frauen-Quartett am Nachbartisch ist nicht wegen der Musik hier. Marlen Morrien, Eva-Maria Wittenberg, Annika Brinkhaus und Meike Dewies stoßen auf ihren gemeinsamen Samstagabend an. „Endlich mal wieder ausgehen!“, sagt Eva-Maria Wittenberg. „Wir vermissen die Discoabende im Dorf Münsterland oder im Bülten in Ottenstein total.“

Freuen sich über die gute Resonanz: Christian und Barbara Drebber, die den Schlossbiergarten gemeinsam mit Dominik und Nicole Paffrath veranstalten.

Freuen sich über die gute Resonanz: Christian und Barbara Drebber, die den Schlossbiergarten gemeinsam mit Dominik und Nicole Paffrath veranstalten. © Stefan Grothues

Dass sie nun im Biergarten feiern können, haben sie Christian und Barbara Drebber sowie Dominik und Nicole Paffrath zu verdanken, die in nur 14-tägiger Vorbereitungszeit den Schlossbiergarten mit einem bunten Musik- und Unterhaltungsprogramm auf die Beine gestellt haben. „Seit dem Start am Donnerstag hatten wir schon 700 Gäste“, freut sich Christian Drebber.

Lichter, Jazz und Bier: Der Samstagabend im Schlossbiergarten

Lichter, Jazz und Bier: Der Samstagabend im Schlossbiergarten © Stefan Grothues

Der coronagerechte Biergartenbetrieb ist für Jens Gravemann und Bernd Wigger ein Treffer ins Schwarze. Die beiden Freunde stemmen ihre Maß Bier. „Keine Kirmes, kein Karparten, kein Ahaus Livehaftig – es ist einfach super, mal wieder unter Leute zu kommen“, sagt Jens Gravemann.

„Endlich mal wieder ausgehen!“ Darüber freuen sich Bernd Wigger und Jens Gravemann.

„Endlich mal wieder ausgehen!“ Darüber freuen sich Bernd Wigger und Jens Gravemann. © Stefan Grothues

Das aber mit Abstand. Normalerweise fährt der New Orleans Jazz dem Publikum in die Tanzbeine. Und die Sazerac Swingers haben schon manchen Club in einen Hexenkessel verwandelt. Jetzt aber mahnt Frontman Max Oestersötebier: „Wenn es euch gefällt, bleibt bitte sitzen. Drückt eure Gefühle durch angenehme Passivität aus.“ So sehen Feiern in Zeiten von Corona aus.

Sind wegen der Musik im Biergarten: Jakob Wolf, Aaron Dönnebrink und Ivo Groen.

Sind wegen der Musik im Biergarten: Jakob Wolf, Aaron Dönnebrink und Ivo Groen. © Stefan Grothues

Jakob Wolf (14), Aaron Dönnebrink (15) und Ivo Groen (16) zählen zu den Jüngsten im Publikum. Und doch sagen sie: „Jazz ist toll.“ Aber die drei sind auch vom Fach. Jakob und Ivo sind Schlagzeugschüler von Sazerac-Drummer Georg Kirschner. Das Musikerherz von Aaron und Ivo schlägt normalerweise allerdings etwas lauter: Metal ist ihr Ding.

Jetzt lesen

Jetzt ist Pause. Georg Kirschner strahlt, als er von der Bühne steigt. Endlich kann er wieder vor Publikum spielen. „Wir haben am 17. März begonnen, nur rumzusitzen“, sagt sein Bandkollege Max Oestersötebier. Immerhin sind ein paar neue Songs dabei herumgekommen. „Dass wir die heute Abend spielen können, das haben wir dem Mut der Veranstalter hier zu verdanken. Die sind auch bereit, mal ein Risiko einzugehen“, sagt Georg Kirschner anerkennend.

Weit über hundert Besucher genossen am Samstagabend die Biergartenatmosphäre mit Jazzmusik.

Weit über hundert Besucher genossen am Samstagabend die Biergartenatmosphäre mit Jazzmusik. © Stefan Grothues

Max Oestersötebier ist begeistert: „Das ist ein fantastischer Biergarten. Liebe Ahauser, ich gebe euch drei Wochen. Dann wollt ihr ihn gar nicht mehr hergeben.“ Bis zum 13. September geht der Biergartenbetrieb weiter. Und schon nach den ersten drei Tagen verspricht Christian Drebber: „Das werden wir auch gerne in Nach-Coronazeiten wiederholen.“

Lesen Sie jetzt