Die Ahauser Wertstoffhofmitarbeiter Marco Meyn und Nexhmedin Zaskoku finden hin und wieder Problemabfälle, versteckt unter gewöhnlichem Sperrmüll. © Anna-Lena Haget
Problemabfälle

Statt Straßenrand: Dorthin gehören problematische Abfälle wirklich

Müll gehört nicht in die Natur: Das weiß jedes Kind. Trotzdem passiert es immer wieder, dass problematische Abfälle wild irgendwo abgeladen werden. Wir zeigen hier auf, wie es besser geht.

Vor wenigen Tagen wurde mitten im Alstätter Brook ein ganzes Paket grauer Eternitplatten entdeckt, angebunden an ein Verkehrsschild. Wer die Platten dort entsorgt hat, ist bis jetzt unklar. Klar ist allerdings: „Die Entsorgung kostet viel Geld und das zahlt dann die Allgemeinheit“, sagt Norbert Tenhagen vom Fachbereich Tiefbau und Entsorgung der Stadt Ahaus. Deshalb sei es auch alles andere als ein Kavaliersdelikt, Bauabfälle und ähnliches illegal zu entsorgen.

Doch mit wilden Müllkippen habe die Stadt öfter zu tun. „Wenn wir die Leute erwischen, die den Müll dort hingeworfen haben, müssen die natürlich die Reinigung bezahlen“, sagt Tenhagen. Inklusive Bußgeld könne da eine Summe bis zu mehreren tausend Euro zusammenkommen.

Allgemeinheit zahlt drauf

Jedoch finden sich die schuldigen Umweltsünder längst nicht immer. Die Zusatzkosten des feigen Müllabladens werden deshalb für gewöhnlich auf die allgemeinen Gebühren für die schwarze Restmülltonne umgelegt. Das bedeutet, dass alle Bürger der Kommune draufzahlen.

„Der Wertstoffhof der Stadt Ahaus nimmt keinerlei Bau-, Baumisch- oder Abbruchabfälle an. Auch werden mit Ausnahme von Elektro- und Elektronikabfällen sowie Altbatterien keine gefährlichen Abfälle dort angenommen. Hierfür ist der Wertstoffhof nicht ausgerüstet, weder technisch noch personell, und hat hierfür keine Genehmigungen von den zuständigen Behörden“, stellt Norbert Tenhagen klar.

Die Eternitplatten wurden an ein Straßenschild gebunden.
Die Eternitplatten wurden an ein Straßenschild gebunden. © Polizei © Polizei

Und dennoch versuchen es einige Unverbesserliche immer wieder. Davon können auch die Wertstoffhofmitarbeiter Nexhmedin Zaskoku und Marco Meyn ein Lied singen. Ein alter Eimer Farbe oder Betonbrocken, versteckt unter Grünschnitt, all das gab es schon.

„Die Leute informieren sich nicht vorher zu Hause und denken dann, sie könnten alles hier entsorgen“, berichtet Zaskoku. Wenn die Mitarbeiter dann bestimmte Abfälle ablehnen, sei das Geschrei groß. „Die rasten dann aus, das kommt öfter vor“, sagt Marco Meyn.

EGW ist zuständig – in Estern werden Schadstoffe angenommen

Wenn der Wertstoffhoff die teils schadstoffhaltigen Problemabfälle jedoch nicht annimmt, wohin dann damit? „Zuständig für die Entsorgung gefährlicher Abfälle ist der Kreis Borken als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger. Dieser hat die Aufgabe der Abfallentsorgung insgesamt auf die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland in Gescher-Estern übertragen“, so Norbert Tenhagen.

„Dort können diese Abfälle abgegeben werden. Abgegeben werden können sie auch an sogenannte zertifizierte Fachbetriebe wie die Firma Stenau“, nennt er zwei Beispiele. Diese Firmen befördern schadstoffhaltige Abfälle in Abstimmung mit der EGW zu den Sammelstellen der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger.

Kein Gratis-Service

Hierbei seien besondere Nachweisvorschriften über den Verbleib der Abfälle und auch die Andienungspflichten den zuständigen Behörden gegenüber, wie dem Kreis Borken, zu beachten. Dass dieser Service, beispielsweise für die Entsorgung von asbesthaltigen Eternitplatten, für die Kunden nicht gratis ist, liegt auf der Hand.

Bei nicht organisch belasteten asbesthaltigen Materialien sei für 2021 ein Entgelt in Höhe von 159 Euro je Tonne, zuzüglich der gesetzlich gültigen Umsatzsteuer, festgesetzt, erklärt Frederik Ludwig, Pressesprecher der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland.

Zeitaufwändige Untersuchungen

„Wenn zum Beispiel nach einem Stallbrand die asbesthaltigen Eternitplatten mit Stroh verunreinigt und somit organisch belastet sind, ist das nochmal was ganz anderes“, so Ludwig. Die Materialien müssten dann aufwendig in zugelassenen Laboren untersucht werden.

Je nach Zusammensetzung werde festgelegt, wie der Abfall beseitigt werden dürfe. Die Koordination mehrerer Behörden, der beteiligten Labore und der Auftraggeber sei zudem zeitintensiv.

  • Der Ahauser Wertstoffhof nimmt folgende Abfälle kostenfrei an: sperrige Grün- und Gartenabfälle wie Baumschnitt, Strauch- und Astwerk sowie Herbstlaub aus Gärten. Ausgenommen sind Mutterboden und Rasenschnitt.
  • Außerdem Altholz, auch lackiert oder beschichtet und sonstigen Sperrmüll wie Möbel, Matratzen, Sprungrahmen, Bilder, Kinderwagen, Bügelbretter, Blumenkästen, Gartengeräte, Kleintierkäfige und vieles mehr.
  • Auch Elektro- und Elektronik-Altgeräte und Altkühlgeräte werden kostenfrei entsorgt, genau wie Gegenstände aus Altmetall wie Fahrradrahmen, Wäscheständer und Bleche (ausgenommen Autoteile) und ähnliches.
  • Altpapier, Pappe und Kartons, die nicht in die blaue Tonne passen und andere Leichtverpackungen und Styropor, Altglas und Altkleider, nimmt der Wertstoffhof auch an.
  • Pro Anlieferung nehmen die Mitarbeiter maximal drei Kubikmeter entgegen.
  • Das Schadstoffmobil der EGW nimmt eine Vielzahl an gefährlichen Abfällen an: Unter anderem Altbatterien, -farben, -lacke und -medikamente, CDs, Chemikalien, Düngemittelreste, Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren, Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Spraydosen aller Art, Thermometer, Säuren und Laugen.
  • Bei der EGW können auch gefährliche Abfälle aus Baumaßnahmen wie sogenanntes A4-Altholz, Mineralwolle, Teerpappe und deponierbare asbesthaltige Abfälle wie zum Beispiel asbesthaltige Eternitplatten abgegeben werden. Alternativ übernehmen private Entsorgungsunternehmen die Abgabe.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland und auf der Internetseite der Stadt Ahaus.

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