Wie die Ahauser mit der großen Hitze fertig werden

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40 Grad Hitze – das ist für die meisten einfach zu heiß. Wir haben uns in Krankenhäusern, Kitas und Seniorenheimen umgehört. Ein Mediziner gibt Tipps. Und die Schüler freuen sich.

Ahaus

, 24.06.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hitzefrei: Für alle Schüler an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen in der Stadt Ahaus endet der Unterricht bis einschließlich Mittwoch um 11.30 Uhr. Ob es auch an den restlichen Tagen der Woche Hitzefrei geben wird, entscheiden die Schulleitungen zu gegebener Zeit.

Auch an den Ahauser Grundschulen gibt es hitzefrei. Und das die gesamte Woche. „Mit der Sprecherin der Ahauser Grundschulen haben wir verabredet, dass ab Dienstag ab 12 Uhr hitzefrei ist“, erläutert Schulamtsdirektor Siegfried Werner auf Anfrage der Münsterland Zeitung.

Um eine Verlässlichkeit zu haben, so Werner, gilt dies bis Freitag. Die Grundschulen werden die Eltern per Brief am Montag direkt informieren. Auch der Unterricht wird angepasst. So gibt es an einigen Schulen an den heißen Tagen keine Hausaufgaben. „Bereits in der vergangenen Woche wurde in Schulräumen 28 Grad gemessen“, sagt Siegfried Werner. Die Offene Ganztagsbetreuung und die Übermittagsbetreuung, so betont der Schulamtsdirektor, sind von der Regelung nicht betroffen und stellen die Betreuung sicher.

In den städtischen Kitas gibt es kein hitzefrei, so informiert für die Stadt Ahaus Stefan Hilbring. Allerdings können Eltern ihre Kinder früher abholen, wenn sie wollen. „Einige Kitas gehen jetzt in den Wald oder machen kleinere Exkursionen“, so Stefan Hilbring weiter.

Belastung für Senioren

Eine Belastung für Bewohner und Pflegepersonal ist die Hitze auch in den Seniorenheimen. Alexa Garthaus, Pflegedienstleiterin im Caritas Seniorenheim St. Friedrich an der Eichenallee in Wessum, erzählt: „Morgens wird gut durch gelüftet, danach die Zimmer abgedunkelt.“ Allerdings, auch das erzählt sie, hätten viele der Senioren nicht so ein großes Hitzeempfinden, da ihnen sonst oft kalt sei.

Es wird jetzt besonders darauf geachtet, dass die Bewohner genug trinken. Und die Küche stellt von heißer Suppe auf Kaltschale um. Laken statt Decken und kalte Fußbäder sind weitere Aktionen gegen die Hitze.

Auch im Caritas Seniorenheim Heinrich-Albertz-Haus an der Hindenburgallee wird der Tagesablauf der Hitze angepasst. Einrichtungsleiter Martin Overbeck berichtet, dass darauf geachtet wird, dass leichte Kleidung getragen wird und es werden viel Getränke angeboten. Auf Ausflüge in der Mittagssonne wird verzichtet. Unter dem Motto „Urlaub ohne Koffer“, sollte eigentlich ein Ausflug gemacht werden. Aber es wird auf den Landgang verzichtet bei der „Kreuzfahrt mit Aktion drinnen“ für die Bewohner. Auch er berichtet, dass es gar nicht so viele Bewohner als so warm empfinden.

Der kühlste Ort ist der OP

In den Häusern des Klinikums Westmünsterland gibt es kostenloses Wasser für Patienten und das Personal. Wo immer es geht, wird versucht, die Sonne fern zu halten. Hier und und da werden Ventilatoren aufgestellt. Am angenehmsten ist, zumindest für das Personal, der OP, so Pressesprecher Dirk Terbahl. Anders als fast alle anderen Räume in den Krankenhäusern sind die Operationssäle klimatisiert.

In Julias Tierheim

Auch in Julias Tierheim ist die Hitze Thema. Am Montag wurden noch einmal Sonnensegel gekauft und montiert, um schattige Plätze zu schaffen. Große Planschbecken und ein Teich bringen Tieren, die es mögen, Abkühlung.

Julia Rehermann erläutert, dass sich auch der Tagesablauf ändert: „Nachmittags gibt es jetzt keine Gassizeiten.“ Der heiße Asphalt könne schmerzhaft für Hundepfoten sein. Was im Tierheim gilt, kann die Tierheimleiterin auch allen Tierbesitzern empfehlen:

  • Spaziergänge möglichst frühmorgens machen oder spät am Abend.
  • Auf anstrengende Touren verzichten.
  • Wer oft mit dem Fahrrad neben seinem Hund fährt, sollte das jetzt nicht tun. „Bereits ab 20 Grad sollte man das Fahrrad zuhause lassen. Das wissen viele nicht“, sagt Julia Rehermann.
  • Viel Wasser anbieten. Bei Hunden, die nicht viel trinken, kann man das Futter mit Wasser aufweichen.
  • Im Auto ist es viel zu heiß für Tiere, auch Autofahren sollten vermieden werden.

Wie die Ahauser mit der großen Hitze fertig werden

Julia Rehermann gönnt einem Hund des Tierheims eine Abkühlung im Wasser. © Markus Gehring

Fragen an Dr. Waldemar Bensch

Egal, ob Jung oder Alt, Mensch oder Tier – die hohen Temperaturen sind für alle sehr belastend. Was besonders zu beachten ist, beantwortet Dr. Waldemar Bensch, Kardiologe und Sportmediziner am Maria-Hilf-Krankenhaus in Stadtlohn.

Was sind die Risiken bei der großen Hitze?

Bei Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen kann es zu Luftnot, im schlimmsten Fall zu Bewusstlosigkeit kommen.

Was sind die Warnzeichen?

Schwindel kann ein erstes Anzeichen für Kreislaufprobleme sein. Wenn man zu wenig getrunken und das Herz zu wenig Flüssigkeit hat, wird es entsprechend schneller schlagen. Herzrasen, Luftnot, Belastungsschwierigkeiten sind Warnzeichen.

Was ist dann zu tun?

Das muss man differenziert sehen. Beim gesunden Menschen reicht es, wenn er sich in die Kühle zurückzieht, an den See oder ans Planschbecken.

Oder eine kalte Dusche?

Lieber eine lauwarme Dusche. Die Temperaturunterschiede sollten nicht zu hoch sein.

Und wer gesundheitlich angeschlagen ist?

Viele Menschen kennen sich gut und wissen, wie sie mit Hitze umgehen. Sie belasten sich dann weniger. Im Zweifelsfall sollte man aber den Arzt aufsuchen.

Sie sprachen das Thema Temperaturunterschiede an. Wie sieht es mit eisgekühlten Getränken aus?

Besser sind lauwarmes Wasser, Tee oder ungesüßte Fruchtsäfte. Generell gilt, viel zu trinken. Wer viel schwitzt, sollte lieber Mineralwasser als Leitungswasser nehmen, da dies nicht so viele Mineralien hat.

Wie stehen Sie zum Thema Lüften? In vielen Großraumbüros gibt es zwei Lager. Die, die permanent die Fenster aufreißen wollen, um Sauerstoff ins Büro zu lassen, und die, die am liebsten morgens früh alle Fenster schließen und abdunkeln.

Beide Seiten sind zu verstehen. Generell ist es besser, frühmorgens zu lüften und dann die Fenster geschlossen zu lassen. Wenn viele Menschen in einem Büro arbeiten, rate ich, ab und zu für eine Stoßlüftung zehn Minuten die Fenster aufzureißen. Dann kann sich der Raum nicht so stark aufheizen.

Was muss der Sportler beachten?

Sportler sollten am besten früher aufstehen und am frühen Morgen ihre Sporteinheiten einlegen. Oder dann wieder spät am Abend. Auf keinen Fall in der Mittagssonne.

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