So süß, wenn sie wieder im Leben angekommen sind... © Christiane Hildebrand-Stubbe
Trotz Schutzverordnung

Trotz Kastrationspflicht kommen Tag für Tag neue Kätzchen ins Tierheim

Sie sind meist ganz jung, abgemagert, voll mit Parasiten, krank und völlig verwahrlost. Jeden Tag landen kleine Katzen in Julias Tierheim. Von der Kastrationspflicht spürt man hier nichts.

Es ist Sommer. Eine Jahreszeit, die Tierheim-Chefin Julia Rehermann gar nicht so richtig gefällt: „Es ist Katzen-Saison, die Zeit, in der extrem viele Tiere zu uns kommen.“ Das geht von Mai bis Ende September so. Täglich. Manchmal sind es sogar vier an einem Tag. Aktuell leben 80 Katzen in Julias Tierheim. Zum Vergleich: In guten Zeiten sind es höchstens 30.

Vorwiegend sind es ganz junge Kätzchen, meist alleine, manchmal aber auch mit der Mutter im Schlepptau, die aufgenommen werden. Manchmal sind sie sogar nur wenige Tage alt. Eine Situation, an der sich auch seit Inkrafttreten der „Verordnung zum Schutz freilebender Katzen“ im Kreis Borken vor zweieinhalb Jahren nichts geändert hat.

Wirkung braucht Zeit

Dabei sieht die Verordnung eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sowie ein Auslaufverbot für fortpflanzungsfähige Katzen und damit eine Kastrationspflicht vor. Bislang aber ohne Wirkung. Dafür sei es auch noch zu früh, glaubt man beim Kreis Borken. In der Antwort von Kreissprecher Karl-Heinz Gördes heißt es dazu: „ Eine sichtbare und spürbare Abnahme der Katzenpopulation entwickelt sich über Jahre. Daher ist es schwierig, bereits jetzt – nach zweieinhalb Jahren – einen klaren Trend zu erkennen.“


Die Tierheim-Betreiberin stimmt dem zwar grundsätzlich zu, hat aber doch noch eine andere Erfahrung gemacht: „Gerade hier bei uns im ländlichen Bereich ist die Kastrationspflicht für Katzen in den Köpfen oft noch gar nicht angekommen.“ Schon aus beruflichem Interesse beobachtet sie regelmäßig die Tier-Angebote bei Ebay und hat festgestellt, dass sich da kaum etwas geändert hat. Auf ihre kritischen Anmerkungen und den Hinweis auf die Verordnung an die Verkäufer bekommt sie auch in den seltensten Fällen einsichtsvolle Kommentare.

Julia Rehermann schmust mit einem Wurf kleiner Katzenkinder, der im Tierheim gelandet ist.
Julia Rehermann schmust mit einem Wurf kleiner Katzenkinder, der im Tierheim gelandet ist. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Kritisch sieht sie aber auch die Sache mit der Überprüfung, ob sich Tierhalter tatsächlich an die Verordnung halten. Der Kreis Borken dazu: „In der Praxis sind die Tierschutz- und Katzenschutzvereine zumeist erste Ansprechpartner. Durch sie wird oft der erste Kontakt zur tierhaltenden Person aufgenommen, die dabei auf die Katzenschutzverordnung und die daraus entstehenden Pflichten eines Katzenhalters / einer Katzenhalterin hingewiesen wird. Sollten ein solches Aufklärungsgespräch und wiederholte Hinweise nicht ausreichen, können nach der Katzenschutzverordnung ordnungsrechtliche Maßnahmen und Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die katzenhaltende Person durch den Kreis Borken eingeleitet werden.“

Überprüfung ist das große Problem

Und wie könnte das aussehen? „Zum Beispiel kann gegenüber dem Katzenhalter/der Katzenhalterin per Ordnungsverfügung angeordnet werden, die Freigänger-Katze kastrieren zu lassen und dem Kreis Borken dies mit einem entsprechenden Beleg von der behandelnden Tierarztpraxis nachzuweisen. Ein Verstoß gegen die Katzenschutzverordnung zum Beispiel die Nichteinhaltung der Kastrations-/Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht kann außerdem mit einer Geldbuße bis zu 1.000 Euro geahndet werden.“

Für Julia Rehermann sieht die Realität etwas anders aus: „Wir haben personell gar nicht die Möglichkeit, das zu leisten. Zwar wird der Tierschutzverein unter dem Dach ihres Tierheims – wie alle anderen Tierschutzorganisationen im Kreis auch – finanziell von diesem für die Aufgabe rund um die Einhaltung der Verordnung unterstützt, das aber ganz unabhängig vom weiterhin großen Versorgungsaufwand der Tiere.

Nach einem bestimmten Schlüssel erhalten die Organisationen vom Kreis Borken einen Anteil an den jährlich für diese Aufgabe bereit gestellten 15.000 Euro. Die Basisarbeit aber bleibt: Wenn zum Beispiel die Kätzchen noch so jung und schwach sind, dass sie nicht selbstständig fressen können, müssen sie mit der Flasche aufgepäppelt werden. Ein Einsatz rund um die Uhr. Und die Schwachen und Kranken benötigen sowieso mehr Zuwendung, kommen auch zuerst in Quarantäne.

Für die Tierheim-Leiterin ist es daher eine echte Herzensangelegenheit: „Lassen Sie Ihre Katzen nicht unkastriert frei rum laufen!“ Das sei aus Tierschutzgründen wichtig und richtig, aber eben auch eine Pflicht der Tierhalter.

Über die Autorin

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.