Fitnessstudio-Inhaber Dirk Rabe ist sauer. Er hat sich ein kontaktloses Konzept ausgedacht, doch öffnen darf er nicht. © Johannes Schmittmann
Ärger über Lockdown

Trotz Kontaktlos-Konzept darf Fitnessstudio nicht öffnen: „Lächerlich“

Der Ahauser Fitnessstudio-Inhaber Dirk Rabe hat ein komplett kontaktloses Konzept entworfen, damit seine Kunden wieder trainieren können. Alleine auf 1000 Quadratmetern. Doch es wurde abgelehnt.

Dirk Rabe ist sauer, sehr sauer. Der 46-Jährige besitzt zwei Fitnessstudios. Eines in Dülmen, eines in Ahaus an der Coesfelder Straße. Doch die beiden „BodyFits“ haben seit Monaten geschlossen. Auch die jüngste Anpassung der Corona-Schutzverordnung sieht keine Lockerungen für die Branche vor. Für Dirk Rabe in mehrerlei Hinsicht ein Unding.

Dirk Rabe ist aktuell der Einzige, der in dem Ahauser Fitnessstudio trainieren darf.
Dirk Rabe ist aktuell der Einzige, der in dem Ahauser Fitnessstudio trainieren darf. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

„Es geht langsam nicht mehr in meinen Kopf, was sich die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel da erlauben. Das ist lächerlich“, poltert er. „Lockdown, Lockdown und noch ein Lockdown. Ein anderes Mittel kennen sie nicht mehr.“ An der Tür seiner Studios hat er ein Schild angebracht: „Alle Politiker müssen draußen bleiben!“ Juristische Schritte sind eingeleitet. Dabei hatte Dirk Rabe im Frühjahr 2020 großes Verständnis dafür, dass nach Ausbruch der Corona-Pandemie auch seine beiden Fitnessstudios schließen mussten.

Verständnis für erste Maßnahmen im Frühjahr 2020

„Damals konnte keiner wissen, womit wir es zu tun haben. Ich habe die ersten Maßnahmen komplett mitgetragen“, sagt er. Selbst im Sommer, als die Infektionszahlen niedrig waren, verzichtete er auf den Familienurlaub und schlug zwei Einladungen zu Hochzeiten aus. „Wir wollten unseren Beitrag dazu leisten, die Pandemie in den Griff zu bekommen.“

Doch mittlerweile hat er das Gefühl, dass die Politik sich an den Zustand gewöhnt hat. Als Beispiel führt er einen Satz von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ins Feld, der im November 2020 gefallen ist. „Dort sagt er vor laufender Kamera, dass es ihm leicht gefallen sei, den Vorschlägen von Angela Merkel zu folgen“, so Rabe.

Noch wütender macht den 46-Jährigen aus heutiger Sicht aber die Begründung dieser Aussage. Denn Laschet sagte damals: „Uns ist es leichtgefallen, hier mitzumachen, weil wir auch den Bürgerinnen und Bürgern versprechen können: Diese Maßnahmen sind befristet.“ Als Frist nannte der Ministerpräsident damals den 30. November.

Kontaktloses Konzept steht, wird aber abgelehnt

„Jetzt haben wir Ende Februar und es ist immer noch nichts passiert“, erklärt Dirk Rabe. Dabei hat er sich in der Zwischenzeit viel überlegt, um das Training in seinen Studios coronakonform zu ermöglichen. „Wir haben ein komplett kontaktloses Konzept auf die Beine gestellt. Die Infektionsgefahr läge bei null. Aber auch das wird von den Ordnungsämtern abgelehnt“, sagt der Studio-Inhaber.

Auch der Einlass des BodyFit Ahaus ist kontaktlos.
Auch der Einlass des BodyFit Ahaus ist kontaktlos. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Das Kontaktlos-Konzept sieht so aus: Die Kunden buchen per App einen 90-Minuten-Slot. Per digitalem Code lässt sich die Außentür öffnen. Anschließend haben die Sportler anderthalb Stunden Zeit, alleine auf der rund 1000 Quadratmeter großen Fläche zu trainieren. An mehreren Stellen stehen Desinfektionsspender, Mircofaser-Handtücher werden von „BodyFit“ gestellt, Personal kommt nur zur Reinigung der Geräte. „Den Virologen möchte ich hören, der hier noch eine Ansteckungsgefahr sieht“, sagt Dirk Rabe mit einer großen Portion Sarkasmus in der Stimme.

Existenz steht mittlerweile auf dem Spiel

Denn so langsam geht es um die Existenz der 46-Jährigen. „Ich habe vier Jahre für meinen Traum hart gearbeitet; mir richtig etwas aufgebaut. Und jetzt fehlt jede Perspektive“, sagt er. Allein die Mietkosten gehen in den fünfstelligen Bereich, die Hilfszahlungen seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die von Olaf Scholz angekündigte Bazooka ist nur eine Wasserpistole.“

Auch für den Chef gehört die regelmäßige Desinfektion der Hände mittlerweile zur Routine.
Auch für den Chef gehört die regelmäßige Desinfektion der Hände mittlerweile zur Routine. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Außerdem stört Dirk Rabe, dass der Branche weiterhin das „Pumper-Image“ anhängt. „Die Arnold-Schwarzenegger-Typen machen nur noch zwei Prozent aus. In unseren Studios geht es um Fitness und Gesundheit. Viele Kunden bekommen Reha-Sport vom Arzt verschrieben. Es hat gravierende Folgen, wenn sie nicht kommen dürfen.“

Was er sich wünscht: Ein konkreter Stufenplan, wie ihn Christian Lindner (FDP) schon vor Wochen vorgeschlagen hat. „Aber da daddelt Angela Merkel ja lieber auf ihrem Handy rum, statt einmal vernünftig zuzuhören“, schimpft der Fitnessstudio-Inhaber. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass die Bundeskanzlerin genau diesen Vorschlag nun selbst aufgreift und in den nächsten Tagen präsentieren möchte.

Bei aller Politiker-Schelte hat Dirk Rabe allerdings auch ein Lob zu verteilen: „Bürgermeisterin Karola Voß und Ordnungsamtsleiter Michael Gerling waren die Einzigen, die sich mit meinem Konzept überhaupt intensiv beschäftigt haben. Aber ihnen waren die Hände gebunden.“ Bei der Gemeinde Dülmen sei sein Antrag erst gar nicht bearbeitet worden. „Da waren die Beamten wohl in Kurzarbeit“, sagt der 46-Jährige und quält sich zu einem Lachen.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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